28. Mai 2015

LehrplanPLUS für die Gymnasien

Stellungnahme zum Entwurf des LehrplanPLUS für die Gymnasien am 28.5.2015

 

 

1.     Notwendigkeit eines kompetenzorientierten Lehrplans

Überarbeitung des Lehrplanentwurfs hin zu einem echten Lernplan

Für die vom BLLV geforderte Neukonzeption des Gymnasiums kommt dem Lehrplan entscheidende Bedeutung zu. Der LehrplanPLUS bietet die große Chance, im Rahmen dieser ohnehin anstehenden Reform modernes und nachhaltiges Lernen zu fördern und Kompetenzorientierung zu erreichen. Der Lehrplan muss sich dazu zu einem Lernplan entwickeln, der sich nicht an dem ausrichtet, was alles an Inhalten wünschenswert erscheint, sondern daran, was aus lernpsychologischer Perspektive erlernbar ist.

Stoffverdichtung und enge Taktung, die bereits im G9 sehr problematisch waren, wurden durch das G8 verschärft. In zu vielen getrennten Fächern werden zu viele Inhalte in zu kurzer Zeit behandelt und zu häufig abgeprüft. Folge ist, dass Inhalte oft nur oberflächlich gelernt und zu häufig nicht durchdrungen, verstanden und nachhaltig gelernt werden. Die nächste Prüfung, das Erfüllen eines Pensums bestimmen das Denken von Schülern und Lehrern. Der Umfang des Lehrplans erfordert ein extrem hohes Lerntempo. Das zwingt die Lehrkräfte zur Reduktion des Stoffes auf abprüfbares Wissen.

Auch der schnelle Wechsel der Unterrichtsfächer führt in vielen Fällen zu Oberflächlichkeit und Hektik. Schülerinnen und Schüler lernen Begriffe oder Inhalte oft nur auswendig, ohne sie zu verstehen und zu behalten. Der für das Gymnasium besonders wichtige Anspruch, eine breite Allgemeinbildung zu vermitteln, bleibt in vielen Fällen auf der Strecke. Folge ist ein unreflektierter und inflationärer Gebrauch abstrakter Fachbegriffe, der vielen Schülerinnen und Schülern das Verständnis für die Lerninhalte versperrt und die Motivation zum Lernen unterläuft. Dies beschleunigt das Vergessen und die Gleichgültigkeit gegenüber den Lerninhalten und fördert generell Desinteresse am schulischen Lernen.

Eine Reihe von Lerninhalten wird in verschiedenen Fächern zu unterschiedlichen Zeitpunkten behandelt. Die Querverweise in den Fachlehrplänen sind zwar hilfreich, sorgen aber nicht für eine ausreichende Vernetzung. Schüler begegnen so verschiedenen Facetten eines Themas in unterschiedlichen Fächern, ohne die Zusammenhänge zu erkennen. Die Lehrer der unterschiedlichen Fächer können sich aufgrund der organisatorischen Zwänge, der Struktur der Stundentafel und des Lehrplanaufbaus nur in Einzelfällen thematisch absprechen und koordinieren. Auch dies verstärkt die Tendenz, bloßes Faktenwissen statt kategorialen Wissens zu vermitteln.

 

2.     Ansatzpunkte für eine Kompetenzorientierung des Lehrplans aus Sicht des BLLV

Die Lehr- und Lerninhalte müssen weiter gekürzt werden

Es geht nicht darum, bestimmte Inhalte als unwichtig abzuwerten. Nachhaltiges Lernen verlangt aber Vertiefung, Wiederholung, Vernetzung und Anwendung. Gymnasiale Bildung zeichnet sich durch Analyse und Reflexion aus, sie verlangt nach dem „Warum“ zu fragen und nicht nur nach dem „Wie“. Gymnasiale Bildung bedeutet also nicht, möglichst viel (Fakten-)Wissen möglichst vieler Fächer anzuhäufen, sondern den Dingen auf den Grund zu gehen. Die Lerninhalte müssen sich daher auf exemplarische Inhalte begrenzen, mit denen sich vertieft und vernetzt beschäftigt wird, um kategoriales Wissen und den Aufbau von Kompetenzen zu ermöglichen.

