12. März 2008

Unterrichtsversorgung und Lehrerbedarf

Klassen- und Gruppenbildung im Schuljahr 2008/2009

Zur Klassen- und Gruppenbildung im Schuljahr 2008/2009 richte ich namens des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) folgende Forderungen rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres an Sie:

Für das Schuljahr 2008/2009 wird ein Schülerrückgang in den Grund- und Hauptschulen erwartet. Es ist aus Sicht des BLLV sehr wichtig, dass die dadurch frei werdenden Planstellen nicht erneut gestrichen, sondern für eine Verbesserung der Lern- und Förderbedingungen an diesen Schularten genutzt werden.

Gerade in den Grund- und Hauptschulen ist es im Interesse eines nachhaltigen Lernerfolgs dringend erforderlich, dass alle Schülerinnen und Schüler individuell und intensiv gefördert werden können.

Die qualitative Arbeitsbelastung der Lehrkräfte aller Schularten hat sich nicht zuletzt durch die demotivierende Arbeitszeiterhöhung im Schuljahr 2004/2005 erhöht, obwohl sie bereits in den vergangenen Jahren davor außerordentlich stark und auch zeitlich ausgedehnt worden war. Die Mobile Lehrerreserve wurde zwar insgesamt in erfreulichem Maße erhöht. Im Grund-, Haupt- und Förderschulbereich war sie trotzdem oft zum großen Teil bereits in den ersten Schulwochen verplant. So kann auch in diesem Schuljahr der stundenplanmäßige Unterrichtsbetrieb an vielen Schulen nur durch unbezahlte Mehrarbeit aufrechterhalten werden.

Dennoch werden von der Schule weiterhin neue anerkannte und politisch gewünschte

 

