09. November 2017

DEMOKRATISCH HALTUNG ZEIGEN

Von: Sandra Schäfer, NLLV-Vorsitzende

Schlagzeilen dominieren Inhalte und gewinnen Macht. Diese Zusammensetzung des Bundestages hat wohl kaum einer für möglich gehalten. Gerade in unserem Beruf als Lehrerinnen und Lehrer, dem wir gemeinsam unser ganzes Engagement widmen, sind wir gefordert, dem entgegenzutreten, Haltung zu zeigen.

Weitere Investitionen in Bildung – auch in Nürnberg ein Muss

Radikalen Denk-, Sprech- und Handlungsweisen entgegenwirken, dies ist unsere Aufgabe. In unseren Schulen sitzt die Gesellschaft von morgen. Wir Erwachsene sind ihre Vorbilder, unser Verhalten färbt auf Kinder und Jugendliche ab. Zugleich dürfen wir nicht tatenlos zusehen, wenn wir destruktive Umgangsformen in der Schule erleben. Der BLLV hat deshalb ein weit beachtetes Manifest gegen diese Verrohung von Sprache und Umgangsformen verfasst – um unsere Gesellschaft vor Spaltung, Brutalität, Rücksichtslosigkeit und Radikalisierung zu schützen. Unterstützen Sie das An- liegen und verbreiten Sie das Manifest weiter, unterzeichnen auch Sie: https://www.bllv.de/ eintragen.12405.0.html

Der Schweizer Journalist Frank A. Meyer stellt in seinem Artikel “Hysterie statt Streitlust“ folgende Frage: „Könnte es sein, dass die deutsche Nation, gesegnet mit dem modernsten Grundgesetz der Welt, sich erst noch zur bürgerlichen Demokratie mausern muss? Dass sie hinter dem Grundgesetz herhinkt? Dass die demokratische Kultur noch der Einübung bedarf..?“

Haltung zeigen heißt es, wenn es darum geht, Missstände zu benennen, die uns in dem behindern, was wir mit Leidenschaft tun: unsere SchülerInnen unterrichten. Aber auch der aktive Einsatz für Verbesserungen erfordert Mut und Haltung.

Was jedoch, wenn es Ihre persönliche Lebenssituation gerade nicht zulässt, dass Sie sich engagieren, in einer Funktion oder ineinem Arbeitskreis Ihre Überzeugungen vertreten? Dann haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung, Ihre Befürchtungen und Ihre Ideen Ihrer/Ihrem NLLV Vertrauensfrau/-mann an Ihrer Schule vor Ort mitzugeben oder uns direkt anzusprechen. Gemeinsam stark, gemeinsam bringen wir Dinge voran!

Weitere Investitionen in Bildung – auch in Nürnberg ein Muss

Alles ist gut?

Auch in diesem Jahr heißt es zu Schuljahres- beginn von offizieller Seite: „Alles ist gut. Die Stunden zu Schuljahresbeginn reichen aus.“ Das stimmt nur kurz, denn eine 100 % Versorgung am ersten Schultag heißt, dass die Schule personell um ca. 10 % unterbesetzt ist.

Die Schere zwischen den Aufgaben der Schule und der Personalversorgung wird immer größer - vor allem an Grund-, Mittel- und Förderschulen. Es besteht die Gefahr, dass die Bildungsqualität an unseren Schulen nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch das Thema Lehrergesundheit wird mit den steigenden Anforderungen an den Einzelnen immer wichtiger.

„Ich kann überhaupt keine zusätzlichen Stunden mehr anbieten, da ich so eine enge Stundenzuweisung bekommen habe“, klagt nicht nur eine Schulleiterin. Auch in diesem Jahr wird es in Kürze zu erheblichen personellen Engpässen kommen. Unterrichtsausfälle sind schon jetzt absehbar. Fast an jeder Schule fallen dringend benötigte Erweiterungsangebote komplett weg oder sind stark reduziert.

Voraussetzung für eine hohe Bildungsqualität ist, dass Lehrerinnen und Lehrer gute Rahmenbedingungen vorhanden und die ihnen anvertrauten Aufgaben professionell anpacken können. Dazu sind multiprofessionelle Teams, gut ausgestattete Schulleitungen und vielfältige Fördermöglichkeiten dringend nötig. Die Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern und zu fordern, geht ohne diese Maßnahmen nicht. 

