1. Juni 2005

SOS Hauptschule

Die Lehrerinnen und Lehrer an den bayerischen Hauptschulen sind in großer Sorge um ihre Schüler. Strukturelle Veränderungen des Arbeitsmarktes haben zur Folge, dass Hauptschüler immer geringere Ausbildungs- und Anstellungschancen haben. Auf dem Symposium des BLLV zur Zukunft der Hauptschule am 30. April 2005, an dem auch der neue Staatsminister für Unterricht und Kultus, Siegfried Schneider, teilgenommen hat, haben alle Experten diese Einschätzung bestätigt. Diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren an Dramatik zunehmen.

Hauptschüler dürfen nicht weiter aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden und ins gesellschaftliche Abseits geraten. Wir brauchen eine Qualifikationsoffensive für unsere Hauptschüler. Sie müssen beruflich und sozial besser als bisher integriert werden. Wenn dies nicht gelingt, entsteht ein gefährliches soziales und politisches Explosionspotenzial. Die Politik muss handeln.

Damit eine Qualifikationsoffensive gelingen kann, sind folgende Maßnahmen unabdingbar:

  • kleinere Klassen und mehr Fördermaßnahmen für lernschwache Schüler
  • mehr Ganztagsschulen und ganztägige Betreuungsangebote
  • handlungs- und projektorientiertes Lernen an berufsbezogenen Inhalten
  • mehr Sprachlernklassen und Erhalt des muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts
  • mehr sportliche und musisch-darstellende Aktivitäten
  • zusätzliche finanzielle und personelle Mittel für Brennpunktschulen
  • mehr sonderpädagogische und sozialpädagogische Fachkräfte
  • ausreichend Fach- und Förderlehrer/innen für individuelle Stützmaßnahmen

In der Frage der Schließungen von (Teil-) Hauptschulen appelliert der BLLV, flexible, regional angemessene Lösungen zu ermöglichen.

Eine Reihe dieser Maßnahmen ist Teil des BLLV-Konzeptes "2. Stufe der Hauptschulreform" (siehe hier PDF-Format, 240 KByte), das der CSU-Fraktion und dem Kultusministerium vorliegt. Ein erster Schritt muss sein, die durch Schulzusammenlegungen und Schulschließungen freiwerdenden Planstellen hierfür zu nutzen.

Neben der Qualifikationsoffensive für Schüler brauchen Lehrer und Schulleitungen in der Hauptschule dringend bessere Arbeitsbedingungen. Viele von ihnen gehen weit über ihre physische und psychische Belastungsgrenze hinaus, um ihren Schülern zu helfen. Sie müssen aber feststellen, dass die Bedingungen für ihre Arbeit immer schwieriger werden. Die Gefahr der Resignation und Enttäuschung ist groß.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Sie haben die Hauptschule immer als tragende Säule des gegliederten Schulsystems bezeichnet. Tatsache ist: Wenn es nicht schnell gelingt, die Qualifikationen der Hauptschüler und die Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer nachhaltig zu verbessern, wird die Hauptschule zur empfindlichen Schwachstelle des gegliederten Schulsystems.

aus einem Schreiben des BLLV-Präsidenten, Dr. h.c. Albin Dannhäuser, an den Bayerischen Ministerpräsidenten, Dr. Edmund Stoiber


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