  • Der weitere Anstieg der Schüler, die eine M- bzw. P-Klasse besuchen, erfordert im Schuljahr 2008/2009 den Einsatz weiterer Lehrerstunden. Außerdem erachten wir die angebotene Zusatzförderung als zu gering und erwarten deshalb deren Ausbau auf mindestens neun Wochenstunden je M-Gruppe bzw. M-Klasse. Der BLLV hält hierbei die Einrichtung von M-Gruppen für wünschenswert. M-Klassen sollten lediglich an großen Hauptschulen aus deren eigenem Bestand gebildet werden. Bei P-Klassen bzw. P-Gruppen muss gewährleistet sein, dass genügend Fachpersonal (also z.B. auch Sozialpädagogen) zur Verfügung steht. Außerdem sollen für P-Klassen (wie bei den M-Klassen gefordert) zusätzlich 9 Lehrerwochenstunden zur Verfügung gestellt werden.
  • Die geplante Stärkung und Profilierung der Hauptschule (z.B. Innere Schulentwicklung, interne und externe Evaluation, MODUS 21, MODUS F, Hauptschulinitiative) erfordert dringend eine Verlagerung von mehr Kompetenzen an die Einzelschule und die Bereitstellung von zusätzlichen Planstellen.
  • Die Schüler in den Regelklassen benötigen eine bessere individuelle Förderung. Die Lehrerstundenzuweisung muss für diesen Bedarf erhöht werden.
  • Schulentwicklung und Qualitätssicherung binden weitere Kräfte von Lehrer/innen sowie Mitglieder der Schulleitungen.
  • Auch der Ausbau der Mittagsbetreuung an den Grundschulen, die Konzeptentwicklung für Ganztagesklassen an Grundschulen sowie die Schaffung von flächendeckenden Ganztagshauptschulen erfordern dringend eine Verlagerung von mehr Kompetenzen an die Einzelschule und die Bereitstellung von zusätzlichen Planstellen. Die Betreuung von Schülern außerhalb des Unterrichts (Unterstützung bei der Anfertigung der Hausaufgaben, individuelle Fördermaßnahmen) darf nicht ohne Anrechnung auf die Unterrichtspflichtzeit der betroffenen Lehrkräfte erfolgen.
  • Die Ausweitung der sonderpädagogische Förderung in den allgemeinen Schulen mit Unterstützung der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste sowie das qualifizierte Beratungsangebot an Lehrkräfte, Erzieher, Eltern und Kinder von Seiten der Förderschulen erfordern dringend zusätzliche Planstellen sowie bessere materielle und räumliche Ressourcen an den Schulen.
  • Neue Aufgaben für die Schulleitungen, hier besonders die dienstliche Beurteilung der Lehrer, aber auch die oben bereits angedeuteten Tätigkeiten im Zusammenhang mit der inneren Schulentwicklung erfordern eine neue Berechnung der Arbeitszeit in den Schulleitungen. Insbesondere muss gewährleistet sein, dass den Schulleitungen genügend Leitungs- und Verwaltungszeit zur Verfügung steht.
  • Mehr unterrichtliche und außerunterrichtliche Aufgaben erhöhen die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte (siehe z.B. Unterrichtsentwicklung, aufwendige Schülerbeobachtung und Schülerbeurteilung).
  • Viele Eltern stellen heute erhöhte Ansprüche an die Ausbildung und Erziehung ihrer Kinder und damit an Lehrer/innen und Schule.
  • Auch die Ergebnisse der PISA-Studie II haben einen erhöhten Förderbedarf erkennen lassen. Insbesondere dem frühkindlichen Lernen im Elementarbereich und in der Grundschule und einer besseren individuellen Förderung in allen Jahrgangsstufen kommen hierbei eine besondere Bedeutung zu. Eine bessere individuelle Förderung, besonders auch lernschwacher Schüler/innen sowie von Kindern mit mangelnden Deutschkenntnissen, würde sich in allen schulischen Bereichen auszahlen.
    Der BLLV erwartet, dass genügend Planstellen für die Grund- und Hauptschulen zur Verfügung gestellt werden, damit die bei PISA I und PISA II festgestellten Defizite (14 Prozent der bayerischen Schüler sind beim Lesen in oder unterhalb der 1. Kompetenzstufe und befinden sich damit in der Risikogruppe; Migrantenkinder haben einen Lernrückstand von 1,5 bis 3 Jahren; fast zehn Prozent der Hauptschüler verlassen die Schule ohne Abschluss).
  • Für Übergangs- und Eingliederungsklassen ist eine Höchststärke von 15 Schüler/innen festzusetzen; außerdem ist für diese Klassen zusätzliches Personal für eine intensive Förderung zur Verfügung zu stellen.

 

Vordringliche Forderungen

1.  Statt durch Planstellenabbau sind durch Planstellenmehrung, durch Ausweitung nebenberuflicher Tätigkeit von Lehrer/innen, durch Einsatz beschäftigungsloser Grundschullehrer/innen sowie durch Anfragen an beurlaubte Lehrkräfte weitere Lehrer zur Verfügung zu stellen. Es muss garantiert sein, dass der Schülerrückgang an Grund- und Hauptschulen nicht dazu führt, dass Lehrerplanstellen aus diesen Schularten abgezogen werden. Gerade an Grund- und Hauptschulen ist eine qualifizierte und intensive zusätzliche Förderung dringend erforderlich; dazu bedarf es übersichtlicher Klassen und kleiner Lerngruppen. Der BLLV hält in diesem Zusammenhang einen Zehnjahresplan zur Schaffung und Bewirtschaftung von Lehrerplanstellen für dringend erforderlich.

2.  Die für eine sachgerechte Verwirklichung der M-Kurse in der siebten und achten Jahrgangsstufe und der M9 und M10 an Hauptschulen erforderlichen Lehrerstunden (Doppelzählung) sind zur Verfügung zu stellen und das Differenzierungsangebot durch M-Kurse ist zeitlich auszuweiten. Außerdem ist auf eine Mindestschülerzahl zur Bildung von M‑Kursen zu verzichten.

