18. Juli 2007

Gebundene Ganztagsklassen an Haupt- und Grundschulen / hier: Wahlfreiheit für Schulen

Eingabe des BLLV

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) fordert seit langem die Einrichtung von Ganztagsschulen und Ganztagsklassen. Wir begrüßen deshalb die Initiativen der Bayerischen Staatsregierung zur Ausweitung des Angebots in der Vergangenheit sowie die Planungen für die Zukunft ausdrücklich.

Unser höchstes Beschlussgremium zwischen den Landesdelegiertenversammlungen, der BLLV-Landesausschuss, hat bereits in einem einstimmigen Beschluss vom 18.3.2006 (siehe hier) festgehalten, dass aus pädagogischen Gründen 19 zusätzliche Lehrerwochenstunden für jede Ganztagsklasse bereitgestellt werden müssen. Dies war in der Anfangsphase durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus gegeben. Kurze Zeit darauf wurde die Stundenzahl jedoch gekürzt und stattdessen den Schulen zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt. Diese Entscheidung lehnt der BLLV bis heute als pädagogisch falsche Sparmaßnahme ab.

Aus Anlass der Petition von Silvia Ober an den Bayerischen Landtag (behandelt im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport am 12. Juli 2007) möchte ich namens des BLLV das genannte Thema erneut an Sie herantragen. Frau Ober fordert mit ihrer Petition die Rückführung auf 19 zugewiesene Lehrerstunden. Wie groß der Protest gegen die Kürzung der Lehrerstunden ist, zeigt, dass Frau Ober für ihre Petition rund 6.500 Unterschriften gewinnen konnte.

Im Laufe der Beratungen im Bildungsausschuss zur genannten Petition wurde aus der CSU-Fraktion darauf hingewiesen, dass die Umwandlung von Stunden in Mittel auf den Wunsch einzelner Schulleitungen zurückzuführen sei. Auch wenn der BLLV diese Aussage aufgrund seiner Recherchen bei den Schulleitungen nicht nachvollziehen kann, bitte ich Sie eindringlich, in dieser Frage eine pragmatische Lösung herbeizuführen. Der BLLV hält nach wie vor die Zuweisung von 19 Lehrerwochenstunden je Ganztagsklasse aus pädagogischen Gründen für erforderlich. Um einen Ausweg aus der aktuellen Situation zu finden, und damit auch Schulen zu berücksichtigen, die möglicherweise lieber Mittel als Stunden hätten, bitte ich Sie namens des BLLV eindringlich, den Schulen eine Wahlmöglichkeit einzuräumen. Die Schulen bzw. Schulleitungen sollen selbst wählen können, ob sie die 19 Stunden in vollem Umfang bekommen oder ob sie einen Teil der Stunden in Mittelzuweisungen (HS: bis zu 6000 €, GS: bis zu 3000 €) umwandeln wollen. Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll, hier auch Zwischenschritte zu ermöglichen, wobei das aktuelle Mindestmaß an Stundenzuweisungen nicht unterschritten werden darf.

Der BLLV wäre bereit, eine solche Lösung mitzutragen, auch wenn seine Grundsatzposition anders lautet. Wir könnten dies, weil unser Vorschlag gegenüber der aktuellen Situation eine deutliche Verbesserung wäre. Angesichts der Tatsache, dass seitens des Kultusministeriums stets bestritten wurde, dass die Umwidmung eine Sparmaßnahme sei, sehen wir auch keine Argumente gegen den hier gemachten Vorschlag. Dies gilt umso mehr, als es der hier gemachte Vorschlag ermöglicht, auf die unterschiedlichen Gegebenheiten und Bedürfnisse vor Ort aktiv Rücksicht zu nehmen. Gerade bei einem Schulversuch sollten solche Optimierungen aufgrund der gemachten Erfahrungen möglich sein.

Sehr geehrter Herr Staatsminister, ich hoffe auf Ihre Unterstützung! Selbstverständlich steht der BLLV für ergänzende Gespräche oder Rückfragen gerne zur Verfügung.

aus einem Schreiben des BLLV-Präsidenten, Klaus Wenzel, an den Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus, Siegfried Schneider, vom 18.07.2007


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