 

Der Lehrplan muss sich an entwicklungspsychologischen Erkenntnissen ausrichten

Die Lehrpangestaltung orientierte sich bisher zu wenig an der Entwicklungspsychologie. So werden abstrakte Inhalte immer noch in Jahrgangsstufen behandelt, in denen Schülerinnen und Schüler sie entwicklungspsychologisch bedingt noch nicht aufnehmen können, und für die sie sich auch aus ihrer Lebenswirklichkeit heraus nicht interessieren. Daher lernen sie oftmals nur leere Begriffe oder Namen, ohne sie zu verstehen und zu behalten. Im Lehrplan muss daher in jeder Jahrgangsstufe viel stärker die jeweilige psychische Entwicklungsstufe entsprechend des Alters der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden. Deshalb sollten an seiner Konzeption auch Entwicklungspsychologen mit beteiligt werden. Es müssen Freiräume für nachhaltige Unterrichtsmethoden geschaffen werden. Im Mittelpunkt müssen die Erkenntnisse des verständnisintensiven Lernens stehen.

 

Die Fächer müssen miteinander vernetzt werden

Kategoriales Wissen können sich Schülerinnen und Schüler am besten in fächerübergreifenden Projekten mit konkretem Bezug zur Lebenswelt aneignen. Dazu sind im Gymnasium feste, angemessene Zeitfenster für curricular verankerte fächerübergreifende Projekte nötig. Das Curriculum muss fächerübergreifend entwickelt und die hohe Anzahl verschiedener Fächer in der Unter- vor allem aber in der Mittelstufe reduziert werden. Entscheidend ist nicht eine Fächervielfalt, sondern eine Vielfalt an Inhalten. Der BLLV schlägt daher vor, den Unterricht nicht nur in Einzelfächern (z.B. Fremdsprachen, Mathematik), sondern verstärkt auch in Domänen (z.B. Natur- oder Gesellschaftswissenschaften) zu organisieren.

 

3.     Stellungnahme zu einzelnen Fächern

Englisch

Wenn der Wissenserwerb im kompetenzorientierten Unterricht kategorial erfolgen soll, konkrete Inhalte also durchaus austauschbar für den Erwerb der angestrebten Fähigkeiten, Fertigkeiten und Handlungsdispositionen sind, ist im Fach Englisch eine zu starke Fixierung auf schon bisher „kanonische“ Inhalte der englischen und amerikanischen Landeskunde i.e.S. und eine zu zögerliche Öffnung für Inhalte, die z.B. wahrhaft interkulturelles Lernen anbahnen könnten, zu konstatieren (z.B. Öffnung für afrikanische Länder sowie Indien erst ab Jg. 10). Schon deshalb weist der Text massive Redundanzen zwischen den Kompetenzbeschreibungen und dem „Lernbereich 5: Themengebiete“ auf.

Festzustellen ist in dieser Hinsicht im Bereich interkulturelles Lernen/Landeskunde ferner eine verstärkte Thematisierung der politischen Gegebenheiten v.a. des UK und der USA, (ab Jg. 7), welcher die Gefahr innewohnt, dass dies in den neuen Lehrbüchern zu einem massiven Anwachsen rein deklarativer Wissenselemente ohne echte lebensweltliche Relevanz für die Schüler bei fraglicher Altersgemäßheit führen kann.

Insgesamt ist auch beklagenswert, dass im Gegensatz zum derzeit gültigen Lehrplan die entsprechenden Kompetenzniveaus des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens Fremdsprachen nicht für jede Jahrgangsstufe ausgewiesen sind, obwohl dessen Stufenbeschreibungen dem Lehrplan offensichtlich zu Grund liegen.

 

Positiv anzumerken sind hingegen generell folgende Aspekte:

1.     Die verstärkte und längst überfällige Aufnahme des Hör-Seh-Verstehens (visual literacy; bisher im LP ausschließlich Hörverstehen),

2.     Die deutlichere Betonung einer kritischen Medienkompetenz in produktiver wie rezeptiver Sicht (vgl. Konzept der media literacy)

3.     Eine konsequente Differenzierung von Wortschatzarten (Funktionswortschatz, individueller Wortschatz, thematischer Grundwortschatz, etc.) sowie die konsequentere Betonung der Wichtigkeit der Lautschrift für ein lebenslanges, selbstgesteuertes und selbsttätiges Fremdsprachenlernen und der Notwendigkeit der Akkumulation eines individuellen Wortschatzes für eigene Neigungen/Interessen ab Jg. 5.

4.     Damit zusammenhängend auch die deutlichere Betonung der Selbststeuerung und (Selbst-) Evaluation, wenngleich unter fehlender/mangelnder Berücksichtigung von Peer Review, Scaffolding, LdL-Elemente, etc.