3.   Die wohnortnahe Hauptschule ist aufgrund der demographischen Entwicklung und wegen der Einführung der sechsstufigen Realschule akut gefährdet. Der Beschluss des Bayerischen Landtags, alle über 500 Teilhauptschulen zu schließen (Drs. 15/1562), hat die Schulprobleme besonders im ländlichen Raum zudem dramatisch verschärft. Die Staatsregierung steht in der Pflicht, regional angepasste Schulkonzepte zuzulassen und entsprechend personell, materiell und finanziell auszustatten. Hierzu hat der BLLV mit dem Konzept der Regionalen Schulentwicklung (RSE) ein Konzept entwickelt, das auf breites Interesse der Kommunen stößt.

4.   Der BLLV fordert, dass in allen Klassen der Grund- und Hauptschulen die Klassenstärke unter 25 Schüler liegen muss. Dies ist aus pädagogischen Gründen geboten. Der BLLV erkennt die Bemühungen der letzten Jahre in diesem Bereich ausdrücklich an. Für die Förderschulen ist die Absenkung der Klassenstärken für alle Förderschwerpunkte um mindestens 25 % dringend geboten. Klassen im Förderschwerpunkt Lernen mit 17 oder im Bereich geistige Entwicklung mit 12 Schüler/innen sind aus sonderpädagogischen Gesichtspunkten nicht tragbar.

5.  Der BLLV wendet sich mit Nachdruck gegen die Ausweitung jahrgangskombinierter Klassen. Sollte in Einzelfällen die Einrichtung solcher Klassen erforderlich sein, so muss zum Zwecke einer intensiven und individuellen Förderung ein zusätzliches Kontingent von 10 Lehrerwochenstunden pro Klasse zur Verfügung gestellt werden. Den Leiterinnen und Leitern dieser Klassen ist für die besonderen Belastungen eine Stundenanrechnung von 2 Wochenstunden zu geben.

6.  Große Bedeutung hat für den BLLV die Einrichtung eines Stundenpools an Grund- und Förderschulen sowie der Ausbau des Stundenpools an Hauptschulen.

7.   Der BLLV fordert zum Schuljahr 2008/2009 die Klassen- und Gruppenbildung auf der Grundlage der Lehrerstundenzuweisung möglichst vollständig in die Zuständigkeit der jeweiligen Schule zu geben.

8.   Im Sinne einer "Deregulierung", d. h. Verlagerung der Entscheidungskompetenz auf die Schule sowie aufgrund der neuen Belastungen sind die Schulleitungen durch deutlich mehr Anrechnungsstunden zu entlasten. Der BLLV erkennt ausdrücklich die unternommenen Anstrengungen auf diesem Gebiet an, verweist jedoch darauf, dass die bereitgestellten Mittel nur einen Anfang für einen dringend notwendigen Ausgleich der Mehrbelastung der Schulleitungen bedeuten.

9.   Die volle Altersermäßigung der über 55-jährigen bzw. über 60-jährigen Lehrerinnen und Lehrer soll wieder hergestellt werden.

10.  Die Verbesserungen im Bereich der Mobilen Reserven werden begrüßt. Es ist sicherzustellen, dass Lehrer/innen aus der Mobilen Reserve nicht zur Klassenbildung verwendet oder für das ganze Schuljahr auf einer festen Stelle eingesetzt werden. Sie müssen zur Deckung des kurzfristigen Aushilfsbedarfs bereitgehalten werden.

11.  Hauptschulen sind in der Region und wohnortnah konzeptionell, inhaltlich, personell und organisatorisch so zu stärken, dass sie gemäß Abs. 3, Art. 3 (Gliederung der Volksschulen) möglichst in allen Jahrgangsstufen mehrzügig geführt werden können, nach Ansicht des BLLV mindestens zweizügig. Bei einzügigen Hauptschulen muss durch die Bereitstellung zusätzlicher Lehrerplanstellen garantiert werden, dass von Angeboten aus dem Wahlpflichtbereich Gebrauch gemacht werden kann. Zusätzlich braucht jede Schule entsprechend dem Schulprofil Lehrerstunden für Neigungskurse. Eine Zusammenfassung von zwei Jahrgangsstufen ist in der Hauptschule unzulässig.
 
