20. Februar 2002

Pädagogisch-didaktische Ausgestaltung der Ganztagsschulen

Positionspapier des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV)

Im Positionspapier des BLLV zur Ganztagsschule, das vom Landesvorstand am 20. Juni 2001 beschlossen wurde, wird bereits auf die Notwendigkeit "unabdingbarer Qualitätsstandards" hingewiesen:

  • Ganztagsschulen dürfen nicht den Charakter von Verwahranstalten haben. Ihr pädagogischer Auftrag ist in erster Linie durch Unterricht definiert, der von qualifizierten Lehrkräften erteilt wird.
  • Außerschulische Angebote sind als Zusatzangebote zu organisieren. Sie können Unterricht nicht ersetzen.
  • Im Schulalltag kommt es zu einer an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientierten Rhythmisierung der Lern- und Zusatzangebote.
  • In Ganztagsschulen werden vielfältige und nachhaltige Formen anspruchsvoller Schulsozialarbeit praktiziert.

Für den BLLV ist es wichtig, dass die Ganztagsschulen als Schulen in erweiterter Verantwortung (ScheV) mit einem hohen Grad an Selbstgestaltungsmöglichkeiten organisiert werden.

Unabhängig vom jeweiligen Organisationsmodell, das an den besonderen lokalen und regionalen Gegebenheiten ausgerichtet sein soll, sind bei der Entwicklung eines pädagogisch-didaktischen Profils folgende Aspekte zu beachten:

  1. Die Ganztagsschule versteht sich als "offene Schule", die das lokale Umfeld einbezieht und an der Gestaltung eines dichten sozialen Netzwerkes interessiert ist.
  2. Die Intensivierung von Übungs- und Fördermaßnahmen befreit vom traditionellen Hausaufgabendruck und ermöglicht gezielte und individuelle Förderung.
  3. Ein breites Angebot an Wahlunterricht und Arbeitsgemeinschaften unterstützt umfassende, vielseitige und ganzheitliche Lern- und Förderprozesse.
  4. Die Mittagsverpflegung ist mehr als eine bloße "Nahrungsaufnahme"; sie ermöglicht die Einübung sinnvoller Regeln und wertvolle Prozesse im Sinne anspruchsvollen sozialen Lernens.
  5. Die verstärkten Kontakte zwischen allen Beteiligten (z.B. Schüler-Schüler, Lehrer-Lehrer, Schüler-Lehrer, Lehrer-Sozialpädagogen) dienen der Verbesserung des Schulklimas und unterstützen eine Kultur des Vertrauens und der Kooperation.
  6. Die Ganztagsschule ist nicht nur Lernort, sondern auch Erfahrungs- und Lebensort, der geprägt ist von einer angenehmen Atmosphäre.
  7. Der großzügige Zeitrahmen und erhöhte organisatorische Flexibilität ermöglichen zusätzliche Lehr- und Lernformen (wie z.B. klassenübergreifende Projekte).

Einzelschulen, die sich zu Ganztagsschulen umorganisieren, erhalten qualifizierte Beratung und konkrete Unterstützung (z.B. von den vorgesetzten Behörden, von der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) in Dillingen, vom Institut für Schulpädagogik und Bildungsforschung (ISB) in München).

Beschluss des BLLV-Landesvorstands vom 20. Februar 2002


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