5.     Die insgesamt deutlich konkretere Füllung des Konzepts „Sprachmittlung“ (mit Progression bzw. steigender Transferweite hinsichtlich der „Spontaneität“ der Sprachmittlungssituation und des Anteils an notwendiger kultureller Mittlung; damit einhergehend: bessere Füllung des Begriffs „Interkulturelle Kompetenz“ (weg von reinem landeskundlichen deklarativen Wissen, das aber im alten Lehrplan auch schon nicht mehr als solches abgefragt werden sollte).

6.     Die Aufhebung mancher künstlicher Aufteilung von sinnvoller Weise zusammenhängend zu vermittelndem Grammatikstoff (z.B. beim Passiv, das bisher in Jg. 7 und 8 thematisiert wurde; ebenso bei den if-clauses II und III), sowie die – wenn auch nur sehr vereinzelte – Bereinigung des obligatorischen Grammatikcurriculums (z.B. hinsichtlich kaum mehr wirklich relevanten present/past subjunctive).

 

Unverständlich erscheint die Entscheidung, die Jahrgangsstufen 11/12 wieder in zwei getrennte Lehrplankapitel aufzuteilen: Die Ausführungen zu den einzelnen Kompetenzen sind praktisch identisch. Nur die jeweils vorgesehenen Themen sind anders. Dies führt nicht nur zu massiven Redundanzen, sondern schränkt auch die bisherige Möglichkeit der Lehrkraft modulare Themen frei zu verteilen empfindlich ein, was die Flexibilität des Reagierens auf aktuelle Entwicklungen (z.B. anstehende Wahlen, etc.) unnötig reduziert.

 

Mathematik

Im bisherigen Mathematiklehrplan wurden manche Themengebiete nicht erwähnt, obwohl sie zwingend behandelt werden mussten (z.B. Teilbarkeitsregeln). Dies kommt im neuen Lehrplan kaum noch vor, er kann daher als „ehrlicher“ angesehen werden.

Viele Themen werden im neuen Lehrplan in niedrigeren Jahrgangsstufen behandelt. Diese Verlagerungen sind größtenteils nachvollziehbar (z.B. Binomische Formeln von der 9. In die 7. Jahrgangsstufe; Potenzen mit negativen ganzzahligen Exponenten von der 8. in die 6. Jahrgangsstufe). Vermisst wird aber eine Entlastung durch den Wegfall anderer Inhalte. So kommt in der 5. Jahrgangsstufe neben Tangente, Trapez, Drachenviereck und dem bewussten Schlussrechnen noch die im Grundschullehrplan entfallene Division durch zweistellige Zahlen dazu – ohne eine entsprechende Reduzierung anderer Inhalte.

Auch wenn einige Themen gestrichen wurden (z.B. Heron-Verfahren, Polynomdivision, Newtonverfahren) und die Komplexität gebrochen-rationaler Funktionen drastisch eingeschränkt wurde, kann nicht von einer nachhaltigen Stoffreduktion und einer Konzentration auf wesentliche Inhalte gesprochen werden. So kommen nicht nur aber vor allem in der Qualifikationsphase mit den Sigma-Regeln, dem Volumen von Rotationskörpern, der Normalverteilung und Gaußfunktion mehrere völlig neue Themen hinzu, ohne dass es zu einer wesentlichen Entlastung kommt.

 

Geschichte

Ein Vergleich des alten Lehrplans mit dem Entwurf des LehrplanPLUS ergibt, dass für das Fach Geschichte das Ziel einer Stoffreduktion deutlich verfehlt wurde. Die zu behandelnden Themen wurden beinahe vollständig übernommen. Es kam lediglich zu einigen Verschiebungen, wie etwa bei der Behandlung des Themenbereiches „Alexander der Große“, der nun nicht mehr im Kapitel „Griechisch hellenistische Welt“, sondern im Längsschnitt „Menschen machen Geschichte“ behandelt wird.

Die Einführung von jeweils zwei Längsschnitten je Schuljahr erscheint als ein sinnvolles Prinzip. Allerdings weisen diese Längsschnitte eine viel zu große Anzahl von zu behandelnden Aspekte auf, um eine tatsächlich vertiefende Sicht zu ermöglichen. Besonders drastisch wird dies beispielsweise deutlich in dem Kapitel „Wirtschaft und Handel gestern und heute“, das für sechs Unterrichtsstunden vier völlig disparate Themenbereiche nennt, die den Schülerinnen und Schüler in der siebten Jahrgangsstufe größtenteils noch völlig fremd sind. Eine vertiefende oder gar vergleichende Betrachtung der Wirtschaftsmacht China im Mittelalter mit Europa zu erwarten, ist vollkommen illusorisch. Hier können nur punktuell Schlaglichter gesetzt werden. Es ist zu erwarten, dass diese Unterrichtsinhalte ohne die notwendige Vernetzung und Einbindung in vorhandenes Wissen rasend schnell verpuffen.