Den einzelnen Schulen soll im Rahmen einer gerechten Zuweisung von Lehrerstunden ein Höchstmaß an Selbstständigkeit bei der Bildung von Klassen und Gruppen eingeräumt werden.

Im Übrigen verweist der BLLV auf die anliegende Zusammenstellung von pädagogisch erforderlichen und sachlich wie organisatorisch erstrebenswerten Forderungen.

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Anlage zum Schreiben des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV)

“Unterrichtsversorgung und Lehrerbedarf - Klassen- und Gruppenbildung im Schuljahr 2008/2009“ vom 12.03.2008

 

Grundsätze

Der Lehrerbedarf einer Schule muss sich an der Schüler- und Klassenzahl orientieren und soll möglichst flexibel dem Schulprofil angepasst ausgewiesen werden. Entscheidungen zur Klassen- und Gruppenbildung sind innerhalb vorgegebener Richtwerte soweit möglich an die Schulen zu verlagern.

Es ist darauf zu achten, dass alle Schulen eine gute Unterrichtsversorgung erhalten. Die zurückgehenden Schülerzahlen führen oft nicht zu einem entsprechenden Rückgang der Anzahl der Klassen. Für kleinere Schuleinheiten besonders im ländlichen Raum ist ein Zusatz-Budget einzurichten. Jede Schuleinheit muss über den Pflichtstundenbereich hinaus Stunden für Arbeitsgemeinschaften, Wahlangebote und Zusatzfördermaßnahmen bekommen.

Für neu entstehenden Bedarf während des Schuljahres (z.B. Kinder von Zuzüglern) sind Neueinstellungen vorzunehmen. Die Lehrkräfte der Mobilen Reserve sind ausschließlich für Aushilfen einzusetzen.

 

1.         Ausweisung des Lehrerbedarfs

1.1           Bei der Ausweisung des Lehrerbedarfs ist darauf zu achten, dass Förderunterricht gemäß §§ 9 und 10 VSO bzw. §§ 25 und 27 VSO-F sowie Kursunterricht (Wahlunterricht und Arbeitsgemeinschaften) gemäß den Stundentafeln durchgeführt werden können. Die vor Jahren gekürzten Stundentafeln an Grund- und Hauptschulen sind wieder mit der ursprünglichen Stundenzahl auszustatten. Die Überlastung von Hauptschülern durch zu viel Nachmittagsunterricht ist zu vermeiden.

1.2           Für die qualifizierte Ausgestaltung des Freiraums für die einzelnen Schulen sowie als Ausgleich für besondere schulische Belastungen fordert der BLLV für Grund- und Förderschulen einen Stundenpool (Anrechnungsstundenkontingent), für die Hauptschulen eine Erweiterung des Stundenpools (Anrechnungsstundenkontingent).

1.3           Der BLLV fordert eine bessere personelle Ausstattung der Hauptschulen, damit diese durch ihr reelles und vielfältiges Angebot an interessanten Neigungskursen, Arbeitsgemeinschaften und Wahlfächern als attraktive Alternative in unserem Schulsystem überzeugen können. Schüler/innen sollen Schule und Freizeit nicht als getrennte Welten empfinden und die Schulen sollen auf die speziellen Interessen und Neigungen der Schüler eingehen und diese fördern. Zu dieser Förderung gehören gezielte Entwicklungsgespräche zwischen Lehrern und Schülern, um eine bessere Beziehungsebene aufbauen zu können.

1.4           Die oft schwierige pädagogische Situation an Grund-, Haupt- und Förderschulen erfordert mehr als bisher ein Eingehen auf die spezifischen Bedürfnisse des einzelnen Schülers. Der BLLV fordert daher die bedarfsgerechte Ausweisung von Lehrerstunden für die Einrichtung von Therapiegruppen für verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler.

