29. Mai 2009

Eingabe des BLLV zur Gesundheitserziehung/-bildung

Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels, insbesondere der Erziehungsrolle von Familien, besteht die dringende Notwendigkeit einer systematischen Gesundheitserziehung/-bildung in den Schulen.

Bewegungsarmut, Fettleibigkeit auf der einen Seite, Ess-Brechsucht (Bulimie) und Magersucht (Anorexia nervosa) auf der anderen Seite, aber auch steigender Medienkonsum und die Zunahme von Alkoholexzessen von Jugendlichen sind nur einige der Schlagwörter. Sie belegen, dass ein natürlicher und gesunder Umgang mit dem eigenen Körper für viele Schülerinnen und Schüler keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt.

Erkennbar wird, dass kulturelle Kernkompetenzen (functional literacy), wie z. B. die der Gesundheitskompetenz, oftmals nicht mehr über die Sozialisation gesichert werden.

Deshalb besteht die dringende Notwendigkeit einer systematischen Gesundheitsbildung in den Schulen. In der UN-Kinderrechtskonvention wird in Artikel 3, Abs. 3 das Wohl des Kindes vorrangig gefordert:

„Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass die für die Fürsorge für das Kind oder dessen Schutz verantwortlichen Institutionen, Dienste und Einrichtungen den von den zuständigen Behörden festgelegten Normen entsprechen, insbesondere im Bereich der Sicherheit und der Gesundheit sowie hinsichtlich der Zahl und der fachlichen Eignung des Personals und des Bestehens einer ausreichenden Aufsicht.“

Die Bayerische Staatsregierung hat auf die negativen gesundheitlichen Veränderungen mit unterschiedlichen Initiativen reagiert. Der BLLV begrüßt, dass dadurch der bestehende Handlungsbedarf anerkannt wird und die Bereitschaft zu entschlossenem Handeln signalisiert wird.

Die aufgelegten Programme wie z. B. „Voll in Form“ werden den Qualitätsstandards einer systematischen Implementierung von präventiver Gesundheitserziehung/-bildung in Schule und Unterricht aber nicht gerecht. Die zentrale Aufgabe einer qualitätsvollen Gesundheitsbildung darf den Schulen nicht zu einer weiteren Zusatzaufgabe ohne zusätzliche Ressourcen aufgebürdet werden. Vielmehr müssen hierfür ausreichende personelle und finanzielle Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden.

Es bietet sich an, die bereits vorhandene fachliche Kompetenz der Fachlehrer/innen für Ernährung auf diesem Gebiet zu nutzen.

Konkret schlägt der BLLV vor, dass jeder Schulart Stunden für Gesundheitserziehung/-bildung nach einem bestimmten Schlüssel zusätzlich zum bisherigen Budget zugewiesen werden. Mit diesen Stunden werden passend zum jeweiligen Profil der Schule Aktivitäten für Gesundheitserziehung bzw. Gesundheitsbildung ermöglicht.

Mögliche Verwendungen für

  • Ernährungsbildung
  • Koordination der außerschulischen Angebote
  • Projekte mit verschiedenen Klassen
  • Teamteaching
  • Einrichtung von Schülerarbeitsgemeinschaften
  • Information und Schulung von Eltern und Lehrer/innen

Durchgeführt werden sollen solche Aktivitäten von den an den Schulen befindlichen Experten für Gesundheit, Ernährung und Sport, allen voran hierfür ausgebildete Fachlehrerinnen und Fachlehrer.

Für eventuelle Rückfragen und ergänzende Gespräche stehen wir gerne zur Verfügung. Für Ihre wohlwollende Prüfung und Rückmeldung möchte ich mich bereits jetzt sehr herzlich bedanken.

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Schreiben von BLLV-Präsident Klaus Wenzel an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus am 29.5.2009

 


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