6. April 2006

Neufassung der Schulordnung für die Gymnasien in Bayern (GSO)

Stellungnahme des BLLV

Vorbemerkungen:

  1. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) begrüßt grundsätzlich – wie Präsident Dr. h. c. Albin Dannhäuser bereits in der Sitzung des Landesschulbeirats vom 23.02.2006 dargelegt hat – die in der Neufassung der Schulordnung für die Gymnasien (GSO) vollzogene Neustrukturierung sowie die Verringerung der Regelungsdichte, zumal damit eine Forderung des BLLV umgesetzt wird. Abzuwarten bleibt, inwieweit diese Freiheit von der einzelnen Lehrkraft, den Klassenkonferenzen und der Lehrerkonferenz genutzt werden können. In diesem Zusammenhang sieht der BLLV die äußerst starke Position des Schulleiters bzw. der Schulleiterin im Vergleich zur Lehrerkonferenz nicht unkritisch. Eine solche Aufwertung müsste durch eine systematischere Personalauswahl und -qualifizierung begleitet werden.
  2. Der BLLV begrüßt den Ersatz des Zwischenzeugnisses durch zwei Informationen über das Leistungsbild. Ob dies allerdings mit einer Entlastung der Lehrkräfte – wie es in den Begründungen behauptet wird – einhergeht, kann durchaus bezweifelt werden.
  3. Der BLLV begrüßt, dass die bisherige, verwirrende Unterscheidung zwischen schriftlichen und mündlichen Leistungsnachweisen zugunsten der Formulierung große bzw. kleine Leistungsnachweise aufgegeben wurde.
  4. Der BLLV begrüßt die Idee, in modernen Fremdsprachen in geeigneten Jahrgangsstufen eine mündliche Schulaufgabe anzuhalten. Allerdings muss hierbei auch der erwartete erhebliche Mehraufwand auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer berücksichtigt werden. Daher stimmt der BLLV der Formulierung als Soll-Bestimmung zu, wonach bspw. in großen Klassen diese Möglichkeit keine Anwendung finden muss.

Stellungnahme des BLLV im Einzelnen:

§ 5 Abs. 5

Der BLLV bittet Satz 1 folgendermaßen zu formulieren:

"Die Lehrerkonferenz kann Dritte zur Beratung einzelner Tagesordnungspunkte hinzuziehen."

Begründung:

  • Das Recht, Dritte zur Lehrerkonferenz hinzuziehen zu können, sollte nur dem betroffenem Gremium – also der Lehrerkonferenz – eingeräumt werden.
  • Wenn ein/e Schulleiter/in eine Zuladung für geboten hält, kann sie/er einen entsprechenden Antrag in der Lehrerkonferenz stellen und begründen, warum diese dritte Person(en) an der Sitzung teilnehmen soll(en).
  • Eine Soll-Bestimmung ist unserer Auffassung nach in diesem Zusammenhang zu eng gefasst.
  • Der Zusatz "soweit dies angezeigt ist" kann – da dies selbstverständlich ist – entfallen.

§ 8 (1)

Der BLLV bittet, § 8 Abs. 1 folgendermaßen zu formulieren:

"Die Klassenkonferenz setzt sich aus allen Lehrkräften zusammen, die in der entsprechenden Klasse unterrichten. Bei Abstimmungen nach § 62 Abs. 2 und § 64 entscheidet sie mit der einfachen Mehrheit der Lehrkräfte, die die betroffene Schülerin bzw. den betroffenen Schüler unterrichten. Ansonsten entscheidet sie mit der einfachen Mehrheit aller ihr angehörender Lehrkräfte. Aufgabe der Klassenkonferenz ist es auch, über die pädagogische Situation der Klasse und einzelner Schülerinnen und Schüler sowie über größere Veranstaltungen und Projekte der jeweiligen Klasse zu beraten."

Begründung:

  • Satz 1: Es sollte in der GSO geregelt sein, wer der Klassenkonferenz angehört.
  • Es sollte genauer geregelt werden, wer in der Klassenkonferenz abstimmen darf. Dies ist insbesondere wegen der Ausweitung ihrer Befugnisse (z.B. beim Vorrücken auf Probe) wichtig. Bisher müssen alle Lehrkräfte, die in einer Klasse unterrichten, abstimmen, also auch beide Sportlehrkräfte, alle Religions- und Ethiklehrkräfte der Klasse, Fremdsprachenlehrkräfte aller Gruppen. Sinnvoller ist es aber, dass bei einer Abstimmung über eine/n Schüler/in nur die Lehrkräfte abstimmen, die diese/n Schüler/in auch unterrichten.

§ 10

Der BLLV bittet nach Satz 1 folgenden Satz einzufügen:

"In der Jahrgangsstufen 5 bis 10 bzw. 11 können auf Beschluss der Klassensprecherversammlung Jahrgangsstufensprecherinnen oder Jahrgangsstufensprecher und ihre jeweiligen Stellvertreterinnen und Stellvertreter gewählt werden."