1.5           Zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern, des persönlichen Gesprächs zwischen Schülern und Lehrern sowie der Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen den Lehrer/innen fordert der BLLV bei der Ausweisung der Lehrerstunden pädagogische Kooperationsstunden zu berücksichtigen.

1.6           Für jahrgangsgemischte Grundschulklassen (Kombiklassen) fordert der BLLV eine zusätzliche Lehrerstundenzuweisung von 10 Wochenstunden. Die Klassenstärke darf maximal 25 Schüler/innen betragen. Die erhöhten Belastungen der Lehrerinnen und Lehrer in jahrgangsgemischten Klassen sind durch zwei Anrechnungsstunden auszugleichen.

1.7           Die Mobilen Dienste bewährten sich. Um schulische Behinderungen bereits im Entstehen zu verhindern, sind die Mobilen Dienste weiter zu verstärken.

1.8           Der BLLV fordert, die Lehrerstunden für den Ethikunterricht gesondert auszuweisen.

1.9           Die Rektor/innen von Grund-, Haupt- und Förderschulen sind grundsätzlich von der Klassenleitung freigestellt. Das Schulamt hat dafür zu sorgen, dass für jede Klasse
eine qualifizierte Leitung sichergestellt ist.
 

2.            Senkung der Klassen- und Gruppenstärken in Grund- und Hauptschulen

2.1          Die Klassenhöchstzahlen sind im Grund- und Hauptschulbereich auf deutlich unter 30 zu senken. Anzustreben ist eine Höchstzahl von 25.

2.2          Generell sollten für die Bildung von Gruppen im Wahlpflicht- und Wahlbereich Höchstgrenzen festgelegt werden. Lerngruppen mit mehr als 15 Schüler/innen werden den spezifisch-fachlichen Ansprüchen und in der Regel den räumlichen Verhältnissen nicht gerecht.

2.3          Die Gruppenstärke im Fachunterricht darf die Zahl der jeweiligen Schülerarbeits-plätze nicht überschreiten. Dies ist dringend geboten, um die spezifisch-fachlichen Ansprüche eines effizienten, unfallfreien Fachunterrichts zu gewährleisten.

2.4          Bei der Gruppenbildung sind der einzelnen Schule größtmögliche Spielräume zuzugestehen, wenn innerhalb einer Schule ein Ausgleich erzielt werden kann. Diese Forderung entspricht dem Prinzip, die Kompetenzen zur Klassen- und Gruppenbildung dort anzusiedeln, wo die konkreten Entscheidungen umgesetzt und getragen werden müssen.

2.5          Im Fremdsprachenunterricht aller Jahrgangsstufen ist eine Höchststärke von 15 Schüler/innen erforderlich, um eine erfolgreiche Erziehung zur Sprechfähigkeit zu erreichen. Im Englischunterricht der Hauptschulen ist eine durchgängige Lerngruppendifferenzierung für einen den Schülerleistungen entsprechenden Unterricht vorzusehen.

2.6          Die Zusammenlegung von Schüler/innen mehrerer Klassen zu sog. "Sportklassen" ist zu vermeiden, wenn die Gruppenstärke 20 Schüler/innen übersteigt. Für den Schwimmunterricht ist die Gruppenhöchststärke auf 15 Schüler/innen festzulegen. Für den Anfangsschwimmunterricht sind die Klassen zu teilen. Dadurch wird der Schwimm- und Sportunterricht intensiviert und die Unfallgefahr verringert.
 

3.         Senkung der Klassen- und Gruppenstärken an Förderschulen

3.1          Die Klassenhöchstzahlen sind in allen Förderschwerpunkten um 25 % deutlich zu senken. Anzustreben ist u.a. im Förderschwerpunkt Lernen eine Höchstschülerzahl von 13, in Sonderpädagogischen Diagnose- und Förderklassen von 10 und im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung von 9.

