15. Oktober 2005

BLLV fordert sofortigen Stopp der Kategorisierung

Einstimmiger Beschluss des BLLV-Landesausschusses vom 15.10.2005

Der Landesausschuss des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) bekräftigt die Ablehnung jeder Kategorisierung des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens in den Zeugnissen, die der BLLV bereits am 28.04.2004 in seinem Beschluss des BLLV zur reformierten Notengebung in der Grundschule geäußert hat.

Die Kategorisierung der einzelnen Kompetenzen erweckt den Anschein einer umfassenden und in den einzelnen Aspekten ausbalancierten Skalierung und damit einer Objektivität, die nicht einmal ansatzweise zu verwirklichen ist. Dieses Verfahren ist weder pädagogisch noch juristisch zu rechtfertigen. Es ist nach Auffassung des BLLV nicht mit dem Gewissen einer Lehrkraft vereinbar solche Urteile, die nicht valide zu begründen sind, auszusprechen. Der BLLV-Landesausschuss fordert daher das Kultusministerium auf, diese Regelung sofort zu widerrufen. Außerdem prüft die BLLV-Rechtsabteilung die juristische Zulässigkeit dieses Verfahrens.

Begründung:

In den vorliegenden und den Lehrkräften empfohlenen Beobachtungsbögen wird ebenso wie in der Handreichung des ISB für die Zeugnisbemerkungen eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte für jede der zu bewertenden Kompetenzen genannt. So finden sich alleine für "Soziale Verantwortung" Aussagen zur

  • Hilfsbereitschaft
  • Übernahme von Aufgaben und Diensten
  • Umgang mit Schwächeren
  • Unterstützung erkrankter Mitschüler
  • Annahme anderer in Wort und Tat
  • Akzeptanz des Verhaltens anderer
  • Interesse für die Meinung anderer
  • Berücksichtigung und Nutzbarmachung anderer Interessen im Lernprozess
  • Einsatz für die Integration anderer
  • Einsicht in und Einhaltung von Regeln und Absprachen
  • Eintreten für aufgestellte Vereinbarungen
  • Erledigung besonderer Aufgaben wie z. B. Klassensprecher
  • Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit der Reaktionen

Für jeden dieser Aspekte, die noch zu ergänzen sind, gibt es eine Zuweisung einer Aussage zu einer der vier Kategorien A bis D. Was jedoch fehlt und fehlen muss, da es überhaupt nicht möglich ist, ist eine Systematik, in der alle diese Aspekte zueinander gewichtet werden. Für wie viele und welche dieser Aspekte muss also die Kategorie A zutreffen, damit das Gesamturteil A für diesen Bereich gerechtfertigt ist? Und welche Kategorie muss dann für die verbleibenden Aspekte vorliegen? Wird ein D bei Hilfsbereitschaft durch ein A beim Interesse für die Meinung anderer ausgeglichen?

Dieses Verfahren ist so offensichtlich absurd, dass es von niemandem verlangt werden darf.

Einstimmig beschlossen vom BLLV-Landesausschuss am 15.10.2005


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