Das Protokoll des 1. Werkstattgesprächs im Rahmen des offenen Dialogprozesses zur qualitätsvollen Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums am 22. Mai 2014 nennt als Konsenspunkte die Nachhaltigkeit des Lernens als Ziel. Die Lehrplanreform wird dabei als zentrales (oder sogar entscheidendes) Element bei der Reform des Gymnasiums gesehen. Die Stärkung der Kompetenzorientierung der Lehrpläne bei gleichzeitiger Konzentration auf zentrale Wissensinhalte soll demnach erreicht werden durch eine Neuausrichtung der Lehrpläne in Richtung Kürzung in der Breite des Themenspektrums und der Vertiefung zentraler, wesentlicher Inhalte.

Für das Fach Geschichte muss leider festgestellt werden, dass der vorgelegte Entwurf diese Vorgabe nicht nur missachtet, sondern in das exakte Gegenteil verkehrt. Das Ziel der Kompetenzorientierung wird dadurch trotz aller Rhetorik und trotz oder besser wegen der Vielzahl der formulierten Kompetenzerwartungen klar verfehlt.

 

Wirtschaft/Recht

Vergleicht man den „alten“ Lehrplan mit dem LehrplanPLUS im Fach WR, so fällt auf, dass sich, insbesondere im WSG-W, aber auch in den anderen Zweigen, weitreichende Änderungen ergeben, die meist jedoch nur struktureller Natur sind. Dies ist insofern zu begrüßen, als dass gleiche Themen nun gebündelt unterrichtet werden und nicht mehr „verstreut“ in verschiedenen Jahrgangsstufen zu finden sind. So fasst z.B. der Lernbereich „Kapitalmarkt und Geldmarktentscheidungen“ Themen zusammen, die bisher in 9. und 10. bzw. 8. und 9. Klasse (WSG-W) unterrichtet wurden. Sicherlich kann diese Neuordnung der Themen zu einem größeren Wissenszuwachs bei den Schülern als vorher führen, da Querbezüge und Zusammenhänge leichter aufgezeigt werden können.

Ob dieses Wissen jedoch auch nachhaltig ist, darf bezweifelt werden, da die hierfür notwendigen Zeitkontingente nicht zur Verfügung stehen. Die angestrebte Kompetenzorientierung beinhaltet bei eben genanntem Kapitel z.B. nicht nur, verschiedene Geldanlageformen zu kennen, sondern sich auch einmal in einer Bank oder im Internet darüber zu informieren und die Kompetenz zu erwerben, Vorteile und Nachteile der einzelnen Formen sowie Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen und – so formuliert es der Lehrplan, „reflektierte Anlageentscheidungen zu treffen". Dies ist in der vorgegebenen Zeit – 8 Stunden sind für das Kapitel vorgesehen – jedoch nur sehr oberflächlich möglich, da neben den Geldanlageformen u.a. auch noch die Börse, Sparmotive und verschiedene Bankgeschäfte im Überblick nach gleichem Schema erarbeitet werden sollen.

Darüber hinaus wurde die Chance zur Zusammenarbeit mehrerer Fächer nur ungenügend umgesetzt. In der 10. Klasse bietet es sich zum Beispiel an, mit Geographie und Geschichte ein fächerübergreifendes Projekt anzustoßen, indem man verschiedene Wirtschaftsordnungen erarbeitet und deren Umsetzung dann anhand aktueller und vergangener Fallbeispiele überprüft. So könnten in diesem Zusammenhang z.B. die Probleme der Planwirtschaft in der ehemaligen DDR und in Russland erarbeitet werden oder auch die Notwendigkeit von Sonderwirtschaftszonen in der VR China. Eine ähnliche Zusammenarbeit ist auch in der Oberstufe mit Mathematik denkbar, da das Wissen über Funktionen im Fach WR benötigt wird, um z.B. das Erreichen der Gewinnschwelle eines Unternehmens bei verschiedenen Kosten- und Erlösfunktionen bestimmen zu können. Insgesamt sollte die Themenanzahl also gestrafft werden, um die angestrebte Nachhaltigkeit auch tatsächlich erzielen zu können.

