28. Oktober 2016

Lehrplan für die Berufsschulen, Berufsfachschulen, Wirtschaftsschulen und Beruflichen Oberschulen

Lehrplan für die Berufsintegrations- und Sprachintensivklassen - Schreiben an das Kultusministerium am 28.10.2016

 

Der BLLV dankt für die Übermittlung des Entwurfs für den Lehrplan für die Berufsintegrations- und Sprachintensivklassen und äußert sich im Rahmen der Verbandsanhörung wie folgt:

 

Wie schon bei den Stellungnahmen zum Grundschullehrplan PLUS, zum Lehrplan PLUS für das Gymnasium sowie auch zum Lehrplan PLUS der Realschule wird der BLLV keine Detailanalyse der einzelnen Fächerprofile vornehmen. Die Fachkommissionen haben mit viel Expertise diese Fachinhalte ausgearbeitet. Der BLLV achtet diese Expert/innen in ihrer Kompetenz und mischt sich nicht in die Detailinhalte der einzelnen Fächer ein.

Wir beziehen unsere nachfolgenden Ausführungen somit auf die grundlegende Ausrichtung des Lehrplanentwurfs für Berufsintegrations- und Sprachintensivklassen und seine Umsetzbarkeit.

 

Grundlegende Ausrichtung

Für den BLLV stellt der handlungsorientierte und somit auf Erlangen breit angelegter Kompetenzen ausgelegte Unterricht das vorrangige Ziel gelungenen Sprachunterrichts dar. Hierbei sollten die Jugendlichen, die im Alter von 15 bis 20 Jahren zu uns kommen, im Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens stehen. Es sollte ihnen Raum gegeben werden, in dem sie sich orientieren können und die notwendigen Kompetenzen für eine gelungene Teilhabe an der Gesellschaft entwickeln können. Diesen Raum ermöglicht nach Auffassung des BLLV der Spracherwerb mit all seinen Facetten. Hier findet die Auseinandersetzung mit und die Anpassung an neue Gegebenheiten statt. Hier können die Voraussetzungen einer stabilen Persönlichkeitsbildung geschaffen werden.


Die Ausrichtung des Lehrplans auf Ganzheitlichkeit („es werden sowohl sprachliche und fachliche Kompetenzen als auch überfachliche Kompetenzen (…) gefördert.“) wird vom BLLV begrüßt.

 

Der Verzicht des neuen Lehrplans auf „methodische Festlegungen“ erlaubt es, auf die Individualität der Schülerinnen und Schüler einzugehen. Konzepte, „die das eigenverantwortliche Arbeiten“ und „das selbstregulierte Lernen“ einfordern, sollen besonders berücksichtigt werden. Der BLLV begrüßt auf dieser Basis entstehende „realitätsnahe und lebensrelevante Lernarrangements“ grundsätzlich. Ihre Realisierung dürfte allerdings angesichts der multikulturellen Schülerschaft sehr schwierig werden.

 

Differenzierung

Die explizit zu berücksichtigenden Differenzierungsmaßnahmen, die allen kompetenzorientierten Lehrplänen zugrunde liegen, sind natürlich gerade in der heterogenen Zusammensetzung einer Spracheingangsklasse unabdingbar, stellen jedoch eine große Herausforderung dar. Der Vielfalt der unterschiedlichen Voraussetzungen – wie schulischem Vorwissen, erlebter Vergangenheit und verschiedensten kulturellen Hintergründen – zu begegnen, bedeutet mehr als die Einlassung auf unterschiedliche Kompetenzniveaus.

Die Errichtung eines Netzwerks zum Austausch unterschiedlichster Erfahrungen wäre hier sehr nützlich.

 

Fazit:

Insgesamt begrüßt der BLLV die Freiräume und individuellen Vorgehensweisen, die der neue Lehrplan für Berufsintegrations- und Sprachintensivklassen vorsieht. Der ergänzende Bereich der Alphabetisierung stellt sich dem BLLV jedoch als große Hürde dar. Das breite Spektrum an zu vermittelnden Unterrichtsinhalten ist bei allem Differenzierungswillen nicht vereinbar mit der Aufgabe, Schüler/innen – auch im Rahmen einer Sprachintensivierungsklasse – zu alphabetisieren.


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