28. März 2009

Kritik am Modellversuch Kooperationsschulen: Keine Hilfe für den ländlichen Raum

Resolution Einstimmiger Beschluss des BLLV-Landesausschusses am 28.3.2009

Zu dem Kabinettsbeschluss der Bayerischen Staatsregierung vom 10.3.2009 über den Modellversuch Kooperationsschulen nimmt der Landesausschuss des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) wie folgt Stellung:
 

1.
Der BLLV stellt mit großem Bedauern fest, dass die Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 13.3.2009 eine Vielzahl von Rahmenrichtlinien festlegt, die dem Ziel des Erhalts wohnortnaher Schulen und einer modernen Weiterentwicklung des Schulsystems entgegenstehen: 

  • Das dogmatische Festhalten an einer starren Trennung der Schularten macht die notwendige Flexibilität für passgenaue Lösungen unmöglich und verstärkt den Auslesedruck an den Schulen weiter.
  • Durch die zwingende Voraussetzung, dass neue Schulangebote nur durch die Kooperation von zwei Schulen und nicht durch die Weiterentwicklung einer einzelnen Schule eröffnet werden dürfen, werden organisatorische Schranken errichtet, die für die meisten Schulstandorte eine sinnvolle Lösung unerreichbar machen.
  • Das gleiche gilt für die Vorgabe, dass beide Partnerschulen mindestens zweizügig sein müssen.
  • Ein sinnvoller Modellversuch bedarf einer ausreichenden Ausstattung mit Personal- und Sachmitteln und kann nicht, wie vorgesehen, ohne zusätzliche Ressourcen erfolgsorientiert umgesetzt werden.


2.
Aus diesen eklatanten Defiziten der Rahmenvorgaben des Modellversuchs ergeben sich aus der Sicht des BLLV erhebliche Gefahren für die weitere Schulentwicklung:

  •  Es ist zu befürchten, dass die Zahl der wohnortnahen Hauptschulen noch stärker sinken wird. Interessanterweise taucht bei der Zielsetzung des Modellversuchs auch der Erhalt der wohnortnahen Schulen nicht auf.
  • Stattdessen droht eine Welle der Neugründungen von Realschulen. Somit bestünde die Antwort der Bayerischen Staatsregierung auf den Schülerrückgang in einem Schulgründungsprogramm, das im Gegenzug das massenweise Aussterben von Hauptschulstandorten zur Folge hätte.
  • Die Hauptschule erleidet das gleiche Schicksal wie die Grundschule, sie wird zum Zulieferbetrieb der anderen Schularten. Der vorgesehene Wechsel leistungs­starker Hauptschüler nach der 5. und 6. Klasse in die Realschule lässt sie vollständig ausbluten, beraubt sie ihrer letzten Leistungsträger, verlängert den Übertrittsdruck um zwei Jahre und verhindert jede Kontinuität und Stabilität.

3.
Allerdings erkennt der BLLV die Bereitschaft der Staatsregierung an, sich des Problems des demographischen Wandels und der daraus sich ergebenden Folgen für die Schulstruktur anzunehmen. Er versteht den Kabinettsbeschluss als ersten Schritt hin zu einer Regionalen Schulentwicklung, die die Schaffung passgenauer und pragmatischer Lösungen für die Schulen vor Ort ermöglichen soll. Desto erstaunlicher und aus unserer Sicht empörender ist der offenkundige Widerspruch zwischen den Ankündigungen der Staatsregierung am 10.3.09 und der Bekanntmachung des Kultusministeriums am 13.3.09.
 

Fazit

In der vorliegenden Fassung bedeutet der Modellversuch Kooperationsschulen den Tod der wohnortnahen Hauptschulen, die durch ein grobmaschiges Netz zentralisierter und großer Realschulen ersetzt werden. Diesen Weg kann und will der BLLV nicht mit gehen.

Die Alternative hierzu kann aus Sicht des BLLV nur eine Regionale Schulentwicklung (RSE) sein, die flexibel und undogmatisch wohnortnahe Angebote zumindest des Realschulabschlusses auch an weiterentwickelten Hauptschulen ermöglicht.


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