14. Mai 2007

Neufassung der Schulordnung für die Realschulen in Bayern (RSO)

Stellungnahme des BLLV

Vorbemerkungen:

  1. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) begrüßt grundsätzlich die in der Neufassung der Schulordnung für die Realschulen (RSO) vollzogene Neustrukturierung sowie die Verringerung der Regelungsdichte, zumal damit eine Forderung des BLLV umgesetzt wird. Abzuwarten bleibt, inwieweit diese Freiheit von der einzelnen Lehrkraft, den Klassenkonferenzen und der Lehrerkonferenz genutzt werden können. In diesem Zusammenhang sieht der BLLV die äußerst starke Position der Schulleiterin bzw. des Schulleiters im Vergleich zur Lehrerkonferenz nicht unkritisch. Eine solche Aufwertung müsste durch eine systematischere Personalauswahl und -qualifizierung begleitet werden.
  2. Der BLLV begrüßt, dass die bisherige, verwirrende Unterscheidung zwischen schriftlichen und mündlichen Leistungsnachweisen zugunsten der Formulierung große bzw. kleine Leistungsnachweise aufgegeben wurde.

Stellungnahme des BLLV im Einzelnen:

Alle Paragrafen beziehen sich auf die RSO – neu.

§ 6 Abs. 2 – Sitzungen

Der BLLV bittet Satz 1 folgendermaßen zu formulieren:

"Die Lehrerkonferenz kann Dritte zur Beratung einzelner Tagesordnungspunkte hinzuziehen."

Begründung:

  • Das Recht, Dritte zur Lehrerkonferenz hinzuziehen zu können, sollte nur dem betroffenen Gremium – also der Lehrerkonferenz – eingeräumt werden.
  • Wenn ein/e Schulleiter/in eine Zuladung für geboten hält, kann sie/er einen entsprechenden Antrag in der Lehrerkonferenz stellen und begründen, warum diese dritte Person(en) an der Sitzung teilnehmen soll(en)
  • Eine Soll-Bestimmung ist unserer Auffassung nach in diesem Zusammenhang zu eng gefasst.
  • Der Zusatz "soweit dies angezeigt ist" kann – da dies selbstverständlich ist – entfallen.

§ 45 (1) – Stundentafeln

Der BLLV bittet, Satz 4 folgendermaßen zu formulieren:

"Die Entscheidung trifft die Schulleiterin oder der Schulleiter im Benehmen mit der Klassenkonferenz und dem Elternbeirat."

Begründung:

  • Es reicht in diesem Fall aus, das Benehmen mit der Klassenkonferenz herzustellen. Ein Votum der gesamten Lehrerkonferenz ist für die Frage, ob in einer einzelnen Klasse für kurze Zeit von der vorgeschriebenen Stundentafel abgewichen wird, nicht notwendig.

§ 51 (6) –Kleine Leistungsnachweise

Der BLLV bittet darum die Regelung aus der neuen Gymnasialen Schulordnung (GSO) auch für die Realschule zu übernehmen. In "52 (2) GSO heißt es: "Zahl, Art und Terminierung der Leistungserhebungen liegen grundsätzlich im pädagogischen Ermessen der Lehrkräfte"

§ 53 (4) – Bewertung der Leistungen

Der BLLV bittet, Absatz 3 folgendermaßen zu formulieren:

"Nach Ende einer Leistungserhebung können gesundheitliche Gründe der Schülerin oder des Schülers, denen zufolge der Leistungsnachweis nicht gewertet werden soll, nicht mehr anerkannt werden."

Begründung:

  • Während einer Leistungserhebung kann es durchaus in das Ermessen der einzelnen Lehrkraft gestellt werden, ob ein/e Schüler/in einen Leistungsnachweis ohne Nachteile abbrechen kann oder nicht.

§ 61 (1) – Freiwilliges Wiederholen

Der BLLV bittet Absatz 1 folgendermaßen zu formulieren:

Auf Antrag der Erziehungsberechtigten können Schülerinnen und Schüler freiwillig wiederholen oder spätestens bis zum Halbjahreswechsel in die vorherige Jahrgangsstufe zurücktreten

Begründung:

  • Den betroffenen Schülerinnen und Schülern sollte die Möglichkeit gegeben werden, etwaige Defizite bis zum Halbjahr auszugleichen bzw. ihre Leistungsbereitschaft zu steigern. Zum Halbjahreswechsel können die Erziehungsberechtigten dann fundierter entscheiden, ob ein Rücktritt angezeigt ist oder ob die Schülerin/der Schüler die Jahrgangsstufe weiter besuchen soll. Die Gefahr, dass ein Schüler/eine Schülerin wertvolle Zeit verliert, ist durch diesen Vorschlag nicht gegeben, da ein freiwilliger Rücktritt dennoch auch schon vor dem Halbjahreswechsel – also z.B. zum Ende des Kalenderjahres – möglich bleibt.

aus einem Schreiben des BLLV-Präsidenten, Dr. h.c. Albin Dannhäuser, an Herbert Püls, Leitender Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, vom 14.05.2007


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