Herausforderungen

Auch in Nürnbergs Schulen stehen bei Inklusion, Integration und Digitalisierung große Herausforderungen an. Die Kollegen sind bereit, sich diesen zu stellen, nur kann es doch nicht sein, dass dies permanent zusätzlich aufgeladen wird. Bereits zu Schuljahresbeginn sind Kolleginnen und Kollegen aus den Schulleitungen und in den Klassen unter enormem Belastungsdruck.

Nachdem für viele Schulleitungen der An- fang des Jahres durch kurzfristige Änderungen in den Personalzuweisungen sowieso schon besonders herausfordernd war, verstärkte der in Nürnberg vorgezogene Statistiktermin die Stresssituation. Besonders in den Grundschulen belastet weiterhin das Problem der Verschärfung der Betreuungsrichtlinien in den Horten die Arbeit. Der Wunsch von Eltern und Schulen nach Ausbau von Ganztagesangeboten muss endlich umgesetzt werden. Bayern bildet das Schlusslicht im Ländervergleich. Nürnberg verfügt über gerade mal drei Ganztagesgrundschulen. Vor allen Lehrerinnen und

Lehrer in den Übergangsklassen sehen sich angesichts hoher Klassenstärken vor enorme Herausforderungen gestellt, mit großer Sorge vor personellen Engpässen.

Die permanente Mangelverwaltung ist ein Problem. Angesichts der allgemeinen Erkenntnis, dass die Themen Integration, Inklusion, Digitalisierung so wichtige gesellschaftliche Aufgabenstellungen sind, fehlt hier nach wie vor die Bereitschaft, ausreichend Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

In Brandenburg und Hessen sind erste Schulkrankenschwestern im Einsatz. Das mutet merkwürdig an? In Polen und Finnland Schulalltag! Jede Verwaltungsangestellte an unseren Schulen kann ein Lied davon singen, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil ihrer Arbeitszeit für das Verarzten kleiner Verletzungen benutzt werden muss. Zusätzlich kommen die psycho- logische Unterstützung sowie die Medikamentenvergabe, die auch durch den Bereich der Inklusion ein großes Thema geworden ist. Für all diese neuen Aufgabenfelder gibt es Lösungen und schließlich die Bereitschaft der Lehrkräfte sowieso. Dies allein genügt jedoch nicht, es muss endlich auch ausreichend investiert werden.

Lehrerbildung neu denken!

Natürlich bereitet die Suche nach qualizierten Lehrerinnen und Lehrern in Grund-, Mittel- und Förderschulen auch in Mittelfranken Probleme, da der Markt leer gefegt ist. Gleichzeitig stehen junge und bestens qualizierte Lehrerinnen und Lehrer, die dasStudium des Lehramts Gymnasium und Realschule erfolgreich abgeschlossen haben, auf der Straße- eine Situation, die sich seit vielen Jahren zuspitzt. Es bedarf endlich einer profunden und nachhaltigen Bildungs- und Personalplanung seitens des Kultusministeriums. Zentral hierfür ist ein leichter und unkomplizierter Wechsel von Lehrerinnen und Lehrern zwischen den Schularten. Die Lehrerbildung muss reformiert werden. Die deutlich schlechtere Bezahlung von Lehrerinnen und Lehrern an Grund- und Mittelschulen muss endlich abgeschafft werden.

Haltung zeigen wir, indem wir hinschau- en, die Themen benennen und den Finger in die Wunde legen. Denn weh tut es vor allen Dingen an den Schulen vor Ort. Hier geben engagierte Kolleginnen und Kollegen alles, da- mit unsere Zukunft bestens gedeiht. Trotzdem müssen sie feststellen, dass es ohne Unterstützung einfach nicht mehr geht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir Lehrerinnen und Lehrer sind Teil der Lösung, wir wissen, wo es brennt. Gemeinsam packen wir Themen an. Gemeinsam stark in Ihrem NLLV. Ich danke allen Mitgliedern, die sich einbringen in Zeiten, die Einsatz erfordern. Ich freue mich auf die Begegnungen mit Ihnen, wünsche viel Kraft und verbleibe mit herzlichen

Grüßen, 

Ihre

Sandra Schäfer

Vorsitzende des NLLV


Dateien:
nlz17_4.pdf4.1 M

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