26. Februar 2007

Bessere Verzahnung von Haupt- und Berufsschule

Die unterzeichnenden Verbände (BLLV, KEG, VLB) beobachten mit großer Sorge, dass die Chancen für Hauptschulabgänger am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt von Jahr zu Jahr schlechter werden. Da diese Entwicklung zu großen gesellschaftlichen Problemen führen könnte, muss alles getan werden, um junge Menschen mit guten Berufs- und Lebensperspektiven aus der Schule zu entlassen.

Das Vorhaben des Bayerischen Landtags, die Zusammenarbeit zwischen Hauptschulen und Beruflichen Schulen zu intensivieren, wird daher als ein pragmatischer Lösungsansatz begrüßt.

Die Probleme der leistungsschwachen Schulabgänger beginnen aber nicht erst am Ende der Schulzeit. Sie entstehen häufig zu Beginn der Bildungszeit, also bereits im Vorschulalter. Werden die Lernprobleme nicht rechtzeitig diagnostiziert und therapiert, kommt es im Verlauf der Schulzeit zu Leistungs- und Motivationsproblemen, die zu den bekannten Erscheinungen führen: Lernversagen, Lernverweigerung, Leistungseinbrüche, Vermittlungsprobleme am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Es ist daher dringend erforderlich, bereits in den Kindertagesstätten mit professionellen Diagnosen zu beginnen und die Voraussetzungen für individuelle und intensive Förderung zu schaffen. Dazu bedarf es professionell ausgebildeten Personals mit wichtigen Kompetenzen (z.B. Diagnosekompetenz, Sprachförderungskompetenz), guter Lern- und Arbeitsbedingungen (kleine Gruppengrößen, genügend Fachpersonal) und gesicherter Verbindlichkeiten (letztes Kindergartenjahr vor der Einschulung kostenlos und verpflichtend).

Die Übergänge vom Elementar- zum Primarbereich und vom Primar- zum Sekundarbereich müssen so gestaltet werden, dass Störungen des Entwicklungs- und Bildungsprozesses verhindert werden.

Alle pädagogischen Einrichtungen müssen personell und finanziell so ausgestattet sein, dass alle Schülerinnen und Schüler individuell gefördert und gefordert werden können.

Die Bedeutung der genannten Forderungen ist spätestens seit Veröffentlichung der PISA-Befunde in Fachkreisen unumstritten. Mit der Umsetzung einiger Forderungen wurde bereits begonnen, andere sind bislang nicht berücksichtigt worden.

Mit dem bereits erwähnten Landtagsbeschluss zeigt die bayerische Legislative, dass sie die Problematik erkannt hat und ernst nimmt.

Die unterzeichnenden Verbände sind sich ihrer Verantwortung bewusst und wollen das Anliegen des Landtags gerne unterstützen.

Auf den folgenden Seiten haben wir Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Hauptschule und Beruflichen Schulen aufgelistet. Ein Teil der genannten Kooperationsformen wird bereits an manchen/vielen Standorten in Bayern praktiziert, ein Teil könnte neu eingeführt bzw. deutlich erweitert werden.

Konkret unterbreiten wir Ihnen, Herr Staatsminister, folgende Vorschläge:

  1. Kooperation:
    Lokale Verzahnung zwischen Hauptschulen und Berufsschulen
    Es gibt eine Reihe von gut funktionierenden Kooperationsmodellen (best practice) zwischen beruflichen Schulen und Hauptschulen.
    Als Umsetzungsmodell wird eine analoge Anwendung der Kooperationen Kindergarten-Grundsschule („Programm-Elemente“ – Kooperationsbeauftragte) vorgeschlagen.
    Wir empfehlen eine probeweise Durchführung an dem Standtort Passau (Vorteil: Käfler, Wolfel, Waschler)
  2. Ausbildungsanteile im Referendariat/Vorbereitungsdient:
    Es sollen Informationsveranstaltungen und Praktika von ca. 3 Seminartagen in der jeweils anderen Schulart durchgeführt werden.
  3. Gezielte Zusammenarbeit mit der lokalen Wirtschaft:
    Für sinnvoll werden Betriebspraktika der Hauptschullehrkräfte (Block- oder Teilzeitmodell) mit einer UPZ-Minderung z.B. im darauffolgenden Schuljahr angesehen.
  4. Jugendliche mit Migrationshintergrund:
    Es sind gezielte Überlegungen und möglichen Maßnahmen bezüglich der besseren „Erreichbarkeit“ von Jugendlichen mit Migrationshintergrund anzustellen.
  5. Erwerb des Mittlerer Bildungsabschlusses an der Hauptschule:
    Auf eine stärkere Bewusstseinsbildung über die Möglichkeit einen gleichwertigen Mittleren Bildungsabschluss an der Hauptschule zu erwerben, ist nachhaltig zu betreiben.

 

 

Bernhard Buckenleib, KEG
Albin Dannhäuser, BLLV
Hans Käfler, VLB


Dateien:
Verzahnung-BS-HS-Ausw.pdf18.6 K

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