22. Januar 2010

Belastung der Schulleitung in Folge der „Mittelschule und der Schulverbünde“

Petition

Namens des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) leite ich nachfolgende Petition zur Belastung der Schulleitung in Folge der „Mittelschule und der Schulverbünde“ an Sie mit der Bitte, sie an den zuständigen Fachausschuss weiterzuleiten. Bitte informieren Sie mich vor der Beratung im zuständigen Ausschuss über den geplanten Termin.

Der BLLV steht der landesweiten Einführung von Mittelschulen skeptisch gegenüber, da durch diese „Reform“ weder das Übertrittsverhalten beeinflusst noch Schulschließungen verhindert würden. Wir befürchten, dass sich durch die neue Schulform der Mittelschule vor allem in ländlichen Regionen viele neue Probleme ergeben würden, wir erwarten z.B. lange und kostenintensive Bustransfers für die Schülerinnen und Schüler. Vor dem Hintergrund dieser grundsätzlichen Überzeugungen und da für die Umsetzung der geplanten Mittelschule immer noch die notwendigen personellen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen fehlen, stellt der BLLV die nachfolgende Petition.

Situation

Die ab dem Schuljahr 2010 / 2011 geplante Einführung von Mittelschulen, die damit verbunden Zusammenfassung von kleinen Hauptschulen in Schulverbünde mit einem stärkeren Berufsbezug und die Einrichtung von Dialogforen hat nachhaltige Auswirkungen auf die Weiterentwicklung der bayerischen Hauptschulen und auf die Organisation des Unterrichts.

Ziel der amtlichen Schulpolitik ist es, an den Hauptschulen die Berufsorientierung zu stärken, indem die drei Zweige Wirtschaft, Technik und Soziales an der Hauptschule eingeführt werden und indem die Zusammenarbeit mit den berufsbildenden Schulen ausgebaut wird. Außerdem sollen laut Koalitionsvertrag 600 Hauptschulen bis zum Jahr 2013 zu gebundenen Ganztagsschulen weiterentwickelt werden.

Konsequenzen aus der Einführung der Mittelschule

Insbesondere die Zusammenführung von verschiedenen kleineren Hauptschulen zu Schulverbünden mit dem Ziel den Status der Mittelschule zu erreichen, hat umfassende organisatorische Aufgaben zur Folge. So müssen z. B. folgende Entscheidungen gefällt und Aufgaben erledigt werden:
 

  • An welchen Schulstandorten werden welche berufspropädeutische Zweige angeboten werden?
  • Wie wird der Transport der Schüler/innen zu diesen Schulstandorten sichergestellt?
  • Wie werden die Ganztagsangebote konzipiert?
  • Wie erfolgt die Zusammenarbeit mit den häufig räumlich weit entfernten
    berufsbildenden Schulen und Ausbildungsbetrieben?
  • Welche pädagogischen Profile gibt sich die einzelne Schule und welche Schulkonzepte sind in die Dialogforen einzubringen?
  • Wie kann bzw. muss der Sachaufwandsträger in die Entscheidungsprozesse zur
    Einführung von Schulverbünden einbezogen werden?
  • In welcher Form werden die Eltern über die Weiterentwicklung der Hauptschule
    informiert und in die Entscheidungsfindung eingebunden?

 
Position des BLLV

Der BLLV ist der Meinung, dass die Einführung der Mittelschule, insbesondere durch Schulverbünde und durch die Koordination in Dialogforen zu äußerst komplexen organisatorischen Maßnahmen und Abstimmungsverfahren führen wird. Daher sollte alles getan werden, dass

die betroffenen Schülerinnen und Schüler im Zuge der Umstellung keinen Nachteil erleiden müssen.

Im Zuge der Einführung der Schulverbünde ist sicherzustellen, dass die Schulleiterinnen und Schulleiter von Schulen, die sich in Schulverbünden zu Mittelschulen zusammenschließen sollen, angesichts der Fülle der zusätzlichen Aufgaben weitgehend von ihrer Unterrichtstätigkeit befreit werden. Eine organisatorisch unzureichende und aufgrund mangelnder Zeit- und Geldressourcen scheiternde Schulreform würde in erster Linie auf dem Rücken der betroffenen Schülerinnen und Schüler und auch der Lehrerinnen und Lehrer erfolgen. Das kann sich Bayern nicht leisten.

Der BLLV fordert deshalb den Bayerischen Landtag auf, umgehend die Zeitressourcen für die Schulleitungen an den bayerischen Hauptschulen bereit zu stellen, die zur Umsetzung der eingeleiteten Maßnahmen erforderlich sind. Auf die Ankündigungen des Kultusministeriums - http://www.mittelschule.bayern.de/hsi/ms/ - sowie die Petition des BLLV zum Nachtragshaushalt 2010 vom 9.12.09 (s. Anlage, Punkt 4) wird verwiesen.


Petitum

Der BLLV sieht es als notwendig an, dass alle Schulleitungen von Hauptschulen, die sich in Mittelschulen und Schulverbünden zusammenschließen und damit in erweiterter Verantwortung arbeiten sollen, mindestens 10 zusätzliche Unterrichtsstunden pro Woche für Koordinations- und Organisationsarbeiten als Anrechnungsstunden zur Verfügung gestellt bekommen. Ohne ausreichende Zeitressourcen und letztlich auch finanzielle Ressourcen kann das neue Konzept nicht erfolgreich umgesetzt werden. Deshalb bitten wir um Beschluss, die Unterrichtspflichtzeit für Schulleiterfinnen und Schulleiter deutlich zu kürzen.

Der Landtag möge die Staatsregierung auffordern, über die Umsetzung der genannten Punkte zeitnah, d.h. vor Beginn des Schuljahres 2010/11 zu berichten.

Für eventuelle Rückfragen oder ergänzende Gespräche stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Schreiben von BLLV-Präsident Klaus Wenzel an Landtagspräsidentin Barbara Stamm am 22.1.2010

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Die BLLV-Petition wurde vom Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport des Bayerischen Landtags am 17.6.10 behandelt. Die Mehrheit beschloss, die Petition der Staatsregierung als "Material" zu überweisen (§ 80 Nr. 3 der GO des Landtags).


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