Begründung:

  • Da die Jahrgangsstufensprecher für die Jahrgangsstufen 5 bis 10 bzw. 11 ansonsten in der GSO nicht erwähnt würden, könnten sie als MODUS-Maßnahme 8 nur gewählt werden, wenn die Lehrerkonferenz dies beschließt (§ 2 GSO). Die Entscheidung darüber sollte aber der SMV überlassen sein.

§ 30 (2)

Der BLLV bittet, Satz 1 folgendermaßen zu formulieren:

"Beim Übertritt in eine andere Ausbildungsrichtung hat die Schülerin oder der Schüler in den Fächern, die nur der neu gewählten Ausbildungsrichtung eigen sind oder dort ein höheres Lehrziel haben, binnen einer vom Schulleiter auf Empfehlung der Klassenkonferenz festzusetzenden Frist, die nicht mehr als ein Jahr betragen soll, eine Prüfung abzulegen."

Begründung:

  • Die Formulierung "von der Schule festzusetzende Frist" ist unklar.

§ 41 (2)

Der BLLV bittet, Satz 4 folgendermaßen zu formulieren:

"Die Entscheidung trifft der Schulleiter im Benehmen mit der Klassenkonferenz und dem Elternbeirat."

Begründung:

  • Es reicht in diesem Fall aus, das Benehmen mit der Klassenkonferenz herzustellen. Ein Votum der gesamten Lehrerkonferenz ist für die Frage, ob in einer einzelnen Klasse für kurze Zeit von der vorgeschriebenen Stundentafel abgewichen wird, nicht notwendig.

§ 52 (2)

Der BLLV begrüßt ausdrücklich, dass in der GSO keine Mindestzahl an kleinen Leistungsnachweisen mehr vorgeschrieben ist.

§ 52 (3)

Der BLLV bittet, Absatz 3 folgendermaßen zu formulieren:

"Nach Ende einer Leistungserhebung können gesundheitliche Gründe des Schülers, denen zufolge der Leistungsnachweis nicht gewertet werden soll, nicht mehr anerkannt werden."

Begründung:

  • Während einer Leistungserhebung kann es durchaus in das Ermessen der einzelnen Lehrkraft gestellt werden, ob ein/e Schüler/in einen Leistungsnachweis ohne Nachteile abbrechen kann oder nicht.

§ 53 (2)

Der BLLV begrüßt, dass die Substitution großer Leistungsnachweise nicht mehr so eng geregelt ist und der Einzelschule damit ein größerer Gestaltungsspielraum eingeräumt wird.

§ 53 (4)

Der BLLV bittet, Satz 3 "Im Fach Deutsch sind Diktate oder grammatische Übungen als Schulaufgaben nicht zulässig." zu streichen.

Begründung:

  • Über Inhalt einer Schulaufgabe soll die einzelne Lehrkraft im Rahmen der Beschlüsse der Fachschaft entscheiden.
  • In diesem Zusammenhang bittet der BLLV darum, das KMS, wonach Bewerbung und Lebenslauf nicht Teil einer Deutschschulaufgabe sein können, zurückzunehmen.

§ 53 (7)

Der BLLV bittet, Absatz 7 folgendermaßen zu formulieren:

"Die Schulleiterin oder der Schulleiter kann nach Rücksprache mit der Lehrkraft und dem Fachbetreuer bzw. der Fachbetreuerin der Schule eine Schulaufgabe für ungültig erklären und die Anfertigung einer neuen anordnen, wenn die Anforderungen für die Jahrgangsstufe nicht angemessen waren oder der Lehrstoff nicht genügend vorbereitet war."

Begründung:

  • Es soll nicht ermöglicht werden, dass ein/e Schulleiter/in ohne Rücksprache mit der betroffenen Lehrkraft eine Schulaufgabe für ungültig erklärt

§ 66 (1)

Der BLLV bittet Absatz 1 folgendermaßen zu formulieren:

"Auf Antrag der Erziehungsberechtigten können Schülerinnen und Schüler freiwillig wiederholen oder spätestens zum Halbjahreswechsel aus den Jahrgangsstufen 6 bis 10 bzw. 11 in die vorherige Jahrgangsstufe zurücktreten; sie gelten nicht als Wiederholungsschülerinnen und Wiederholungsschüler."

Begründung:

  • Auch wenn das Zwischenzeugnis entfällt und die Erziehungsberechtigten schon im Dezember eine Information über das Notenbild bekommen, sollte den betroffenen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben werden, etwaige Defizite bis zum Halbjahr auszugleichen bzw. ihre Leistungsbereitschaft zu steigern. Zum Halbjahreswechsel können die Erziehungsberechtigten dann fundierter entscheiden, ob ein Rücktritt angezeigt ist oder ob die Schülerin/der Schüler die Jahrgangsstufe weiter besuchen soll.

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