23. Februar 2002

Qualität sonderpädagogischer Förderung

Grundsätzliches

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) versteht Behinderung als prozessuales und komplexes Geschehen. Grundlegendes Prinzip jeglicher sonderpädagogischer Arbeit ist die Notwendigkeit der Anerkennung der Selbstbestimmung und Gleichwertigkeit von behinderten und kranken Menschen. Das Recht auf Leben und das Recht auf Bildung sind auch für sie Grundrechte.

Forderungen des BLLV

Der BLLV fordert die Entwicklung eines flexiblen Systems unter Berücksichtigung individueller Förderschwerpunkte mit folgenden Aspekten, die vom Prinzip der interdisziplinären Vernetzung getragen sein müssen:

  1. Prävention
  2. Rehabilitation
  3. Integration
  4. Qualifizierung des Personals

Zu 1. Prävention

Der BLLV fordert den flächendeckenden Ausbau und die Weiterentwicklung

  • der regionalen und überregionalen Frühförderstellen sowie die Streichung des Finanzierungsvorbehalts aus dem BayEUG (Art. 19, Abs. 2, Nr. 6);
  • der Schulvorbereitenden Einrichtungen und Mobilen Sonderpädagogischen Hilfen;
  • der Sonderpädagogischen Förderzentren zu Kompetenzzentren für Erziehung und Unterricht sowie von Diagnostik und Beratung;
  • der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste.

Zu 2. Rehabilitation

Der BLLV fordert

  • den Erhalt und die Weiterentwicklung des differenzierten Förderschul-Angebots;
  • die Bereitstellung und Finanzierung der notwendigen materiellen, organisatorischen und personellen Ressourcen;
  • die Einführung und sichere Finanzierung von Schulsozialarbeit in Verbindung mit Ganztagsangeboten als freiwilliges Angebot;
  • die Sicherung der Eingliederungschancen in die Berufs- und Arbeitswelt durch differenzierte Weiterentwicklung von spezifischen Unterrichts- und Praxiskonzepten.

Zu 3. Integration

Der BLLV fordert

  • den Erhalt und die Weiterentwicklung eines gleichwertigen und differenzierten Angebots von Lern- und Förderorten;
  • die Entwicklung eines integrativ-ganzheitlichen Konzepts für den mobilen Einsatz von Sonderpädagog/innen in den "Allgemeinbildenden Schulen"
  • die Schaffung von vielfältigen offenen und wohnortnahen Formen des "Gemeinsamen Unterrichts" von Kindern mit und ohne Behinderung. Dazu ist die Bereitstellung und Finanzierung der notwendigen materiellen, organisatorischen und personellen Ressourcen erforderlich;
  • die Optimierung der beruflichen Eingliederungschancen durch förderdiagnostisch gestützte Angebote und Maßnahmen.

Zu 4. Qualifizierung des Personals

Der BLLV fordert eine adäquate Qualifizierung des gesamten sonderpädagogischen Personals. Vordringlich hierfür sind

  • der Erhalt der universitären und eigenständigen Ausbildung von Sonderschullehrer/innen;
  • ein Studium von verbindlich zwei sonderpädagogischen Fachrichtungen und entsprechende Ausrichtung der zweiten Phase der Lehrerbildung;
  • die verbindliche Aufnahme von sonderpädagogischen Inhalten in der Lehrerbildung und zwar für alle Lehrämter und für alle pädagogischen Ausbildungsgänge;
  • die verbindliche Aufnahme von Ausbildungsinhalten analog der veränderten sonderpädagogischen Aufgabenfelder in allen Phasen der Lehrerbildung;
  • die Anerkennung und Finanzierung von Fortbildungsangeboten auf allen Ebenen.

Resolution des Bayerischen Förderschultags des BLLV vom 23. Februar 2002 in Ingolstadt


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