17. Februar 2004

Unterrichtsversorgung und Lehrerbedarf

Klassen- und Gruppenbildung im Schuljahr 2004/2005

Zur Klassen- und Gruppenbildung im Schuljahr 2004/2005 richtet der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) folgende Forderungen rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus:

Das letzte Schuljahr brachte eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen für die Klassen- und Gruppenbildung. Die qualitative Arbeitsbelastung der Lehrkräfte aller Schularten hat sich damit im Schuljahr 2003/2004 erneut erhöht, obwohl sie bereits in den vergangenen Jahren außerordentlich stark und auch zeitlich ausgedehnt worden war. Die Mobile Lehrerreserve im Grund-, Haupt- und Förderschulbereich war zum großen Teil bereits in den ersten Schulwochen verplant. Im Moment kann der stundenplanmäßige Unterrichtsbetrieb an vielen Schulen nur durch unbezahlte Mehrarbeit aufrechterhalten werden.

Dennoch werden von der Schule weiterhin neue anerkannte und politisch gewünschte Aufgaben verlangt:

  • Der weitere Anstieg der Schülerzahl, die eine M- Klasse besucht, erfordert im Schuljahr 2004/2005 den Einsatz weiterer Lehrerstunden. Außerdem erachten wir die angebotene Zusatzförderung als zu gering und erwarten deshalb deren Ausbau auf mindestens neun Wochenstunden je M-Gruppe bzw. M-Klasse. Der BLLV hält hierbei die Einrichtung von M-Gruppen für wünschenswert. M-Klassen sollten lediglich an großen Hauptschulen aus deren eigenem Bestand gebildet werden.
  • Die geplante Stärkung und Profilierung der Hauptschule erfordert dringend eine klare Verlagerung von Kompetenzen an die Einzelschule und die Bereitstellung von zusätzlichen Planstellen.
  • Schulentwicklung und Qualitätssicherung binden weitere Kräfte von Lehrer/innen sowie Mitglieder der Schulleitungen.
  • Auch die Einführung der kind- und familiengerechten Grundschule erfordert dringend eine klare Verlagerung von Kompetenzen an die Einzelschule und die Bereitstellung von zusätzlichen Planstellen. Die Betreuung von Schülern außerhalb des Unterrichts darf nicht ohne Anrechnung auf die Unterrichtspflichtzeit der betroffenen Lehrkräfte erfolgen.
  • Neue Aufgaben für die Schulleitungen erfordern zur Erhaltung des Status quo mehr Stundenanrechnungen für die Schulleitungen.
  • Mehr unterrichtliche Aufgaben kommen trotz Erhöhung der Arbeitsbelastung auch auf die Lehrkräfte zu.
  • Viele Eltern stellen heute erhöhte Ansprüche an die Ausbildung und Erziehung ihrer Kinder und damit an Lehrer/innen und Schule.
  • Die Ergebnisse der PISA-Studie haben einen erhöhten Förderbedarf erkennen lassen. Insbesondere der Frühförderung in der Grundschule und einer individualisierten Förderung in allen Jahrgangsstufen kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Eine solch intensivierte Förderung, besonders auch lernschwacher Schüler/innen sowie von Kindern mit mangelnden Deutschkenntnissen, macht sich in allen schulischen Bereichen bezahlt.

