5. März 2005

Die Umstrukturierung der Lehrerbildung in Bachelor- bzw. Master-Studiengänge

Beschluss des BLLV-Landesausschusses vom 5. März 2005

Zielorientierung für Reformmaßnahmen

Die Lehrerbildung in Bayern weist aus Sicht des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) insbesondere in vier Bereichen Desiderate auf. Reformmaßnahmen müssen hier ansetzen, um substantielle Verbesserungen zu erzielen:

  • Die Berufsfeldorientierung des Studiums muss gestärkt werden. Dies gilt ebenso für die fachwissenschaftlichen wie die pädagogischen, psychologischen, schulpädagogischen und didaktischen Anteile. Insbesondere die abzuleistenden Praktika bedürfen einer besseren Betreuung und Reflektion durch intensive Vor- und Nachbereitung. Form und Inhalt der einzelnen Veranstaltungen sowie Aufbau und Struktur des Studiums müssen stärker auf die schulische Wirklichkeit und auf deren Bedürfnisse zugeschnitten werden.
  • Ausreichende Praxiserfahrung des Lehrpersonals im erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Bereich ist unabdingbar. Der wissenschaftliche Nachwuchs, vor allem in diesen Fächern, bedarf einer wirksameren Förderung. Gerade Lehrer/innen mit praktischer Erfahrung müssen in größerem Umfang an die Universitäten geholt werden und dort eine sinnvolle Perspektive erhalten.
  • Die pädagogisch-didaktische Forschung an den Universitäten muss sich ebenso wie die Lehre stärker an der schulischen Realität ausrichten. Ihre Ergebnisse müssen in höherem Maße in die Lehre einfließen und für die Erziehungswirklichkeit Relevanz besitzen.
  • Die verschiedenen Lehramtsstudiengänge müssen stärker zusammengeführt werden und das gemeinsame Berufsbild des Lehrers zur Grundlage haben. Insbesondere während des Grundstudiums sollte das Gemeinsame des Lehrerberufs über das Trennende gestellt werden. Ein breites Fundament an pädagogischen, psychologischen, methodischen und didaktischen Kompetenzen muss für jedes Lehramt, gleich für welche Schulart, geschaffen werden.

Allgemeine Forderungen des BLLV

  • Die Lehramtsstudiengänge werden modularisiert und alle Veranstaltungen mit Leistungspunkte (LP) bewertet. Pro Semester sollen bis zu 30 LP erworben werden.
  • Module sollen den integrativen Ansatz des Studiengangs widerspiegeln. Hierzu müssen sie sowohl fachwissenschaftliche wie fachdidaktische Kenntnisse und Qualifikationen erfassen. Dies erfordert in Zukunft eine engere Abstimmung zwischen den Lehrenden der verschiedenen Disziplinen und Fächer über Inhalte und Vorgehen.
  • Die Einrichtung von Universitätsschulen ermöglichet die dringend geforderte Berufsfeldbezogenheit der Lehrerbildung. Sie werden zu Orten einer an der schulischen Realität orientierten Forschung und bieten zugleich Möglichkeiten zur Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die dazu nötige Zusammenarbeit ist für Schule wie Universität von hohem Wert.
  • Praktika erhalten angesichts der Forderungen nach stärkerer Praxis- und Berufsfeldbezogenheit des Studiums eine besondere Bedeutung. Sie sollten, wo möglich, als Blockpraktika stattfinden. Sie müssen mit vorbereitenden, begleitenden und nachbereitenden Seminaren an den Universitäten verknüpft werden. In entsprechenden Prüfungsmodulen sind sowohl unterrichtstheoretische Kenntnisse und Einsichten wie auch unterrichtspraktische Kompetenzen zu fordern.
  • Die Integration der Inhalte der arbeitstechnischen Fächer muss gewährleistet sein. Vorzustellen wäre ein neu zu schaffender Lehrstuhl Arbeit/Wirtschaft/Technik (analog früherer Arbeitslehre).

Das Bachelor- / Master-Modell des BLLV

Abschlüsse

Der BLLV fordert für die Lehrämter der Primar- und Sekundarstufe I ein achtsemestriges Studium mit einem Umfang von 240 LP, das neben dem Staatsexamen mit einem Master of Education abgeschlossen werden kann. Für die Lehrämter der Förder- und Berufsschulen sowie der Sekundarstufe II erfolgt eine Abkoppelung nach einem sechssemestrigen Bachelor-Studium (180 LP). Daran anschließend ist dann ein zusätzliches viersemestriges Masterstudium mit 120 LP gefordert.

Für die Lehrämter der Primar- und Sekundarstufe I ist es ebenfalls möglich, nach erfolgreichem achtsemestrigem Master of Education ein Master of Science-Studium zu absolvieren. Dieses Studium beinhaltet dann aber im Wesentlichen Spezialisierungen bzw. Erweiterungen bisheriger Studieninhalte. Eine solche Bachelor- bzw. Master-Struktur lässt sich ohne weiteres mit dem Staatsexamen als Studienabschluss vereinbaren. Allerdings muss die Modularisierung auch zu einer echten Verteilung der Prüfungen auf die gesamte Studienzeit führen, sodass zumindest die bisherigen mündlichen Prüfungen wegfallen könnten.

Studienstruktur

Semester 1 und 2

Alle Lehramtsstudiengänge beginnen mit einer zweisemestrigen gemeinsamen Eingangsphase.

Die Veranstaltungen integrieren Anteile aus den Erziehungswissenschaften, Fachwissenschaften und der Didaktik und beziehen sich auf ein gemeinsam verantwortetes Praktikum.

Semester 3-6

Im dritten Semester findet die Trennung in Primar- und Sekundarstufe I statt. Dabei bietet es sich an, je nach Lehramt, die drei Schwerpunkte des Lehramtsstudiums mit unterschiedlichem Gewicht zu studieren:

  • Erziehungswissenschaften mit Pädagogik der Grundschule
  • Fachdidaktiken mit der Didaktik der Grundschule
  • Fachwissenschaften

Semester 7-10

Nach sechs Semestern können Studierende, die an einer außerschulischen Tätigkeit interessiert sind, einen Bachelor mit einem Umfang von 180 LP ablegen. Mit diesem rein universitären Abschluss können sie in andere Studiengänge oder in die Wirtschaft wechseln. Außerdem können Studierende der Lehrämter für die Primarstufe sowie die Sekundarstufe I das Studium für das Lehramt an Sonderschulen aufnehmen. Studierende der Sekundarstufe I können außerdem das Studium der Sekundarstufe II beginnen. Dieses schließt dann mit dem Master of Science oder Master of Arts ab.

Einstimmig beschlossen vom BLLV-Landesausschuss am 05.03.2005


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