13. Oktober 2017

Verbesserte Prüfungsbedingungen im Staatsexamen

Verbesserte Prüfungsbedingungen im Staatsexamen durch Überarbeitung der 1. Lehramtsprüfungsordnung - Petition an Landtagspräsidentin Stamm am 13.10.2017

 

 

„Ich habe nun beide Staatsexamen geschafft. Aber die Frage "Wozu?" blieb in beiden Fällen unbeantwortet. Wozu dieser permanente seelische Stress, die Versagensangst, die Angst falsch beurteilt zu werden? Alles, was ich wollte, war eine gute Lehrerin zu werden.“

Zitat einer Studentin .

 

 

Aktuelle Situation

Die Studierenden wissen nicht:

  • Welche Inhalte werden abgefragt? Worauf kommt es wirklich an?
  • Wer korrigiert unsere Prüfungen? Nach welchen Kriterien wird korrigiert?
  • Was passiert, wenn wir das Staatsexamen nicht bestehen? Welche Möglichkeiten bleiben uns? An wen können wir uns wenden, wenn wir nicht bestehen?

 

In der momentanen Situation entscheidet das Staatexamen darüber, wer eine Chance bekommt, Lehrer zu werden.

Die Bedingungen dieser allesentscheidenden Prüfung sind allerdings mehr als inakzeptabel. Das spiegelt sich in der Frustration und Unzufriedenheit vieler Studierender wider. Seit Jahren bemühen sich die Studierenden im BLLV um eine Besserung der Prüfungsbedingungen. Zumeist ohne Erfolg.

Schon die Lernpsychologie besagt, dass der Mensch nur Lernen kann, wenn er weiß wozu. Viele Lehramtsstudierende verstehen das Ziel des Staatsexamens jedoch nicht. Sie verspüren Kontrollverlust und fehlende Transparenz, sobald es auf das Examen zugeht und haben anschließend das Gefühl, dass das Studium gar nichts gebracht hat.

Die Aufgaben des Staatsexamens mit vereinzelten Stichwörtern oder arroganten Kommentaren am Rand zu korrigieren, so wie es aktuell geschieht, ist inakzeptabel.

Es muss aufhören, dass junge angehende Lehrkräfte mit Ängsten und Demotivation aus ihrem Studium gehen. Es darf nicht sein, dass Studierende ihr Können nicht adäquat zeigen können, weil die Aufgaben zu spezifische Teilaspekte eines Themas abfragen. Es darf nicht sein, dass es keinerlei Transparenz über das Staatsexamen gibt.

 

Unsere Forderungen ergeben sich aus den zahlreichen Geschichten, die uns so viele verzweifelte Lehramtsstudierende geschickt haben:

 

Petitum

Im Namen der Studierenden im BLLV fordern wir faire und transparente

Prüfungsbedingungen im Staatsexamen. Dafür sind folgende Maßnahmen nötig:

 

Vorbereitung

  • Veröffentlichung der Termine für die Staatexamensprüfungen mindestens ein halbes Jahr vorher, um den Studierenden einen angemessenen und planbaren Lernzeitraum zu gewähren.
  • Bessere Abstimmung von Studieninhalten und Fragen. Bisher konzentrieren sich die Fachwissenschaften in der Lehre auf bestimmte Themen in der Tiefe, die im Staatsexamen aber eher in der Breite abgefragt werden.
  • Ein transparenter Fragenkatalog mit konkreten Prüfungsinhalten, die mehr als nur Stichworte sind, wie sie aktuell in der Prüfungsordnung stehen.
  • Realistische Anrechnung der Vorbereitungszeit für das Staatsexamen in die Regelstudienzeit.
  • Verbindliches Angebot von Staatsexamenskursen im Rahmen der zu erbringenden Leistungspunkte nach LPO I.

 

Inhalte und Bewertung

  • Fehlerfreie Staatsexamensaufgaben - wenn es mal passiert, dann muss es einheitliche Regelungen darüber geben, was geschieht, wenn Fehler entdeckt werden, d.h. was den Studierenden in so einem Fall zugestanden wird.
  • Gleichstellung der Abschlüsse Master und Staatsexamen.
  • Ausstellung eines zusätzlichen Zeugnisses zum Staatsexamen (ob bestanden oder nicht), aus dem hervorgeht, dass man ein Studium abgeschlossen hat, um sich ggf. mit einem Hochschulabschlusszeugnis auf andere Stellen bewerben zu können.
  • Überarbeitung der Prüfungsgewichtung: Das Staatsexamen sollte nicht „allesentscheidend“ sein und mit den Leistungen aus dem Studium ausgeglichen werden können.
  • Eine wertschätzende und nachvollziehbare Korrektur.

