28. November 2008

Schulversuch Kooperationsschulen

Schreiben von BLLV-Präsident Klaus Wenzel an Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle

In den nächsten Wochen sollen durch Ihr Haus Kriterien für die Genehmigung von Modellversuchen nach Artikel 30 der Koalitionsvereinbarung entwickelt werden. Hierzu möchte ich als Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), der das Konzept der Regionalen Schulentwicklung als Antwort auf die Herausforderungen der künftigen Schulentwicklung vorgelegt hat, Stellung nehmen.

Der BLLV begrüßt die Grundsatzentscheidung, künftig Regionale Modellversuche zuzulassen, die das wohnortnahe Angebot attraktiver Schulabschlüsse gewährleisten sollen. Mit großer Freude stellen wir fest, dass durch diese Grundsatzentscheidung im Koalitionsvertrag Schließungen von Hauptschulen verhindert und der ländliche Raum nachhaltig gestärkt werden sollen.

Die Versammlung aller Kreisvorsitzenden des BLLV hat bereits im Oktober einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der drei wichtige Bedingungen definiert werden, von deren Erfüllung abhängt, ob die Modellversuche auch wirklich eine spürbare Verbesserung der schulischen Situation in Bayern bedeuten:

  1. Die Zahl der Modellversuche darf nicht zu gering sein. Alle Anträge aus den Gemeinden müssen undogmatisch auf ihre Realisierungschancen geprüft werden.
  2. Die Modellversuche dürfen nicht von vorne herein auf ein einheitliches Organisationsmodell beschränkt werden.
  3. Die Modellversuche müssen gut ausgestattet sein. Dies gilt sowohl für die Lehrerstundenzuweisungen als auch für die Hilfen zur Entwicklung und Umsetzung der pädagogischen und didaktischen Konzepte.

Es wird immer wieder behauptet, das Konzept der Regionalen Schulentwicklung des BLLV bedeute eine flächendeckende Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen und habe zum Ziel, das dreigliedrige Schulsystem in Bayern zu beseitigen. Dieser Vorwurf ist jedoch falsch. Der BLLV will durch die Regionale Schulentwicklung gerade die stark ideologisierte und unfruchtbare Strukturdiskussion vermeiden. Uns geht es nicht um Ideologie, sondern um pragmatische Lösungen. Allerdings dürfen vor Ort entwickelte passgenaue Lösungen nicht allein deshalb abgelehnt werden, weil sie bisherige Lösungsansätze überschreiten.

Bei einer Regionalen Schulentwicklung bleibt die bestehende Gliederung des Schulwesens in Schularten grundsätzlich erhalten. Wo die Schularten weiter getrennt voneinander ein funktionierendes Schulangebot bereitstellen können und wollen, soll dies auch weiter der Fall sein. Dies bedeutet für die Modellversuche, dass durch sie

  • keine bestehenden Schulen der gleichen oder anderer Schularten in ihrem Bestand gefährdet sein sollen und
  • die Wahlfreiheit der Eltern im bestehenden gegliederten Schulwesen unberührt bleibt.

Wo jedoch der Erhalt der wohnortnahen Schule, und damit der kulturellen und wirtschaftlichen Attraktivität des ländlichen Raums, schulartübergreifende Lösungen notwendig macht, dürfen diese nicht prinzipiell ausgeschlossen werden. Im Rahmen der Schulversuche müssen auch solche Modelle zugelassen werden,

  • bei denen Abschlüsse an Schulen angeboten werden, die nach ihrer bisherigen Struktur dort nicht vorgesehen waren
  • und bei denen Schulen - auch ohne Kooperation mit einer bestehenden anderen Schule - Konzepte mit dem Ziel entwickeln, die wohnortnahe Schule zu erhalten und die Bildungsbeteiligung der Eltern einer Gemeinde durch attraktive Bildungsangebote zu erhöhen.

Sehr geehrter Herr Staatsminister, ich hoffe, dass die Koalitionsvereinbarung als Chance für eine moderate, pragmatische und organische Weiterentwicklung des differenzierten Schulwesens in Bayern genutzt wird. Ich fürchte, dass ein starres Festhalten am Status quo, das dringend notwendige Anpassungen an die demographische Entwicklung und das sich verändernde Übertrittsverhalten verhindert, den Gemeinden und der gesamten Entwicklung des ländlichen Raums schaden wird. Dies zu verhindern, liegt  im Interesse aller und ist wesentlicher Teil der Programmatik der Staatsregierung.

Gerne steht der BLLV für vertiefende Gespräche zur Verfügung.

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Schreiben von BLLV-Präsident Klaus Wenzel an Herrn Staatsminister für Unterricht und Kultus Dr. Ludwig Spaenle am 28.11.2008


Dateien:
spaenle1108.pdf15.2 K

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