2. Mai 2007

Kombiklassen in der Grundschule

Petition des BLLV vom 02.05.2007

einstimmig beschlossen vom BLLV-Landesvorstand am 02.05.2007

BLLV fordert klare Rahmenbedingungen für jahrgangskombinierte Klassen

Gab es im Schuljahr 2004/2005 noch 80 jahrgangskombinierte Klassen, so waren es 2005/06 bereits 149, aktuell ist die Zahl auf circa 220 Klassen gestiegen. In der Novellierung des BayEUG soll die Bildung jahrgangsübergreifender Klassen nun gesetzlich verankert werden. Mittlerweile wird sogar diskutiert, die ersten vier Jahrgänge in einer Klasse zu kombinieren.

Hierzu nimmt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) wie folgt Stellung:

Ein Weg zum Erhalt von Grundschulen liegt auch in der Bildung von jahrgangsgemischten Klassen. Der BLLV ist prinzipiell offen für diese Lösung, denn jahrgangskombinierte Klassen können auch aus pädagogischer Sicht durchaus wertvoll sein. Dies gilt allerdings nicht für jahrgangsgemischte Klassen, in denen Schüler/innen der Klassen eins bis vier unterrichtet werden sollen. Klassenkombinationen, die sich über mehr als zwei Jahrgänge erstrecken, werden deshalb vom BLLV grundsätzlich abgelehnt.
Bereits heute ist die Primarstufe die mit Abstand am schlechtesten ausgestattete Schulstufe in Bayern. Diese weit unter dem internationalen Durchschnitt liegende Finanzierung der grundlegenden Bildung sorgt dafür, dass kleine Klassen, die pädagogisch mindestens ebenso sinnvoll wären wie Kombiklassen, nicht mehr gebildet werden können und Schulstandorte durch sinkende Lehrerstundenzuweisungen gefährdet sind. Bei gleichbleibend dünner Personaldecke würde die Einführung von Kombiklassen nur zu einer weiteren Verschlechterung der Lern- und Arbeitsbedingungen an Grundschulen führen.

Die Staatsregierung selbst räumt in der Begründung der BayEUG-Novellierung ein, dass die Einführung jahrgangskombinierter Klassen – entgegen bisheriger öffentlicher Beteuerungen von Seiten des Kultusministeriums und der CSU-Landtagsfraktion – zu "Einsparungen sowohl für die Kommunen (Schulaufwand) als auch für den Staat (Personalaufwand)" führt (S.3).

Verschiedenheit erfordert jedoch ein stärkeres Eingehen auf die einzelne Schülerin, den einzelnen Schüler. Die Gefahr ist groß, dass ansonsten jüngere Schüler angesichts des massiven Übertrittsdrucks an Grundschulen nicht angemessen gefördert werden können. Dies gelingt durch Individualisierung, zeitweise Klassenteilung, Einzelförderung und Unterricht in Kleingruppen. Hierfür genügen jedoch sicherlich keine fünf Stunden in der Woche. Pro kombinierter Klasse sind mindestens zehn zusätzliche Lehrerstunden erforderlich, wie diese in den Modellversuchen zur Verfügung gestellt wurden. Ferner dürfen diese Klassen nicht mehr als 25 Schüler/innen umfassen.

Nach Ansicht des BLLV wird in der pädagogischen Begründung der jahrgangskombinierten Klassen zudem ein eklatanter Widerspruch in der Argumentation des Kultusministeriums deutlich. Während hier nämlich die pädagogischen Vorteile, die aus der Heterogenität erwachsen, nicht genug gelobt werden können, gilt dieses Wundermittel ab Jahrgangsstufe 5 als Teufelszeug.

Der BLLV fordert daher, die Abkehr von der obersten Maxime bayerischer Schulpolitik, Lernerfolg sei nur in einer homogenen Lerngruppe zu erreichen, in die Sekundarstufe zu übertragen und auch deren Schüler/innen in den Genuss des Lernens durch Verschiedenheit kommen zu lassen.

Petition des BLLV an den Bayerischen Landtag vom 02.05.2007


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