16. März 2004

Übernahme von landwirtschaftlich-hauswirtschaftlichen Fachlehrerinnen in den Volksschuldienst

Eingabe zum Rückzug des Staates aus der Ernährungsberatung

Problem

Nach der Schließung der Ernährungsberatungsstellen sollen neun Fachlehrerinnen für Hauswirtschaft, die bisher dort tätig waren, in den staatlichen Volksschuldienst übernommen werden. Sie sollen dort die Aufgabe von Fachlehrerinnen für Handarbeit/Hauswirtschaft übernehmen, obwohl sie hierfür nicht (ausreichend) qualifiziert sind.

Denn die Ausbildung der Fachlehrerinnen für Handarbeit/Hauswirtschaft im Volksschuldienst beinhaltet nicht nur eine fundierte Grundbildung für das Fach Hauswirtschaft, sondern auch für die Bereiche Werken und Textiles Gestalten. Die Ausbildung zur landwirtschaftlich-hauswirtschaftlichen Fachlehrerin umfasst dagegen lediglich das Fach Hauswirtschaft – in der Erwachsenenbildung.

Vor diesem Hintergrund ist das o.g. KMS vom 22.1.2002 aus Sicht des BLLV völlig unverständlich. Dieses KMS sieht vor, dass die zu übernehmenden Fachlehrerinnen nach einer lediglich ein- bis zweiwöchigen Pflichtfortbildung in den Fächern Werken und Textiles Gestalten die Lehr- und Unterrichtsbefähigung für diese Fächer erhalten sollen und damit in Grund- und Hauptschulen eingesetzt werden.

Eine so gestaltete Fortbildungsmaßnahme ist unzureichend, um sich die umfangreichen fachlichen und methodisch-didaktischen Inhalte der derzeit gültigen Lehrpläne in diesem Bereich adäquat anzueignen. Eine solch kurze Pflichtfortbildung unterliefe jegliche fundierte Ausbildung sowohl der ersten als auch der zweiten Phase für die Fachlehrerinnen Handarbeit/Hauswirtschaft.

Forderung des BLLV

Der Einsatz unzureichend ausgebildeter Kolleginnen im Bereich der Grund- und Hauptschulen steht einem fachgerechten Unterricht im musisch-gestalterischen Bereich entgegen. Dies wäre auch hinsichtlich der aktuellen Diskussion um Qualitätsstandards und Unterrichtsentwicklung sicherlich nicht dienlich. Gerade die Weiterentwicklung des Faches Werken/Textiles Gestalten/Praktische Arbeitslehre im überarbeiteten Hauptschullehrplan erfordert hohe Fach- und Methodenkompetenz, um die Kooperation mit dem Leitfach Arbeit/Wirtschaft/Technik zu realisieren.

Der BLLV befürchtet zudem eine Benachteilung der in beiden Fächern qualifiziert ausgebildeten Fachlehrerinnen Handarbeit/Hauswirtschaft sowie der Schülerinnen und Schüler an Grund- und Hauptschulen.

Namens des BLLV bitte ich Sie deshalb eindringlich, auch weiterhin einen qualifizierten Fachunterricht zu sichern. Sinnvoll ist nur der ausschließliche Einsatz der landwirtschaftlich-hauswirtschaftlichen Fachlehrerinnen im "Hauswirtschaftlich-sozialen Bereich" der Hauptschule. Erst nach einer entsprechenden Nachqualifikation im Erweiterungsfach "Werken/Textiles Gestalten" (z.B. Nachweis regionaler und überregionaler Fortbildungen in allen Lernbereichen der Fachlehrpläne, fachspezifische Hospitation, Teilnahme an Ausbildungstagen im Rahmen der 2. Phase der Lehrerbildung o. Ä.) können sie auch in diesem Fach eingesetzt werden.

Selbstverständlich steht der BLLV für Rückfragen und weiterführende Gespräche gerne zur Verfügung. Schon jetzt danke ich Ihnen sehr herzlich für Ihre Unterstützung!

aus einem Schreiben des BLLV-Präsidenten, Dr. h.c. Albin Dannhäuser, an den Ministerialdirigenten im Bayerischen Kultusministerium, Dr. Helmut Wittmann, vom 16.03.2004


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