Vordringliche Forderungen

  1. Durch Planstellenmehrung, durch Ausweitung nebenberuflicher Tätigkeit von Lehrer/innen, durch Einsatz beschäftigungsloser Grundschullehrer sowie durch Anfragen an beurlaubte Lehrkräfte sind weitere Lehrerstellen zu schaffen. Der BLLV hält in diesem Zusammenhang einen Zehnjahresplan zur Schaffung und Bewirtschaftung von Lehrerplanstellen für dringend erforderlich.
  2. Die für eine sachgerechte Verwirklichung der M-Kurse in der siebten und achten Jahrgangsstufe und der M9 und M10 an Hauptschulen erforderlichen Lehrerstunden (Doppelzählung) sind zur Verfügung zu stellen und das Differenzierungsangebot durch M-Kurse ist zeitlich auszuweiten. Außerdem ist auf eine Mindestschülerzahl zur Bildung von M-Kursen zu verzichten.
  3. Die wohnortnahe Hauptschule ist aufgrund der demographischen Entwicklung und wegen der Einführung der sechsstufigen Realschule akut gefährdet. Die vom Kultusministerium geplante Schließung aller über 500 (Teil-)Hauptschulen ist aus Sicht des BLLV pädagogisch und sozial verantwortungslos. Die Staatsregierung steht in der Pflicht, konsequent in Hauptschulen zu investieren, und diese als Alternative im gegliederten Schulsystem aufrechtzuerhalten. Andernfalls droht der Hauptschule eine langjährige und schmerzliche Agonie. Nach Recherchen des BLLV sind bislang bereits mindestens 108 (Teil-)Hauptschulen seit Beginn des Schulversuchs der R6 im Jahre 1991 geschlossen worden.
  4. Der BLLV wiederholt seine Forderungen, dass keine Klassen mit über 30 Schüler/innen gebildet werden. Dies ist aus pädagogischen Gründen geboten. Neue Klassen an Grund- und Hauptschulen sollen höchstens 25 Schüler/innen haben.
  5. Große Bedeutung hat für den BLLV die Einrichtung eines Stundenpools an Grund- und Förderschulen sowie der Ausbau des Stundenpools an Hauptschulen.
  6. Der BLLV fordert zum Schuljahr 2004/2005 die Klassen- und Gruppenbildung auf der Grundlage der Lehrerstundenzuweisung in die Zuständigkeit der jeweiligen Schule zu geben.
  7. Im Sinne einer "Deregulierung", d. h. Verlagerung der Entscheidungskompetenz auf die Schule sowie aufgrund der neuen Belastungen sind die Schulleitungen durch mehr Anrechnungsstunden zu entlasten. Der BLLV erkennt ausdrücklich die unternommenen Anstrengungen auf diesem Gebiet an, verweist jedoch darauf, dass die bereitgestellten Mittel nur einen Anfang für einen dringend notwendigen Ausgleich der Mehrbelastung der Schulleitungen bedeuten.
  8. Die volle Altersermäßigung der über 55-jährigen bzw. über 60-jährigen Lehrerinnen und Lehrer soll wieder hergestellt werden.
  9. Es ist sicherzustellen, dass Lehrer/innen der Mobilen Reserve nicht zur Klassenbildung verwendet oder sonst für das ganze Schuljahr auf einer festen Stelle eingesetzt, sondern zur Deckung des kurzfristigen Aushilfsbedarfs bereitgehalten werden.
  10. Aus Gründen der Organisation der Kurse ist darauf zu achten, dass Hauptschulen gemäß Abs. 3, Art. 3 (Gliederung der Volksschulen) möglichst in allen Jahrgangsstufen mehrzügig geführt werden, nach Ansicht des BLLV mindestens zweizügig. Bei einzügigen Hauptschulen muss durch die Bereitstellung zusätzlicher Lehrerplanstellen garantiert werden, dass von Differenzierungsmöglichkeiten (Wahrnehmen vieler Angebote aus dem Wahlpflichtbereich) Gebrauch gemacht werden kann. Eine Zusammenfassung von zwei Jahrgangsstufen ist in der Hauptschule unzulässig.

Den einzelnen Schulen soll im Rahmen einer gerechten Zuweisung von Lehrerstunden ein Höchstmaß an Selbständigkeit bei der Bildung von Klassen und Gruppen eingeräumt werden.

aus einem Schreiben des BLLV-Präsidenten, Dr. h.c. Albin Dannhäuser, an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus vom 17.02.2004


Suche

Im Blickpunkt

Reformkonzept

Kinderhaus Casadeni