 

 

Nachgang

  • Bereitstellung qualifizierter Ansprechpartner (in den Prüfungsämtern der Universitäten) für alle Fragen und Probleme rund um das Staatsexamen im Lehramtsstudium.
  • Notenbrief mit Beilage eines Informationsblatts für weitere Schritte und Möglichkeiten für Studierende, die das Staatsexamen nicht bestanden haben.
  • EIN festes Datum, an dem die Noten an ALLE Studierenden verschickt werden müssen, um allen die gleichen Chancen zu geben, sich auf den nächsten Prüfungstermin vorzubereiten.
  • Frühzeitige Einsicht in die Prüfungen vor der Wiederholungsklausur.
  • Einheitlicher Bewertungshorizont für alle schriftlichen Examen, welcher der Prüfung in der Einsichtnahme beiliegt.
  • Zeitnahe Nachholtermine in Krankheitsfällen. Momentan verlieren Studierende bis zu eineinhalb Jahren, wenn sie aufgrund von Krankheit nicht an der Prüfung teilnehmen können.
  • Studierende sollten das Staatsexamen beliebig oft wiederholen können.
  • Veröffentlichung von Statistiken, die Informationen darüber geben, wie viele Studierende ihr Staatsexamen bestanden haben, welche Notendurchschnitte erreicht wurden, etc.
  • Wir fordern, dass bei Einlegung eines Einspruchs, die Nachkorrektur von einem dritten unabhängigen Korrektor gemacht wird.

 

Begründung

Angst, Frust, Unwissenheit – diese Worte beschreiben die aktuelle Gefühlslage zukünftiger Lehrerinnen und Lehrer während ihres Staatsexamens in Bayern. Ist es tatsächlich das Ziel des Staates, seine zukünftigen Lehrer, die die zukünftige Generation ausbilden sollen, mit diesen Gefühlen in den Schuldienst starten zu lassen?

Für eine derart bedeutungsvolle Prüfung wie der des Staatsexamens, haben sich die Studierenden ein anständiges und nachvollziehbares Feedback verdient. Das Gefühl von unfairer Behandlung kann nur durch Transparenz und einer ordentlichen Korrektur mit Anmerkungen entschärft werden.

Außerdem wird bei Nichtbestehen des Staatsexamens einigen potentiell guten Lehrern die Chance auf ihren Traumberuf verwehrt. Sie stehen ohne Abschluss auf dem Arbeitsmarkt und müssen ein komplett neues Studium beginnen. Das ist wirtschaftlich nicht gewinnbringend und sehr frustrierend und enttäuschend für die Betroffenen.

 

Zitate von Studierenden:

 

„Nach fünf Jahren Studium sollte nicht alles von diesem einen Moment abhängen.“

 

„Ich persönlich will nicht für einen Staat arbeiten, der seine Lehramtsanwärter einer derartigen Belastung aussetzt. Das ist demotivierend, und nicht zuletzt ökonomisch untragbar: Der Staat finanziert 5 Jahre unseres Studiums. Wenn wir am Schluss am Staatsexamen scheitern, stehen wir ohne Abschluss da.“

 

„Ich befürchte nach dem Referendariat der gleichen Willkür ausgeliefert zu sein, wie bei den Examensprüfungen oder aufgrund sehr schlechter Mathematiknoten keine Anstellung zu finden.“

 

„Was mir fehlt, sind Statistiken. Eine Veröffentlichung des Erwartungshorizontes für jede Aufgabe und ein Notenschlüssel, der die Leistungen aller Prüflinge widerspiegelt. Auch fehlt es mir an Transparenz in der Korrektur und an Information wie und wo die Klausuren korrigiert werden - dies alles ist in der Schule selbstverständlich. Man stelle sich den Aufruhr vor, wenn es in der Schule Prüfungen gäbe, bei denen man nicht genau weiß, was man lernen soll, die anonym korrigiert werden, bei denen es im Zweifel keinen Ansprechpartner gibt, der die Punktevorgabe aufschlüsselt. In der Schule unvorstellbar, im bayerischen Staatsexamen normal.“

 


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