3.2          Die Aufnahme vieler Schüler/innen in die Eingangsstufe der Diagnose- und Förderklassen sowie auch in andere Jahrgangsstufen erfolgt häufig erst im Laufe eines Schuljahrs. Aus diesem Grunde sollte eine Klassenteilung nach dem Stichtag 15. Oktober möglich sein (Flexibilität bei der Klassenbildung).

3.3          Erhöhung der Lehrerstundenzuweisung für besondere Fördermaßnahmen, Arbeitsgemeinschaften, Wahl und Therapiestunden sowie für die Diagnostik und Beratung von Eltern und Schülern

3.4          Ausweitung der Mobilen Dienste für die Unterstützung der sonderpädagogischen Förderung an den allgemeinen Schulen, durch Erhöhung der Lehrerstunden.

3.5          Erhöhung der Mobilen Reserve auf den Stand der Grund- und Hauptschulen.

3.6          Orientierung der finanziellen Vorgaben für Schulvorbereitende Einrichtungen am tatsächlichen Bedarf.
 

4.         Besonderer Lehrerbedarf für den Unterricht mit Kindern von Ausländern und Aussiedlern

4.1          In Bezug auf die Klassenhöchststärke müssen Kinder nichtdeutscher Muttersprache in Regelklassen doppelt gezählt werden, da die Notwendigkeit einer stärkeren Binnendifferenzierung und einer individuellen Förderung dieser Kinder unbestritten ist. Auch bei der Gruppenbildung im Fachunterricht sind Ausländerkinder doppelt zu zählen. Die bisher getroffene Regelung reicht nicht aus.

4.2          Zweisprachige Klassen und zweisprachige Klassen, die in der Hauptschule als Regelklassen weitergeführt werden (sog. KM-Klassen), sollten nicht mehr als 22 Schüler/innen haben. Es ist sicherzustellen, dass die für die zweisprachigen Klassen vorgesehenen Lehrerwochenstunden auch wirklich in den zweisprachigen Klassen verwendet werden.

4.3          Da die Übergangsklassen aufgrund der politischen Verhältnisse immer heterogener werden und dort sowohl Schüler aus den Herkunftsländern der ausländischen Arbeitnehmer als auch vermehrt Kinder von Asylanten und Asylbewerbern sind, ist die Klassenhöchststärke in den Übergangsklassen auf 12 Schüler/innen festzulegen. Zur Differenzierung sind zusätzliche Lehrerstunden auszuweisen, insbesondere für Alphabetisierungskurse für Kinder von Asylanten und Asylbewerbern.

4.4          Übergangs- und Eingliederungsklassen sind bei Bedarf auch an Förderschulen einzurichten, da auch an Förderschulen ausländische Schüler/innen ohne bzw. mit nur geringen deutschen Sprachkenntnissen unterrichtet werden.

4.5          Für jahrgangsgemischte Übergangsklassen fordert der BLLV eine Lehrerstundenzuweisung, die die äußere Differenzierung (z.B. Anfänger / Fortgeschrittene / Aspiranten für die Regelklasse) in den Fächern Deutsch und Mathematik in vollem Umfang zulässt sowie die erhöhten Belastungen der Lehrer in jahrgangsgemischten Übergangsklassen durch zwei Anrechnungsstunden ausgleicht.
 

5.         Klassen- und Gruppenbildung unter Berücksichtigung der Rückkehrerquote aus bzw. der Übertritte an Realschulen, Gymnasien und Wirtschaftsschulen
 

5.1           Die Berücksichtigung der erfahrungsgemäß zu erwartenden Rückkehrer aus Gymnasien, Realschulen und Wirtschaftsschulen sowie der erfahrungsgemäß bis zum 1. Dezember aufzunehmenden Schüler bei Heimschulen zur Erziehungshilfe ist verbindlich angeordnet. Der BLLV geht davon aus, dass dies auch für das Schuljahr 2008/2009 gilt.

