11. November 2006

Festlegung von Qualitätsstandards in der Lehrerbildung

BLLV-Eingabe vom 11.11.2006

Der BLLV ist in Sorge, dass die derzeitige einmalige Chance einer Weiterentwicklung der Lehrerbildung durch die Einführung modularisierter Studiengänge nicht oder nur unzureichend genutzt wird. Deshalb bitten wir Sie und Ihr Haus, dieser Chance in ihrer Tragweite und Relevanz Rechnung zu tragen und die Sichtweise des BLLV in Ihre Entscheidung einzubeziehen:

  • Der BLLV stellt erneut nachdrücklich fest, dass ein sog. "Bachelor – Abschluss" oder ein dem Bachelor gleichgesetztes Staatsexamen als Zulassungsvoraussetzung für ein Lehramt nicht genügen kann.
  • Der BLLV unterstützt nachhaltig den Anspruch des Ministeriums, die Prüfungsinhalte konsequent am späteren Berufsfeld Schule auszurichten.
  • Dem BLLV ist bewusst, dass die Bedürfnisse universitärer Fachvertreter mit dieser notwendigen Berufsfeldorientierung sowohl im Bereich der Fachwissenschaften als auch im Bereich der Berufswissenschaften häufig im Widerspruch stehen.
  • Der BLLV vertritt die Überzeugung, dass sich erfolgreiche Berufsfeldorientierung sowohl in der Prüfungsordnung als auch in den Prüfungen und den dort gewählten Aufgabenstellungen niederschlagen muss.

Daraus ergeben sich aus Sicht des BLLV zwingend folgende Reformmaßnahmen:

Die neuen Kerncurricula müssen geforderte Kompetenzen und Qualifikationen festlegen, an denen sich Ausbildung und Prüfung orientieren. Inhalte allein legen kein notwendiges Anforderungsniveau fest: Dies kann nur durch klar vorgegebene Kompetenzbeschreibungen erreicht werden. Dass die Formulierung solcher Standards auch zu einer neuen Prüfungskultur führen kann und muss, ist aus dem Schulbereich hinreichend bekannt.

Bleibt die Lehrerbildung in ihren Kerncurricula weitgehend auf Inhaltskataloge beschränkt, wie dies in der bestehenden LPO der Fall ist, ist sie den Modulbeschreibungen der universitären Bachelor-, Master-Studiengänge mit ihren zwingenden Kompetenzfestschreibungen unterlegen.

In diesem Zusammenhang ist auch Folgendes zu bedenken:

Soll es Studierenden möglich sein, die im Rahmen der Lehramtsausbildung erbrachten Prüfungsleistungen in ein nachfolgendes Masterstudium einzubringen, so müssen die Prüfungsmodule den Anforderungen entsprechen, die an die sonstigen Bachelor –und Masterabschlüsse in der Universität gestellt werden.

Die neue Prüfungsordnung muss deshalb in klarer Form vorgeben, über welche Kompetenzen Absolventen der ersten Phase der Bayerischen Lehrerbildung verfügen müssen. Durch "outputorientierte Standards" muss hierbei festgelegt, welche allgemeinen Qualifikationen, welches prozeduale Wissen und welches Maß an Handlungskompetenz und an Entscheidungsfähigkeit der Prüfling besitzen soll. Daraus ergibt sich dann der Stellenwert der Praxis, der in der ersten Phase der Lehrerbildung ja ebenfalls neu festzulegen ist. Gerade hier fordern ja auch andere gesellschaftliche Gruppen einen höheren Stellenwert. Es kann in Zukunft nicht mehr zugelassen werden, dass die Berufsfeldorientierung der ersten Phase unter direktem oder indirektem Verweis auf die 2. Phase umgangen wird. Wie andere Studiengänge an der Universität, muss sich auch das Lehramtsstudium an seiner Berufsrelevanz messen lassen.

Die Prüflinge müssen an Fällen und Problemstellungen aus dem Berufsfeld neben ihren Fachkenntnissen auch ihre Methoden -, Sozial- und Personalkompetenz nachweisen anstelle des bisherigen bloßen Abrufens von deklarativem Wissen. Hier ist auch zu bedenken, dass z.B. bei einem Seminar mit vier Leistungspunkte und damit einer geforderten Arbeitsbelastung von 120 Stunden für den Studierenden hinreichend Möglichkeit besteht, sich gründlicher als bisher in das Stoffgebiet und seine Bedeutsamkeit für das Berufsfeld einzuarbeiten. In der entsprechenden Prüfung lässt sich dann überprüfen, ob das Wissen nicht nur vorhanden ist, sondern auch angewandt werden kann.

Der BLLV schlägt als möglichen Weg vor:

Die geplanten Fachparagrafen sollen das jeweilige Anforderungsniveau, die geforderten Kompetenzen und Qualifikationen enthalten und sich nicht auf Themen und Oberbegriffe beschränken.
Die Kerncurricula können sich dann auf die Festlegung der je aktuellen Themen und Inhalte konzentrieren, denn Inhalte können wechseln, die Kompetenzen müssen bleiben.

Der BLLV bittet darum, diese Festlegungen zügig vorzunehmen, da die Universitäten in ihren Bachelor-, Master - Studiengängen größtenteils ihre Qualitätsstandards und Module bereits festgelegt haben.

Eingabe des BLLV vom 11.11.2006 an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus


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