27. Mai 2015

Aufenthalt für auszubildende Flüchtlinge während der gesamten Berufsausbildung

Schreiben des "Forum Bildungspolitik in Bayern" an Ministerpräsident Horst Seehofer am 27.5.2015

 


Die Flüchtlingsthematik beschäftigt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen. Auch das Forum Bildungspolitik in Bayern, als Zusammenschluss von 46 Verbänden aus dem Bildungsbereich hat sich bei seiner Klausurtagung im März ausführlich mit den persönlichen und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten der in Bayern untergebrachten Flüchtlinge beschäftigt. Dabei war auch der Bereich „Berufsausbildung“ vor allem für junge Flüchtlinge und/oder Asylbewerber/innen ein Schwerpunkt der Diskussionen.

 

 

Wie Sie wissen, fordern Wirtschaftsverbände wie die IHK und die Handwerkskammern, jungen Flüchtlingen die Aufnahme einer Berufsausbildung im Dualen System zu erleichtern. Auch für die Ausbildungsbetriebe soll – beispielsweise nach dem „Modell 3 + 2“ – Rechts- und Planungssicherheit geschaffen werden, damit vom ersten Tag der Ausbildung an klar ist, dass dem jungen Flüchtling im Status des Auszubildenden während der gesamten Berufsausbildung – und in zwei darauf folgenden Jahren als Geselle im Ausbildungsbetrieb – keine Abschiebung droht.

 

Eine solche Regelung liegt nicht nur im Interesse der Ausbilder. Auch für die jungen Flüchtlinge stellt eine zunächst dreijährige Bleiberechtsgarantie eine wichtige Grundlage dafür dar, dass sie das Bildungsangebot, das ihnen in Bayern gemacht wird, annehmen können – welches langfristige Ziel auch immer diese damit in Deutschland oder in ihrer bisherigen Heimat verbinden. Stabilität, Verlässlichkeit und Vertrauen sind gerade für junge Menschen mit Fluchtgeschichte wichtige Anker, die ihnen helfen, ihren Alltag erfolgreich zu bewältigen.

 

Dem Forum Bildungspolitik in Bayern sind gute Rahmenbedingungen für Bildungsprozesse, die dem Menschen dienen, ein besonderes Anliegen. Es liegt uns am Herzen, jungen Flüchtlingen Chancen im Bildungssystem, zu dem die berufliche Bildung selbstverständlich gehört, zu eröffnen. Wir begrüßen ausdrücklich, dass erste Schritte in die richtige Richtung unternommen werden, indem die (Sprach-)Förderung an den Berufsschulen ausgebaut wird. Doch eine gute Förderung in der Schule ist nur halb so viel wert, wenn anschließend eine Berufsausbildung durch die Vergabepraxis bei Aufenthaltsgenehmigungen be- oder gar verhindert wird.

 

Deshalb bitten wir Sie im Interesse der jungen Menschen wie der Ausbildungsbetriebe sehr herzlich, es nicht bei regelhaft verlängerten Duldungen für junge Flüchtlinge in Berufsausbildung zu belassen. Bitte helfen Sie, Lösungen zu finden und zu verankern, die im Sinne eines Modells 3 + 2 den Aufenthalt der jungen Auszubildenden während der gesamten Berufsausbildung und in der anschließenden Anstellung verlässlich sicherstellt. Vielen Dank schon im Voraus für Ihre Bemühung.


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