20. Januar 2009

Religionsunterricht ist Verfassungsauftrag - Islamunterricht an Bayerns Schulen nachhaltig ausweiten

Petition an den Bayerischen Landtag Erklärung der Fachtagung Islamunterricht vom 20.1.2009

Ordentlicher Religionsunterricht auch für muslimische Konfessionen

Dem Selbstverständnis der Unterzeichner entspricht es, religiöse Erziehung als wesentlichen Bestandteil von Bildung und Erziehung zu sehen. Zur Identitätsfindung und Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern gehören wesentlich ein reflexiver Zugang zur Religion, zu ihrem Gottes- und Menschenbild sowie zur Teilnahme und Beheimatung in der Religion. Bekenntnisorientierter Religionsunterricht ist ein Schlüssel zur Integration, zur Dialog- und Gesprächsbereitschaft. Dies bedeutet, dass muslimische Konfessionen die Möglichkeit eines ordentlichen Religionsunterrichts in der öffentlichen Schule erhalten.
 

Islamunterricht statt islamischer Unterweisung

Für muslimische Schülerinnen und Schüler soll analog zu den christlichen Konfessionen in den öffentlichen Schulen Religionsunterricht angeboten werden, der

  • mit den Vorgaben des Grundgesetzes (Art. 7 Abs. 3) und der Verfassung des Freistaates Bayern (Art. 136 f) korrespondiert,
  • in deutscher Sprache erteilt wird,
  • von qualifizierten Lehrkräften mit staatlicher Lehrbefähigung erteilt wird, die für diesen Unterricht an deutschen Universitäten im Rahmen des Lehramtsstudiums ausgebildet sind,
  • der deutschen, staatlichen Schulaufsicht unterliegt und
  • folgende Lehrpläne verwendet:
    Fachlehrplan für den Schulversuch Islamunterricht an der bayerischen Grundschule (genehmigt mit KMS vom 12. Juli 2004 Nr. III.7 - 5 O 4244 - 6. 23 573) und Fachlehrplan für den Schulversuch Islamunterricht an der bayerischen Hauptschule (genehmigt mit KMS vom 7. November 2006 Nr. III.6 - 5 O 4344 - 6. 89 430).

Die aktuelle Praxis der islamischen religiösen Unterweisung in türkischer oder deutscher Sprache ist kein ordentlicher Religionsunterricht im Sinne des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung. Sie ist ein pragmatisches Angebot an Kinder muslimischen Glaubens unter deutscher Schulaufsicht. Dieses Angebot soll zeitnah durch einen ordentlichen Religionsunterricht für Kinder muslimischen Glaubens ersetzt werden.

Die Unterzeichner begrüßen deshalb ausdrücklich, dass im Schuljahr 2008/09 in Bayern an zehn Schulen Islamunterricht und an weiteren sechs Schulen Alevitischer Religionsunterricht angeboten wird. Mit der Ausweitung schließt sich das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus unserer Auffassung an, dass bereits aktuell Islamunterricht in Bayern angeboten werden kann, der grundsätzlich den oben genannten fünf Grundsätzen entspricht.

Auch das Selbstverständnis des Islam, der keine Konfession nach christlichem Verständnis bildet, steht dem Ziel eines ordentlichen Islamunterrichts folglich nicht im Wege. Das Beispiel Erlangen und Nürnberg zeigt juristisch gangbare und pragmatische Lösungen auf.
 

Ausweitung des Islamunterrichts

Die Unterzeichner bitten die politisch Verantwortlichen (Bayerischer Landtag, Integrationsbeauftragter, Kultusministerium etc.) wo erforderlich die Zahl der Standorte eines Islamunterrichts in deutscher Sprache bereits zum Schuljahr 2009/10 deutlich zu erhöhen. Die Gewinnung und Ausbildung qualifizierter Lehrpersonen ist zentrale Voraussetzung für dieses Angebot.

Die Angebote für universitäre Ausbildung und für die Weiterbildung muslimischer Lehrkräfte sind weiter zu entwickeln und zu intensivieren. Dazu gehört die Verankerung des Faches Islamische Religionslehre in der Lehramtsprüfungsordnung (LPO 1) und zertifizierte Weiterbildungskurse in Institutionen der Lehrerfort- und -weiterbildung.

Damit die Qualität der Lehrkräfte für Islamunterricht gewährleistet werden kann, ist eine entsprechende Infrastruktur an der Universität Augsburg in Verbindung mit der Universität Erlangen-Nürnberg zu schaffen.

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus wird gebeten, in geeigneter Form auf den Schulversuch hinzuweisen und Anträge zu unterstützen.

Diese Petition wurde unterstützt von:

  • Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), Präsident Klaus Wenzel, Bavariaring 37, 80336 München
  • Albert-Schweitzer-Volksschule (Grundschule), Elfriede Göb-Endres, Rektorin, Albert-Schweitzer-Str. 3, 97424 Schweinfurt
  • Geschwister-Scholl-Realschule Nürnberg, Hans Gradl, Realschulrektor, Muggenhofer Str. 122, 90429 Nürnberg
  • Graser-Volksschule Bayreuth (Grundschule), Katharina John, Rektorin, Schulstr. 4, 95444 Bayreuth, Privat: Alexander-von Humboldt-Str. 7, 95460 Bad Berneck
  • Grundschule a.d. Hanselmannstr., Ulrike Wanner, Schulleiterin, Hanselmannstr. 45, 80809 München (397 Schüler/innen, davon 272 islam. bzw. sonstiges Bekenntnis, 32 Nationen, ca. 82 % Migranten)
  • Grundschule Mainburg, Rudolf Mathes, Rektor, Am Gabis 4, 84048 Mainburg
  • Hans-Böckler-Schule Fürth (Städtische Real- und Wirtschaftsschule), Thomas Bedall, OStD, Schulleiter, Fronmüllerstraße 30, 90763 Fürth,
  • Jale Kösemen Gürbüz, Tegernseer Landstr. 235, 81549 München

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Die Petition wurde am 25.6.09 im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags beraten. Es wurde beschlossen, sie der Staatsregierung als Material zu überweisen (§ 80,3 der GeschO)


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