5.2           Die Zusammenlegung bisheriger Klassen der Jahrgangsstufen 7 und 8 ist grundsätzlich nicht zulässig.

 

6.         Erhöhung der Mobilen Lehrerreserve und der Aushilfen für
Mutterschaftsurlaub

6.1           Die gegenwärtige Lehrerreserve ist nicht ausreichend. Sie kann nur zum geringen Teil die unvermeidlich entfallenden Lehrerstunden ausgleichen. Die Schüler/innen müssen deshalb wieder durch unpädagogische Formen wie Mitführungen versorgt werden oder es muss Unterricht ausfallen. Deshalb ist die Mobile Lehrerreserve im Sinne einer zufriedenstellenden Lehrerversorgung zu erhöhen.

6.2           In Ballungsgebieten ist angesichts des großen Anteils junger Lehrerinnen der Bedarf an Aushilfen für Mutterschaftsurlaub nicht hinreichend gedeckt. Der Aushilfsbedarf zur Lehrerversorgung wegen Erziehungsurlaubs hat sich wegen der Verlängerung des Erziehungsurlaubs sowie vermehrter Mutterschaften erhöht. Dem ist auf der Grundlage einer vom Kultusministerium durchzuführenden Bedarfserhebung durch eine erhöhte Bereitstellung einer ausreichenden Zahl von Lehrer/innen zu entsprechen. Das gilt insbesondere auch für Fachlehrer/innen.
 

7.         Bessere Förderung für die Regelklassen 7 – 8 – 9 und für die Einrichtung von M-Gruppen und P-Gruppen
 

7.1            Die Tendenz der Einführung v.a. von M-Klassen bei nicht ausreichender Schülerzahl im Verbund mit Nachbarschulen ist für den ländlichen Raum kritisch zu beurteilen. Sie birgt nicht nur die Gefahr, dass Hauptschulen 1. und 2. Kategorie (mit und ohne M-Klassen) entstehen. Im Extremfall führt sie auch zu Schulschließungen, wenn die an eine andere Schule abgewanderten M-Schüler/innen genau für die Mindestzahl einer Klassenbildung fehlen. Nicht wenige Eltern dürften bei der Bildung solcher Schulverbünde der Realschule den Vorzug geben. Diese Gefahren für die Hauptschulen v. a. im ländlichen Raum scheinen vermeidbar, wenn eine Eltern und Wirtschaft überzeugende regional angepasste Schule mit Realschulabschluss angeboten wird Eigene Klassen sind dazu nicht zwingend erforderlich. Die Möglichkeit der Differenzierung des Unterrichts in M-Gruppen in den entscheidenden Fächern ist dafür ausreichend.

7.2            Hierzu muss der zeitliche Umfang der differenzierenden Gruppenbildung auf mindestens zehn Wochenstunden ausgebaut werden. Dieser Unterricht muss während der regulären Unterrichtszeit stattfinden. Die hierfür erforderlichen Lehrerstunden sind bereitzustellen.

7.3            Ebenso muss auf eine Mindestschülerzahl bei der Bildung dieser M-Gruppen verzichtet werden.

7.4            M-Gruppen sollten auch in der 9. Jahrgangsstufe angeboten werden können.

7.5            Die oben genannte Forderung nach flexiblen Einrichtungen von M-Angeboten gilt auch für die P-Angebote. Es muss garantiert sein, dass sowohl Praxisklassen als auch Praxisgruppen mit optimalen Lern- und Förderbedingungen im Angebot stehen. Neben genügend Lehrerinnen und Lehrern muss auch in Zukunft weiteres Fachpersonal (z.B. Sozialpädagogen) zur Verfügung gestellt werden.

7.6            Die Schüler in den Regelklassen der Jahrgangsstufen 7, 8 und 9 müssen besser individuell gefördert werden. Dafür sind zusätzliche Lehrerstunden zur Verfügung zu stellen.

 

Aus einem Schreiben von BLLV-Präsident Klaus Wenzel an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus am 12.3.2008

 

 


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