 

Deutsch

Deutschunterricht ist per se kompetenzorientiert. Daher erscheint es nachvollziehbar, dass die Änderungen nicht durchgreifend sind. Zwar enthält der Entwurf eine im Grunde sinnvolle Umstrukturierung der Inhalte und sprachliche Modernisierung (Anpassung an aktuelle begriffliche Standards) des Lehrplantextes, aber keine grundlegende Veränderung der Inhalte. Gab es im alten Lehrplan z.B. die Bereiche „Sprechen“, „Schreiben“, „Sprache untersuchen, verwenden und gestalten – Sprachbetrachtung“, „Sich mit Literatur und Sachtexten auseinandersetzen“, „Medien nutzen und reflektieren“, so gibt es nun die Bereiche „Sprechen und Zuhören“, „Lesen – mit Texten und weiteren Medien umgehen“, „Schreiben“, „Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren“.  Eine Stoffkürzung ist damit allerdings nicht verbunden.  Es wird begrüßt, dass konkrete Beispiele für zu erwerbende Methoden nun im Entwurf genannt werden (z.B. Cluster, Mind Map, Textlupe usw.), Empathieschulung und die Fähigkeit zuzuhören werden betont. Auch wird z.B. dem Argumentieren und der Gesprächskompetenz im Allgemeinen bereits ab Jahrgangsstufe 5 ein größerer Stellenwert beigemessen, als das in der aktuell noch gültigen Version der Fall ist und der Bereich der Medienkompetenz wird stärker miteinbezogen. Die neue inhaltliche Schwerpunktsetzung ist insgesamt begrüßenswert, wird aber voraussichtlich bei mehreren Kolleginnen und Kollegen zu Fortbildungsbedarf führen. . Zu erwägen wäre noch, ob eine geringe Verschiebung von Lerninhalten aus der 5. in die 6. Jahrgangsstufe den Wechsel von der Grundschule auf das Gymnasium nicht etwas erleichtern würde, da dann das Lerntempo zu Beginn etwas reduziert werden könnte.

Der BLLV begrüßt, dass in der Oberstufe die Inhalte, die im Wesentlichen gleich geblieben sind, nicht mehr auf die beiden Jahrgangsstufen verteilt werden, d.h. ein chronologisches Vorgehen in der Literatur, wie dies der aktuelle Lehrplan mehr oder weniger vorgibt, jetzt nicht mehr zwingend notwendig ist. Dadurch werden z.B. thematische Querschnitte durch die Literatur von der Klassik bis zur Gegenwartsliteratur ermöglicht. Ebenso kann der Zeitpunkt der Behandlung der Inhalte der Kommunikations- und Sprachbetrachtung frei gewählt werden. An der Stofffülle im Fach Deutsch hat sich nichts geändert.

 

Es bleibt ein großes Pensum mit dem Schwerpunkt Aufsatz- und Literaturunterricht, das bewältigt werden muss. Eine aus unserer Sicht bedenkenswerte Alternative wäre gewesen, thematische und nicht literaturgeschichtliche Schwerpunkte zu setzen.

 

4.     Zusammenfassende Bewertung

Insgesamt fällt die deutlich ausführlichere Beschreibung auch bei gleichen Inhalten auf. Fraglich ist beim LehrplanPLUS insgesamt, dass die Grenze zwischen Kompetenzen im Sinne Weinerts (Wissensbestandteile, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Handlungsdispositionen) und tatsächlich beobachtbarem Schülerverhalten (Performanz) verschwimmt.

Das Anliegen, das mit dem vorgelegten Lehrplanentwurf verfolgt wird, wird von Seiten des BLLV geteilt und begrüßt. Leider sehen wir dieses Anliegen jedoch in der konkreten Ausführung nicht konsequent umgesetzt. Die Stärkung der Kompetenzorientierung der Lehrpläne bei gleichzeitiger Konzentration auf zentrale Wissensinhalte wurde insbesondere in den Sachfächern nicht erreicht, das Ziel einer Neuausrichtung in Richtung Kürzung in der Breite des Themenspektrums und der Vertiefung zentraler, wesentlicher Inhalte verfehlt.

Der BLLV fordert deshalb eine Überarbeitung, in der die Themenfülle noch einmal kritisch hinterfragt wird. Ohne eine Konzentration und Vernetzung der Inhalte wird die angestrebte Erhöhung der Nachhaltigkeit gymnasialen Lernens nicht erreicht werden können. Aus der Sicht des BLLV wäre damit eine große Chance vertan.

Wir bieten gerne unsere Mitarbeit bei der konkreten Gestaltung und Überarbeitung des vorgelegten Entwurfs an.


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