2. Dezember 2000

Schüler- und Schulentwicklung in Bayern

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) beobachtet die gegenwärtige Entwicklung der Schülerzahlen und die damit verbundene Gefährdung des Schulstandortnetzes mit großer Sorge.

Nach unseren Berechnungen, die durch die Prognosen des Kultusministeriums gestützt werden, kommt es in diesem Jahrzehnt zu einer drastischen Reduzierung der Schülerzahlen. Dieser Rückgang hat im Grundschulbereich bereits begonnen und wird an den Gymnasien am Ende des Jahrzehnts seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen.

Allein durch diese demografische Entwicklung kommt es zur Gefährdung zahlreicher Schulstandorte, wobei die Grund- und Hauptschulen am stärksten betroffen sein könnten.

Ein zusätzliches Problem sieht der BLLV im veränderten Übertrittsverhalten. Die aktuellen Veränderungen der Schulstruktur führen in einigen Regionen zu Entwicklungen, die stark von den staatlichen Prognosen der letzten Jahre abweichen. So wurde zum Beispiel im Landkreis Passau in der Prognose von 1998/99 für das Schuljahr 2000/2001 für die Jahrgangsstufen 5 und 6 an den Hauptschulen ein Verlust von 2493 Schülerinnen und Schülern angegeben. Der tatsächliche Verlust im laufenden Schuljahr 2000/2001 beträgt jedoch 3258. Die amtliche Prognose differiert im Vergleich zur aktuellen Entwicklung der Schülerzahlen um 765, das entspricht etwa 30 %.

Eine ähnliche Verschiebung kann bei den Klassenzahlen festgestellt werden. Aufgrund der demografischen Entwicklung wurde für den Landkreis Passau eine Reduzierung um 47 fünfte Klassen und 59 sechste Klassen prognostiziert. Allein diese Zahlen sind eine Bedrohung für die Stabilität des Schulstandortnetzes im Landkreis Passau. Die Strukturänderungen haben nun aber zur Auflösung weiterer Klassen geführt: Insgesamt mussten im Schuljahr 2000/2001 im Landkreis Passau 65 fünfte Klassen und 65 sechste Klassen aufgelöst werden, das sind 24 Klassen (ca. 22 %) mehr als ursprünglich prognostiziert.

Da Passau nur ein Beispiel für viele bayerische Landkreise ist, sind die bisherigen amtlichen Schülerprognosen für eine zuverlässige Planungsarbeit kaum mehr geeignet.

Der BLLV fordert daher die Staatsregierung auf,

  • einen Schulentwicklungsplan zu erstellen, der solide Daten und zuverlässige Aussagen für die Schulplanung der kommenden zehn Jahre enthält;
  • konkrete Maßnahmen zu ergreifen, die den Erhalt der wohnortnahen Schule garantieren und dafür sorgen, dass die Dichte des jetzigen Schulstandortnetzes nicht gefährdet wird.

Einstimmig beschlossen vom BLLV-Landesausschuss am 2. Dezember 2000


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