16. Juli 2009

Grundschule stärken

Eingabe der Eltern, Lehrer und Interessierten an den Bayerischen Landtag

In der Grundschule werden die lebenslangen Lernbiografien zugrunde gelegt. Denn, wer als Kind erfolgreich lernt, wird dies auch als Erwachsener tun. Erfolg motiviert und schafft Selbstvertrauen. Beides sind unabdingbar Voraussetzungen für spätere persönliche Entfaltung und herausragende berufliche Leistungen. Weil unsere Kleinen ganz GROSS werden sollen, müssen wir die Grundschule ganz stark machen! Die Unterzeichnenden fordern den Bayerischen Landtag auf, die Grundschule neu zu bewerten und weiterzuentwickeln. Im Einzelnen fordern wir:

1. Mehr Mittel für Förderung

Bayerns Grundschulen brauchen Zusatzpersonal für Förderunterricht. Es darf nicht mehr die Regel sein, dass Eltern mit teurem Nachhilfeunterricht Leistungsdefizite ihrer Kinder kompensieren müssen. Zusatzpersonal muss finanziert und eingesetzt werden für gezielte Fördermaßnahmen Einzelner und in Kleingruppen, für die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Grund- und Förderschule, für rhythmisierte Ganztagsschulen, für Sprachunterricht, für qualifizierte Hausaufgabenbetreuung und für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und Kindergärten.
 

2. Mehr Lehrer für kleinere Klassen und Gruppen

Klassengrößen und die Gruppenstärke des Fachunterrichts sind zu groß. Wir fordern bis zum Jahr 2010 eine Reduzierung der Klassenhöchstgrenze auf 25 Kinder und bis zum Jahr 2015 auf 20 Schüler. Die Gruppenstärke im Fachunterricht darf die Stärke einer halben Klassengröße nicht überschreiten. Darüber hinaus müssen die Eingangsklassen dringend verkleinert werden. Hierfür benötigt Bayern mehr Ressourcen. Außerdem soll es eine kindgerechte Schuleingangsphase ab dem 5. Lebensjahr geben, in der Erzieher und Grundschullehrerinnen und -lehrer zusammenarbeiten.
 

 3. Freie Schullaufbahnentscheidung

Das Sortieren von 9- und 10-Jährigen ist unverantwortlich. Es demotiviert und lässt jährlich Zehntausende von Kindern als Verlierer zurück. Sie belastet das Familienklima und die Lernmotivation von Kindern. Wir fordern eine grundlegende Vereinfachung des Übertrittsverfahrens, solange die Grundschule nur vier Jahre dauert. Aus unserer Sicht sollten nach einem Beratungsgespräch mit den Grundschullehrern die Eltern in eigener Verantwortung über die Schullaufbahn ihres Kindes entscheiden.
 

4. Längere gemeinsame Schulzeit

Weltweit besuchen die Kinder in der Regel acht Jahre gemeinsam die gleiche Schule. Der Schulerfolg ist in diesen Schulen gleich hoch oder noch höher als in Bayern. Deutschland hat eine andere historische Entwicklung genommen: 1921 wurde beschlossen, die Kinder im Alter nach der 4. Klasse zu sortieren. Das ist zu früh! Wir fordern eine längere gemeinsame Schulzeit.
 

5. Bessere Lehrerausbildung

Das Wissen der Entwicklungs- und Lernpsychologie, der Hirnforschung und der Pädagogik über frühes Lernen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Die notwendige wissenschaftliche und handlungsrelevante Qualifikation der Grundschullehrer hat sich deutlich ausgeweitet. Wir fordern ein 10-semestriges Lehramtsstudium für alle Lehrämter, auch für die Grundschule. Es soll sich stärker am Berufsfeld orientieren und mit einem Masterabschluss und einem Staatsexamen abschließen.
 

6. Gleicher Status der Grundschullehrerinnen und -lehrer

Grundschullehrer und -lehrerinnen leisten anspruchsvolle professionelle Arbeit mit großer Verantwortung gegenüber den ihnen anvertrauten Kindern und der Gesellschaft. Grundschullehrer genießen das Vertrauen der Eltern. Nur eines ist noch wie vor hundert Jahren: Status, Laufbahn, Beförderung und Besoldung stehen zusammen mit denen der Hauptschullehrer hinter den anderen Lehrerinnen und Lehrern zurück. Wir fordern den gleichen Status für alle Lehrer.

Nichts ist kostenlos – auch keine Verbesserung der Grundschule! Um obige Ziele zu erreichen, fordern die Unterzeichner die Bereitstellung von fairen Bildungsausgaben für die Umsetzung dieser Forderungen. Die Bildungsfinanzierung muss vom Kopf auf die Beine gestellt werden und die Bildungsausgaben müssen im Grundschulbereich denen des Sekundarbereichs angeglichen werden, damit die „Kleinen ganz GROSS" werden. Wir fordern eine Erhöhung der Ausgaben pro Grundschüler auf das Niveau der Gymnasialschüler, also 4.900 Euro pro Schüler und Schuljahr.

Am 16.7.2009 wurde die Petition mit 100.000 Unterschriften an die Landtagspräsidentin Barbara Stamm übergeben.


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