23. November 2007

Modifikation der Ausbildung zum Förderlehrer

Beschluss des BLLV-Landesvorstands vom 23.11.07

Modifikation der Ausbildung zum Förderlehrer

Beschluss des BLLV-Landesvorstands vom 23.11.07

Das Arbeits- und Einsatzfeld der Förderlehrerinnen und Förderlehrer hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Methodentraining, Lernen lernen, individuelle Förderung haben ein starkes Gewicht bekommen. Dieser Veränderung muss auch die Ausbildung Rechnung tragen und zwar sowohl in der I. als auch in der II. Phase der Lehrerausbildung. Nur gut ausgebildete Lehrkräfte garantieren gute Bildungschancen für unsere Kinder!

Förderlehrer/innen sind an bayerischen Grund-, Haupt-, Förderschulen sowie Realschulen und Gymnasien tätig. Förderlehrer unterstützen den Unterricht und tragen durch die Arbeit mit einzelnen Schülern, Schülergruppen sowie enger Kooperation mit den Klassenlehrern, den sonderpädagogischen Diensten und weiterem pädagogischen Personal zur Sicherung des Unterrichtserfolges bei. Sie nehmen besondere Aufgaben der Betreuung von Schülern selbstständig und eigenverantwortlich wahr und wirken bei Schulveranstaltungen mit. Lernberatung und der Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern gehören ebenfalls zum Aufgabenfeld der Förderlehrer.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) fordert vor diesem Hintergrund folgende Modifikation der Ausbildung zum Förderlehrer:

1.      Erste Ausbildungsphase – Bachelor-Studiengang

1.1 Zulassungsvoraussetzungen

  • Fachabitur oder gleichwertiger Abschluss
  • Bestehen eines Aufnahmeverfahrens

1.2 Studium

Das Studium und der Vorbereitungsdienst umfassen insgesamt fünf Jahre:

Abschnitt I

  • 6 Semester Bachelor-Studiengang

Abschnitt II

  • 2 Jahre Vorbereitungsdienst

Das Studium endet mit dem Bachelor, der Vorbereitungsdienst mit dem zweiten Staatsexamen.

Die Note für die Einstellung in den Staatsdienst wird aus beiden Abschnitten ermittelt.

Hierzu wäre folgende prozentuale Aufteilung wünschenswert:

1. Staatsprüfung

2. Staatsprüfung

 

Seminarnote

Klausur in Schulpädagogik

Praktische Prüfung

Mündliche Prüfung

20

10

10

50

10

1.3. Inhaltliche Schwerpunkte

Das Studium umfasst Inhalte aus den Grundwissenschaften der Pädagogik, Entwicklungs- und Lernpsychologie und der Schulpädagogik. Dazu kommen die Inhalte der Fachdidaktik Deutsch und Mathematik und Deutsch als Zweitsprache. Eine intensive Ausbildung muss in den förderlehrerspezifischen Bereichen erfolgen, die dem Ziel der ganzheitlichen individuellen Förderung der Kinder dienen und dazu befähigen.

Im Mittelpunkt stehen dabei ganz besonders:

  • der Überblick über diagnostische Verfahren
  • das Erlernen verschiedener Förderkonzepte
  • Fördermöglichkeiten auch im Hinblick auf hochbegabte Schüler/innen
  • Kenntnisse über Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie
  • Fähigkeiten im Umgang mit Dyskalkulie
  • der Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern
  • Kooperation mit sonderpädagogischen Diensten
  • Projektorientierte Lernarbeit
  • Von der Lernbeobachtung zum Förderplan
  • Lernberatung „Lernen lernen“
  • Gesprächsführung und -training
  • Elternarbeit

Der Bachelor-Studiengang wird durch mehrere Praktika begleitet, in denen die Studierenden den Schulbetrieb kennen lernen können und das erworbene Wissen auf den Schulalltag übertragen bzw. erproben können. Die praktischen Erfahrungen beinhalten auch das Anlegen von Schüler- und Lernbeobachtungen, das Entwickeln von Förderplänen, erste Unterrichtsversuche in Fördersequenzen und Eigenreflexion von Förderarbeit.

