1. Juni 2005

Das Fass läuft über!

Schulleiter wehren sich gegen die neue Aufgabe der Dienstlichen Beurteilung ohne fundierte Fortbildung und ohne angemessene Zeitkompensation

Ein höchst verantwortungsvolles Instrument der Personalführung – die Dienstliche Beurteilung – ist seit 1. Mai 2005 weitgehend auf die Schulleiterinnen und Schulleiter an Grund- Haupt- und Förderschulen in Bayern übertragen worden.

In allen Vorgesprächen und Verhandlungen wurde die drängendste Frage der betroffenen Rektorinnen und Rektoren seitens der Staatsregierung kalt ignoriert: Wann soll diese neue Aufgabe erfüllt werden, wenn keine zeitliche Kompensation in Aussicht gestellt wird (Entlastung von Unterrichtsverpflichtung); oder umgekehrt: Welche der bisherigen Aufgaben sollen zukünftig Schulleiterinnen und Schulleiter nicht mehr erledigen, damit sie die zeitlich aufwändige und sehr verantwortungsvolle Dienstliche Beurteilung ihres Kollegiums sachgerecht erledigen können?

Die bayerischen Schulleiterinnen und Schulleiter sind empört, dass die Staatsregierung keinerlei Entlastung in Aussicht stellt! Alle Empfehlungen und Forderungen des BLLV nach einer Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung sind mit Achselzucken und lapidaren Hinweisen auf knappe Kassen in den Wind geschlagen worden. Außerdem ist in gewohnt aktionistischem Stil einfach nur ein Faktum geschaffen worden, ohne konkrete Übergänge und Fortbildungen vorzusehen.

Ist unser Dienstherr der Auffassung, wir hätten bisher in gemütlichen Zeitnischen auf neue Arbeitsfelder gewartet? Dann sind jedoch die Elogen pure Heuchelei, in denen wir von Politikern und Spitzenbeamten des Ministeriums warmherzigen Dank für unser Engagement und unseren Einsatz für die innere Schulentwicklung erfahren durften und uns unsere hohe Arbeitsbelastung regelmäßig bestätigt wurde.

Schulleiterinnen und Schulleiter können die neue Aufgabe und die Phase der Vorbereitung darauf nur im Tausch realisieren! Bis zu einer deutlich spürbaren Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung und einer sachgerechten Erhöhung der Zuteilungsrichtlinien für Verwaltungsangestellte müssen wir uns nach der Maxime des Ministerpräsidenten Stoiber richten, der festgestellt hat, dass „nicht mehr das Wünschenswerte, sondern nur noch das Notwendige“ geleistet werden kann.

  • Wir können keine Vertretungsstunden mehr erteilen und werden diese auch nicht auf Kolleginnen und Kollegen abwälzen!
  • Kein Schulleiter kann künftig mehr eine Klassenführung übernehmen!
  • Wir müssen in der Schule oft den Anrufbeantworter für uns sprechen lassen!
  • Wir sind gezwungen, zusätzliche Aufgaben abzugeben oder abzulehnen!
  • Die Sachwaltung kann nur noch auf das Notwendigste reduziert wahrgenommen werden!
  • Kontakte zu regionalen Einrichtungen sind kaum mehr möglich!
  • Den bewährten zusätzlichen Service für Eltern können wir nicht im bestehenden Umfang aufrecht erhalten!

Unsere Dienstpflicht und die Fürsorgepflicht unseres Dienstherren stehen in einem direkten Wechselverhältnis. Wer die Fürsorgepflicht auf das Mindestmaß reduziert, muss damit rechnen, dass auch die Dienstpflichten genau unter die Lupe genommen werden!

Wer uns die Zeit und damit die Möglichkeit für wirkungsvolle Schulleitung nicht gibt, leistet einer bildungs- und kinderfeindlichen Haltung Vorschub, die wir alle ablehnen. Sie heißt: "Ich frage mich nicht mehr, was kann ich für meine Schule noch alles tun, sondern, was muss ich mindestens noch tun? "

Die Schulleiterinnen und Schulleiter in Bayern fordern eine baldige und effektive Fortbildung und die sofortige Bereitstellung von Haushaltsmitteln, damit Schulleitung wenigstens auf gleichem Niveau wie bisher gesichert ist und die neue Aufgabe im Bereich der Personalführung sachgerecht geleistet werden kann!


Suche

Im Blickpunkt

Reformkonzept

Kinderhaus Casadeni