12. November 2016

Bezirksausschusssitzung 2016

Von: Rainer Glissnik

Gymnasium vom Kind aus verändern

 

Die Unzufriedenheit am Gymnasium wächst, erklärte Eva-Maria Schäffer, Schriftführerin im BLLV Landesvorstand, bei der Bezirksausschusssitzung des BLLV Oberfranken. Sie ist Gymnasiallehrerin in Bayreuth. Momentan herrsche viel Unzufriedenheit mit dem achtjährigen Gymnasium G8. Leidtragende sind Schüler, Lehrer und Eltern. Der BLLV arbeite an einer vom Kind aus gedachten Veränderung und entwickelte ein eigenes Modell für eine Weiterentwicklung.

 

Sie bedauerte, dass der Philologenverband noch vor der Pressekonferenz des BLLV dazu eine Pressemeldung heraus gab. Aber das Kultusministerium erkannte dieses Papier durchaus als Grundlage an. Dies mache ihr Hoffnung, dass die Überlegungen einbezogen werden.

 

Das Modell des BLLV orientiere sich am Kind. Jedes Kind selbst entscheide in welcher Zeit es die Mittelstufe durchlaufen will. Gerade in der Mittelstufe seien viele Schüler die mehr Zeit brauchten. Aber es gebe auch viele starke Schüler die mehr Zeit außerhalb der Schule wollten. Für Musik und Sport sei derzeit einfach für viele kaum Zeit.

 

Großes Plus an diesem vom BLLV vorgestellten System sei dass sich dieses an den Schüler anpasst, nicht der Schüler an das System. Jeder Schüler und jede Schülerin muss alle Lehrplaninhalte als Fachmodule abarbeiten. So können die Fachinhalte der Klassen 7 bis 10 in vier oder fünf Schuljahren abgedeckt werden. Brückenmodule seien eine Möglichkeit um Nachmittagsunterricht zu verringern. Hier werden Inhalte gefestigt ohne dass Neues hinzukommt.

 

In einem so flexiblen System entstehen Freistunden. Diese sollten aber genutzt werden, was als „Lernstudio“ bezeichnet wird. Das sind betreute Arbeitszeiten im Stundenplan. Das System sei nicht gar so neu, sondern an die Oberstufe angelehnt. In einer Jahrgangsstufe können auch Jahrgangsmodule aus vorherigen Jahrgangsstufen besucht werden. Dies bringe eine Individualisierung. Das könne dazu führen dass auch in der 11. Klasse noch einige Fachmodule der 10. Klasse absolviert werden. Es sind im Grunde Vorschläge. Es komme ganz auf die jeweilige Ausstattung der Schule an, ob Intensivierungs- und Pluskurse angeboten werden können.  

 

Ein etwas schwächerer Schüler brauche mehr Unterstützung. Auch der habe seine Fach- und Brückenmodule. Intensivierungsstunden könnten gute Fördermöglichkeiten sein, wenn sie nicht wegen der Personalsituation wegfallen. Durch das System einzelne Fächer einmal auszusetzen und in Brückenmodulen diese aufzuarbeiten könne vielen Schülerinnen und Schülern geholfen werden. Diese Schüler könnten dann auch nachmittags Stunden leisten und so mehr Fördermöglichkeiten nutzen.

 

Das Klassenlehrerprinzip falle weg, wobei die persönliche Bindung aber enorm wichtig sei. Jeder Mittelstufenschüler brauche deshalb einen Coach, der ihm über die Jahre zugeordnet ist. Mit diesem werde auch die Auswahl der Module laufen. Jeder Schüler brauche Bindung und Beziehung, die Lernerfolg ausmachten.

 

In diesem System gebe es kein Sitzen bleiben. „Wer hat denn etwas vom Sitzen bleiben? fragte Eva-Maria Schäffler. Warum solle jemand eine Klasse komplett neu machen wenn er in zwei Fächern schlecht war. „Ich wiederhole nur die entsprechenden Fachmodule“, sei Folge des Konzepts.  

 

Es sei kein starres System, das Kind könne sich in einem entsprechenden Rahmen orientieren. Wenn jemand in die Oberstufe eintreten will müsse er die Fachinhalte der Mittelstufe erfüllt haben. Die Mittlere Reife setze voraus dass er die Fachmodule der 10. Klasse erfüllt hat. Dieses System könne jedes Gymnasium anbieten. „Da muss sich keine Schule entscheiden.“ Die Schule passt sich dem jeweiligen Lernstand des Kindes an.

