23. Februar 2002

Paradigmenwechsel für sonderpädagogisches Personal

Ein "Paradigmenwechsel" für das Personal an Förderschulen ist überfällig!

Grundsätzliches

Behinderung ist ein prozessuales und komplexes Geschehen. Der resultierende individuelle sonderpädagogische Förderbedarf mit seinen vielfältigen Ausprägungen kann nur erfüllt werden, wenn Lehrkräften und anderem Personal zur sonderpädagogischen Förderung ermöglicht wird, sich individuell, kontinuierlich und intensiv diesem Förderbedarf zu widmen. Qualifikationen, Leistungsanerkennung, Sicherheit, erträgliche Arbeitsbedingungen und Unterstützung für Lehrkräfte sind wesentliche Voraussetzungen für deren erfolgreiche Arbeit und damit für hohe sonderpädagogische Qualität.

Forderungen des BLLV

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) fordert, dem Personal in der sonderpädagogischen Förderung gerecht zu werden im Hinblick auf folgende Aspekte

  1. Qualifikationsmöglichkeiten
  2. Besoldung/Vergütung und Beförderung
  3. Arbeitszeit
  4. Klassen- und Gruppenstärken
  5. Unterstützung und Beratung
  6. Rechtssicherheit an Privatschulen

Zu 1. Qualifikationsmöglichkeiten

Der BLLV fordert die Fortführung der berufsbegleitenden

  • Nachqualifikation von Grund-, Haupt- und Volksschullehrkräften an Förderschulen;
  • sonderpädagogischen Zusatzausbildung des Personals für heilpädagogische Unterrichtshilfe;
  • Fortbildungssequenzen (mehrwöchig) für Fachlehrer/innen und Förderlehrer/innen an Förderschulen.

Zu 2. Besoldung/Vergütung und Beförderung

Der BLLV fordert

  • die Anhebung der Anwärterbezüge;
  • zusätzliche Stellen für Sonderschuloberlehrer/innen, um die zur Ernennung erforderlichen Dienstzeiten (mehr als 20 Jahre!) zu verringern;
  • eine angemessene höhere Eingruppierung für "heilpädagogische Förderlehrer" (HPF);
  • Funktionsstellen für Bereichsleiter/innen an Förderzentren.

Zu 3. Arbeitszeit

Der BLLV fordert

  • die Streichung des Pflicht-Arbeitszeitkontos;
  • eine Absenkung der Unterrichtsverpflichtung, insbesondere für Fachlehrer/innen an Förderschulen;
  • zusätzliche Anrechnungsstunden für die Schulleitungen entsprechend der gewachsenen Aufgaben und den Erhalt des Anrechnungsstundenkontingentes bei der Zusammenführung mehrerer Förderschulen zu einem Förderzentrum;
  • Stundenpools für jede Förderschule;
  • eine angemessene, d.h. höhere Anrechnungsstundenzahl für alle Lehrkräfte mit besonderen Zusatzfunktionen (Systembetreuer, Praktikumslehrer ...) bzw. mit Einsatz in mehreren Schulhäusern;
  • die Rücknahme der Kürzung bzw. Streichung von Anrechnungsstunden für Modellversuche und Beratungsschulen ("Kooperation" etc.).

Zu 4. Klassen- und Gruppenstärken

Der BLLV fordert eine Absenkung der Klassen- und Gruppenstärke.

  • Eine individuelle sonderpädagogische Förderung führt sich selbst ad absurdum, wenn Klassen- und Gruppenstärken sich denen an Grund- und Hauptschulen annähern. Der kontinuierliche Anstieg der vergangenen Jahre muss deshalb umgekehrt werden.
  • Die weitere Aufstockung der "Mobilen Reserve" ist dringend erforderlich, um Doppelführungen, Zusammenlegungen oder gar Unterrichtsausfall gerade an Förderschulen zu vermindern.

Zu 5. Unterstützung und Beratung

Der BLLV fordert

  • ein Verständnis von Schulaufsicht gegenüber Lehrkräften als Beratungs- und Unterstützungsinstitution. Erforderlich ist echte Hilfe statt Quotenerfüllung (Dienstliche Beurteilung);
  • adäquate Supervisionsmöglichkeiten für die auch und gerade an Förderschulen schwieriger gewordenen Verhältnisse (u.a. Verhaltensproblematiken).

Zu 6. Rechtssicherheit an Privatschulen

Der BLLV fordert,

  • dass staatliche Lehrkräfte bei privaten Trägern weder rechtlich noch wirtschaftlich gegenüber denen an öffentlichen Schulen benachteiligt werden;
  • dass auch an Privatschulen Beförderungen nicht vom Leistungsprinzip abweichen.

Resolution des Bayerischen Förderschultags des BLLV vom 23. Februar 2002 in Ingolstadt


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