31. März 2015

Schulbegleitung in Bayern

Petition zum Modell Schulbegleitung in Bayern an Landtagspräsidentin Barbara Stamm am 31.3.2015

Nachfolgende Petition richte ich namens des Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) an Sie mit der Bitte um Weiterleitung an den zuständigen Fachausschuss. Bitte informieren Sie mich über den geplanten Termin der Behandlung dieser Petition im Fachausschuss und teilen mir die Namen der Berichterstatter/innen vorab mit.

 

Vorbemerkung

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat im Februar 2015 einen Antrag zur Neuordnung der Schulbegleitung für behinderte Schülerinnen und Schüler in Bayern in den Bayerischen Landtag eingebracht und zeitgleich die Durchführung eines Modellversuchs gefordert (Drs. 17/5408 und 5488). Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) unterstützt das Anliegen grundsätzlich und nimmt den Antrag zum Anlass, zum Problem der Schulbegleitung die folgende Stellungnahme abzugeben: Auch andere Organisationen, darunter der Bayerische Bezirketag und die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bayern haben sich kritisch mit der aktuellen Situation der Schulbegleitung auseinander gesetzt.

 

Situation der Schulbegleitung

Mit der Umsetzung inklusiver Prozesse an bayerischen Schulen hat sich die Notwendigkeit der dauerhaften Begleitung von einzelnen Schülerinnen und Schülern mit Behinderung für einen erfolgreichen Schulbesuch ergeben. Seit Jahren wird der Einsatz von Schulbegleiter/innen für diesen Zweck stark ausgebaut. Die Praxis zeigt aber, dass dieser Weg seine Grenzen hat. Als Probleme werden wiederholt genannt:

  • Schulbegleiter/innen sind kein schulisches Personal.
  • Sie können nicht zu einem gruppenbezogenen Einsatz herangezogen werden.
  • Sie haben kein eindeutiges Aufgabenprofil.
  • Es gibt keine Festlegung der notwendigen Qualifizierung, d.h. es gibt Personen ohne Ausbildung, aber auch überqualifizierte Personen.
  • Die Bezahlung der Schulbegleiter/innen ist uneinheitlich und oft zu gering.

Der BLLV sieht daher dringenden Handlungsbedarf, um die begonnenen inklusiven Prozesse im Schulbereich nicht zu gefährden und qualifiziertes Schulbegleitungspersonal zu erhalten.

Aus Sicht des BLLV haben Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf – egal welche Schule sie besuchen – ein Recht auf eine hohe fachliche, sonderpädagogische Begleitung. Im System der Förderschulen unterstützen Heilpädagogische Förderlehrerinnen bzw. Förderlehrer, Werkmeisterinnen und Werkmeister sowie sonstiges Personal für heilpädagogische Unterrichtshilfen (z.B. Kinderpflegerinnen und -pfleger) die Erziehungs- und Unterrichtstätigkeit der Lehrkräfte. Aus Forschung und Praxis wissen wir: Sonderpädagogische Förderung ist von Anfang an auf qualifizierte Beschäftigte und intensive Kooperation unterschiedlicher Berufsgruppen angewiesen.

 

Petitum

Der BLLV fordert, dass das aktuelle Modell der Schulbegleitung so weiterentwickelt wird, dass es dem bewährten Unterstützungssystem an Förderschulen entspricht. Die Reform soll mit den beteiligten Personen aus Schule, Schulverwaltung und Schulpolitik abgestimmt und eine praxistaugliche Umsetzungsstrategie erarbeitet werden.

 

Der BLLV fordert, dass zukünftig

  • Schulbegleiter/innen dem schulischen Personal angehören,
  • diese in der Klasse für die Unterstützung aller Schülerinnen und Schüler einbezogen werden können und
  • sie hierfür eine qualifizierte Aus- und Fortbildung erhalten.
  • Sie sind entsprechend ihrer jeweiligen Ausbildung und Tätigkeit einzugruppieren und zu vergüten.
  • Ihr Einsatzprofil soll schüler- und schulbezogen vor Ort mit Schüler/innen, Eltern, Lehrer/innen und Schulleitung erarbeitet und regelmäßig evaluiert werden.

Für die Sicherstellung eines spezifischen, sonderpädagogischen Angebots ist zudem eine entsprechende Fachkraft vor Ort erforderlich. Somit muss entweder eine regelmäßige Versorgung durch die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste gewährleistet oder jede Schule mit einer Lehrkraft für Sonderpädagogik ausgestattet werden.

Nur eine regelmäßige Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten – Schüler/innen, Eltern, Lehrkräften der allgemeinen Schule, Schulbegleitung und Lehrkräften für Sonderpädagogik – kann einen optimalen Lern- und Entwicklungsprozess ermöglichen.

________

 

Die Petition wurde vom Bildungsausschuss des Landtags in der Sitzung am 09.07.2015 behandelt. Die Fraktionen der SPD, der Freien Wähler und von Bündnis 90/Die Grünen stimmten für eine Berücksichtigung der Petition (§ 80.3 GO), während die Fraktion der CSU-Mehrheit die Petition ablehnte (§ 80.4 GO: erledigt aufgrund der Erklärung der Staatsregierung).


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