 

So etwas gehe nicht zum Nulltarif. „Es kostet mehr“, gab Eva-Maria Schäffer zu. „Es kostet aber auch mehr wenn ich zurück zum G9 gehe.“ Die Schule habe sich weiterentwickelt und ein Zurückgehen auf den Stand vor zehn Jahren wäre ein Rückschritt. Wenn es schon mehr kosten müsse es so werden dass das Kind etwas davon hat und auch die Lehrer. Jetzt sei die Zufriedenheit jedenfalls nicht so groß.

 

Ein Vorteil sei auch, dass Kinder aus dem schnelleren Zug ebenfalls später Module wiederholen könnten. „Es ist kein starres System.“ Jedes Jahr könne entsprechend der Leistung die Mittelsrufe durchlaufen.

 

Wir qualifizieren durch Wiederholungen, meinte Bezirksvorsitzender Henrik Schödel. Wer etwa in Mathematik in einer Jahrgangsstufe scheitere könne dieses Modul wiederholen. „Wir produzieren keine Sitzenbleiber, keine Kinder die psychisch daran scheitern weil sie eine ganze Jahrgangsstufe wiederholen.“ Scheitere jemand auch nach der Wiederholung werde er wie bisher nicht am Gymnasium bleiben.

 

Für den Lehrer vor Ort werde sich nicht viel ändern außer durch das Coachingsystem. Dieses koste Zeit und Personal. „Wenn wir ein solches System haben brauchen wir ein ordentliches Coaching“, betonte Eva-Maria Schäffer. Gebe es hierfür nicht die entsprechenden Mittel werde dieses System nicht erfolgreich sein. Natürlich werde viel vom Engagement des einzelnen Lehrers abhängig sein. Hier stelle sie ohnehin eine erhebliche Einsatzbereitschaft fest.

 

Ein Schüler könne bei diesem System Fächer intensivieren die er schon absolviert hat und wiederholt nur diejenigen die er nicht schaffte, meinte Bezirksvorsitzender Henrik Schödel. Es gebe keine Stigmatisierung als Sitzenbleiber mehr. Er dankte Fritz Schäffer, Eva-Maria Schäffer und Roland Kürschner für deren engagierte Arbeit. „Ich stehe auch dahinter“, machte Henrik Schödel klar. Er hätte gerne selbst auch einmal ein Brückenmodul gehabt als Schüler. „Wir sind auf einem guten Weg!“ Die Begeisterung von Eva-Maria Schäffer reiße einfach alle mit, lobte Klaus Strobel.

 

Im Winter gebe es Lernentwicklungsgespräche, im Sommer lange  Zeugnisse, erläuterte Henrik Schödel. Ein Bezirksverband  wolle nur noch Notenzeugnisse ohne Bemerkungen. Warum solle die Grundschule zweiseitige kompetenzorientierte Zeugnisse erstellen wenn es im Gymnasium nicht weiter gehe. Der oberfränkische Bezirksvorstand halte diese Zeugnisse schon für sinnvoll. Aber jeder mache einen aufwändigen Betrieb. Es müsse bayernweit einheitliche Zeugnisse geben die vergleichbar sind. Wenn ein Schüler von Coburg nach Memmingen zieht müsse dies vergleichbar sein.

 

Der Bezirksvorstand Oberfranken habe eine eigene Meinung und sich anders entschieden. Vielmehr müsse sich das ISB Gedanken machen über Qualitätsstandards in jeder Jahrgangsstufe und der Lehrer klicke unter mehreren Möglichkeiten das Entsprechende an. Der BLLV Oberfranken sei nicht für ein Zeugnis nur mit Noten. Aber es müsse eine Arbeitserleichterung für die Kollegen vor Ort entstehen. Eric Schlee befürchtete komplizierte Bausteine. Die Kollegen müssten durch vernünftige Bausteine entlastet werden.

 

BLLV, Bayerischer Fußball-Verband BFV und die Bayerische Versicherungskammer haben das Projekt „Ballhelden“ vorbereitet. Schüler sollen Parcours durchlaufen die mit Fußball zu tun haben. Entsprechend bekommen sie Punkte und können Sponsorengelder aquirieren. Je ein Drittel der Gelder teilen sich Schule, BFV und BLLV Kinderhilfe. Auftaktveranstaltung ist im Mai 2017. „Eine tolle Geschichte“, freute sich Henrik Schödel.

 

Lehramtsanwärter werden von Schülern bewertet, Schulleiter besprechen dies mit den jungen Lehrern. Der Hauptpersonalrat kann nicht mitbestimmen, aber dieser will es nicht dass Kinder die Lehrer beurteilen. Schon jetzt lassen manche Lehrer sich ein Feedback ihrer Schüler persönlich für ihren Gebrauch geben, was gut sei. Aber das vorgesehene System sei ein No-go, betonte Henrik Schödel.

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