Schüler/innen mit besonderen Begabungen

  1. Überblick über informelle/standardisierte diagnostische Verfahren
  2. Fördern und Fordern durch begabungsgerechte Lernangebote
    in den einzelnen Fächern (Mathematik, Deutsch)
    bei Projektarbeit
    bei Inhalten außerhalb des jeweiligen Lehrplans (Enrichment)
    im Sozial- und Arbeitsverhalten
  3. Zusammenarbeit mit den Eltern
  4. Kennen lernen von schulischen und außerschulischen Ansprechpartnern

Umgang mit verhaltensauffälligen Schüler/innen

  1. Kennen lernen von Verhaltensauffälligkeiten
    z.B. ADS/ADHS
    emotionale Lernblockaden
  2. Maßnahmen zur Prävention bzw. Minimierung von Verhaltensproblemen
    unterrichtstechnische Maßnahmen
    Selbst- und Fremdwahrnehmung
    Kooperation mit dem Elternhaus
  3. Interventionsmaßnahmen Konfliktlösungsmethoden
    Verhaltensverträge
    Kommunikationsstrategien
    Bedeutung von Regeln und Ritualen
  4. Individuelle Förderpläne zur Steigerung sozial- emotionaler Kompetenzen

Kennen lernen von Unterstützungssystemen innerhalb und außerhalb von Schule (MSD, Jugendämter, Beratungsstellen, Ärzte etc.)

Teamarbeit

Durch den Paradigmenwechsel werden sehr viele Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Regelklassen beschult. Schwerpunkt der Förderlehrerarbeit ist die individuelle Förderung durch begabungs- und neigungsgerechte Differenzierungsmaßnahmen. Diese Arbeit kann nur in enger Zusammenarbeit mit MSD, Beratungslehrern, Schulpsychologen, Klassleitern und Förderlehrkräften geleistet werden. Hier sind eine individuelle Förderdiagnostik und Förderkonzepte in Form der kooperativen Lernbegleitung gefragt.

  1. Möglichkeiten der Kooperation mit o. g. Lehrkräften kennen lernen
  2. Übersicht über förderdiagnostische Verfahren
  3. Kompetenzen der unterschiedlichen Lehrkräfte
  4. Grundlagen und Umsetzung der kooperativen Förderplanarbeit
  5. Kennen lernen spezifischer Förderkonzepte
  6. Kennen pädagogischer Konzepte und schulorganisatorischer Besonderheiten
    Kooperationsklassen
    Kombinierte Klassen
    Formen ganztägiger Betreuung
  1. Lernberatung und Elternarbeit

Rechenschwäche/Dyskalkulie

Kinder die „besondere Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens“ haben, benötigen einen professionellen Förderunterricht, in dem die individuellen Probleme gezielt und fundiert bearbeitet werden.

1.   Kennen lernen von standardisierten und informellen Diagnoseverfahren

2.   Entstehung, Entwicklung und Symptome von Rechenstörungen

3.   Vorläuferfähigkeiten - Lernprozessbeobachtung

4.   Von der Lernbeobachtung zum Förderplan

5.      Bedeutung mathematischer Basiskompetenzen

6.      Ausbildung im Umgang mit Dyskalkulie (vgl. Legasthenie – Legasthenietrainer)

Lese-Rechtschreibschwäche/Legasthenie

Kinder mit LRS und Legasthenie haben ein Anrecht auf individualisierende Förderung, die schon jetzt an vielen Schulen ausschließlich von Förderlehrer/innen geleistet werden kann.

Eine qualifizierte Ausbildung für die Betreuung dieser Schülergruppe ist daher unabdingbar.

1.   Kennen lernen von standardisierten und informellen Diagnoseverfahren

2.   Maßnahmen zur Prävention

3.   Vom individuellen Lernstand zum Förderplan

4.   Kennen lernen spezifischer Förder- und Therapieprogramme

5.   Möglichkeiten außerschulischer Förderung

6.   Computer als Lernpartner

2.      Zweite Ausbildungsphase - Vorbereitungsdienst

Das Seminarprogramm wurde in Inhalt und Struktur den Ausbildungsrichtlinien der anderen Lehramtsstudiengänge angepasst.


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