1. Oktober 2008

Entwurf zur Änderung der Schulbauverordnung (SchulbauV)

Stellungnahme des BLLV

Ihr Schreiben vom 8.9.08, Ihr Zeichen: II.1 – 5 O 4160 – 6.75176

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) dankt für die Zusendung der o.g. Verordnung und nimmt zu den einzelnen Aspekten des Entwurfs zur Änderung der Schulbauverordnung (SchulbauV) wie folgt Stellung:

Zu 1. „Die Änderungen im Realschulbereich werden durch die Zulassung zusätzlicher Räume umgesetzt.“

Einerseits erkennt der BLLV an, dass der extreme Anstieg der Schülerzahlen an den Realschulen seit der Einführung der sechsstufigen Realschulen zum Schuljahr 1991/92 und seit der Neufassung der Stundentafeln in der Realschulordnung zum Schuljahr 2007/08 zu einem starken Raumbedarf in dieser Schulart geführt haben. Dem Anstieg der Schülerzahlen wird durch den vorgelegten Entwurf so Rechnung getragen, dass der BLLV gegen die technischen Details der geänderten Schulbauverordnung (SchulbauV) keine Einwände hat.

Allerdings erinnert der BLLV in diesem Zusammenhang daran, dass die Zunahme des Raumbedarfs an Gymnasien im Gegensatz steht zu einem eklatanten Schülerrückgang an den Hauptschulen.

Es ist angesichts der demografischen Entwicklung wenig sinnvoll, für einige Schularten weitere Schulbauten finanzieren zu müssen, während auf der anderen Seite für andere Schularten Schulschließungen und Leerstände in Kauf genommen werden. Die Zahl der 10- bis 16-Jährigen wird bis zum Jahr 2025 in Bayern um 20 %, in einigen Landkreisen um mehr als 30 % zurückgehen. Das bedeutet für viele Gemeinden in Bayern eine Gefährdung ihres bisherigen Schulangebots. Die Zahl der Schulen in kleineren Gemeinden nimmt stetig ab. Alle rd. 650 Teilhauptschulen wurden als Folge der Einführung der 6-stufigen Realschule geschlossen.

Darüber hinaus werden bis 2010 mehr als 80 der voll ausgebauten Hauptschulen nicht mehr existieren. Gefährdet sind nicht nur einzügige, sondern auch zweizügige Hauptschulen. Insgesamt geht so nahezu die Hälfte der bisherigen Standorte verloren. 

Die demografische Entwicklung und vermehrte Übertritte an Realschule und Gymnasium werden dazu führen, dass schon in absehbarer Zeit in kleineren und mittleren Gemeinden keine Schulabschlüsse mehr angeboten werden können. Gerade für Schüler/innen in dünner besiedelten Gebieten bedeutet dies immer längere Schulwege zu anonymen Schulzentren. 

Die Schule am Ort ist ein zentraler Faktor regionaler Entwicklung. Wenn Schulen schließen, hat das nachhaltige Folgen für das Leben in den Gemeinden. Ohne ihre Schulen sind sie für die Neuansiedlung von jungen Familien weniger attraktiv. Wirtschaftsbetriebe wandern ab. Junge Menschen folgen ihnen, wenn sie am Ort keine Ausbildungs- und Arbeitsplätze mehr finden.

Mit ihrer Schule verliert die Gemeinde einen bedeutsamen kulturellen Bezugspunkt. Wenn Schüler/innen den Heimatort morgens verlassen und meist erst am späten Nachmittag zurückkehren, lässt ihr Engagement in örtlichen Vereinen, im gemeindlichen und kirchlichen Leben zwangsläufig nach.

Neben den anfallenden Investitionen in Schulbauten hat diese Entwicklung auch weitere finanzielle Nachteile: Die Schließung ihrer eigenen Schulen bürdet den Gemeinden neue zusätzliche finanzielle Verpflichtungen in Form von Gastschulbeiträgen und Schülerbeförderungskosten auf. Gleichzeitig werden leer stehende, oft erst vor kurzem renovierte Schulgebäude zu Investitionsruinen mit langfristigen finanziellen Belastungen ohne Nutzen.
 

Der BLLV fordert die Staatsregierung auf, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Aus Sicht des BLLV ist die Regionale Schulentwicklung hierfür geeignet. Ziel Regionaler Schulentwicklung ist der Erhalt der wohnortnahen Schule. Möglichst vielen Schüler/innen einer Gemeinde muss eine attraktive Schule mit anerkannten Abschlüssen geboten werden. Alle an Schule Beteiligten erarbeiten ein Schulkonzept mit konkreten pädagogischen Zielen und organisatorischen Vorstellungen.

Haupt- und Realschulabschluss werden an der Schule vor Ort angeboten. Vielfalt und Individualität der Schüler/innen erzeugen ein produktives Lernklima für alle. Sie bereichern den Unterricht und das Schulleben. Die Schule entscheidet, mit welcher Unterrichtsorganisation die Schüler/innen am besten zu fördern sind. Eine flexible Bildung von Lerngruppen zur Vermittlung einzelner Lerneinheiten sowie zusätzlicher Förderunterricht ermöglichen jedem Schüler den bestmöglichen Schulabschluss (vgl. Anlage).

Gegen die Änderungen im Entwurf unter B 2 bis 5 bestehen seitens des BLLV keine

Einwände:

  • Die Änderungen im Gymnasialbereich werden durch in erster Linie redaktionelle Änderungen umgesetzt. 
  • Die Einrichtung eines zusätzlichen Informatikraums mit Nebenraum wird an Schulen mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung zugelassen. 
  • Die Förderung der Freisportflächen und Betriebsräume wird von einer Mindest- Sportklassenzahl abhängig gemacht. 
  • Redaktionelle Änderungen erfolgen in Anlage 5 Nr. 15, 16 und 17 sowie in Anlage 8 Nr. 4.

---------------------

Schreiben von BLLV-Präsident Klaus Wenzel an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus am 1.10.2008


Suche

Im Blickpunkt

Reformkonzept

Kinderhaus Casadeni