13. April 2011

Klassen- und Gruppenbildung im Schuljahr 2011/2012

Eingabe an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus am 13.4.2011

Zur Klassen- und Gruppenbildung im Schuljahr 2011/2012 richte ich namens des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) folgende Forderungen rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres an Sie:

Gute Schulen brauchen viel Freiheit in den Wegen und eine Verpflichtung in den Zielen. Die Einzelschulen geben der Schulgemeinschaft kontinuierlich Rechenschaft über ihr Handeln.

Sie erhalten auch über externe Verfahren Rückmeldungen für ihre Qualitätssicherung und -steigerung.

Anzustreben sind eine sehr gute Schulqualität und eine möglichst hohe Bildungsgerechtigkeit für alle Schüler/innen. Wir nehmen dabei ausdrücklich Bezug auf die Pressekonferenz des Kultusministers am 18.3.2011, in der Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle ankündigte, die Eigenverantwortung der Schulen in den beiden kommenden Jahren erheblich stärken zu wollen.

Auch die Lehrerstundenzuweisung muss diesem Steuerungsprinzip entsprechen. Nach übereinstimmender Ansicht der internationalen Schulqualitätsforschung müssen Stunden pauschal zugewiesen werden. Alle Entscheidungen, die die Klassen- und Gruppenbildung der Einzelschule betreffen, müssen auf die Einzelschule übertragen werden.

Der BLLV fordert daher zum Schuljahr 2011/2012, die Klassen- und Gruppenbildung für alle Schularten auf der Grundlage der Lehrerstundenzuweisung in die Zuständigkeit der jeweiligen Schule zu geben. Dabei fordert der BLLV, die folgenden Grundsätze für eine gerechte und pädagogisch sinnvolle Zuweisung der Lehrerstunden zu berücksichtigen:

Grundlage der Lehrerstundenzuweisung ist die Schülerzahl. Dabei soll jedoch kein einheitlicher Wert zugrunde gelegt werden. Die je Schülerin und Schüler zugewiesene Lehrerstundenzahl richtet sich nach folgenden Parametern:

  • der Größe der Schule
  • dem Sozialindex der Elternhäuser
  • dem Profil der Einzelschule
  • der Zahl der dort angebotenen Bildungsgänge und Abschlüsse.

Besondere Zusatzangebote im Schulprofil ziehen ebenfalls eine erhöhte Lehrerstundenzuweisung nach sich. Dazu zählen:

  • Ganztagseinrichtungen
  • Kombiklassen
  • Maßnahmen zur Intensivierung einer Förderkultur und verstärkten Individualisierung
    des Unterrichts.

Daneben gelten für folgende Schülergruppen erhöhte Lehrerstundenwerte:

  • Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf (Umsetzung der Inklusion – UN-Behindertenrechtskonvention)
  • Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache

Im Zuge der Umsetzung der UN-Konvention zur Inklusion benötigen alle allgemein bildenden und beruflichen Schulen, die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichten, eine ausreichende Lehrerstundenzuweisung. Konkret fordert der BLLV für die allgemeinen Schulen:

  • Lerngruppengrößen von maximal 20 Schülerinnen und Schülern in der Klasse und davon nicht mehr als vier Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
  • Sozial-Index zur Lehrerstundenzuweisung für allgemeine Lehrkräfte einführen. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen 4-fach zählen.
  • Den allgemeinen Schulen mit dem Schulprofil „Inklusion“ sollen pro Klasse grundsätzlich zwei Lehrerstunden eines Sonderpädagogen zur Verfügung
    stehen. In den „2-Lehrer-Klassen“ der Schulen mit dem Schulprofil „Inklusion“, die von einer Lehrkraft der allgemeinen Schule und einer Lehrkraft für Sonderpädagogik gemeinsam geführt werden, sollen mindestens 10 Unterrichtsstunden gemeinsam unterrichtet werden können.

Der BLLV fordert das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus auf, einen differenzierten Zuweisungsschlüssel festzulegen, der die oben genannten Prinzipien berücksichtigt. Dieser soll unter Einbeziehung eines Fachbeirats entwickelt und regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Neben der oben genannten Lehrerstundenzuweisung an die Einzelschule müssen ausreichend weitere Stunden zur Verfügung gestellt werden:

  • Für neu entstehenden Bedarf während des Schuljahres sind Neueinstellungen vorzunehmen.
  • Die gegenwärtige Lehrerreserve ist trotz der Verbesserungen immer noch nicht ausreichend. Sie kann nur teilweise die unvermeidlich entfallenden Lehrerstunden ausgleichen. Dies gilt insbesondere für Gymnasien und Realschulen. Die Schüler und Schülerinnen müssen deshalb wieder durch unpädagogische Formen wie Mitführungen versorgt werden oder es muss Unterricht ausfallen. Deshalb ist die Mobile Lehrerreserve im Sinne einer zufriedenstellenden Lehrerversorgung zu erhöhen. Es ist sicherzustellen, dass Lehrer/innen aus der Mobilen Reserve nicht zur Klassenbildung verwendet oder für das ganze Schuljahr auf einer festen Stelle eingesetzt werden. Sie müssen zur Deckung des kurzfristigen Aushilfsbedarfs bereitgehalten werden.
  • Ein besonderer Topf an Lehrerstunden soll von der Schulverwaltung für Härte- und Sonderfälle flexibel verteilt werden können
  • Im Sinne einer "Deregulierung", d. h. Verlagerung der Entscheidungskompetenz auf die Schule sowie aufgrund der neuen Belastungen sind die Schulleitungen durch deutlich mehr Anrechnungsstunden zu entlasten. Insbesondere müssen Schulleiter/innen aller Schularten von der Klassenführung freigestellt werden. Der BLLV erkennt ausdrücklich die unternommenen Anstrengungen auf diesem Gebiet an, verweist jedoch darauf, dass die bereitgestellten Mittel nur einen Anfang für einen dringend notwendigen Ausgleich der Mehrbelastung der Schulleitungen bedeuten.
  • Stunden der Förderlehrer/innen dürfen nicht weiter der allgemeinen Lehrerstundenzuweisung angerechnet werden.
  • Große Bedeutung hat für den BLLV die Einrichtung eines Stundenpools an Grund- und Förderschulen sowie der Ausbau des Stundenpools an Hauptschulen.
  • Es ist darauf zu achten, dass alle Schulen eine gute Unterrichtsversorgung erhalten. Jede Einzelschule muss über den Pflichtstundenbereich hinaus Stunden für Arbeitsgemeinschaften, Wahlangebote und Zusatzfördermaßnahmen bekommen. Auch für die wachsenden Aufgaben für die Schulleitungen muss gewährleistet sein, dass allen Schulleitungen genügend Zeit für pädagogisches Führungshandeln und für Verwaltung zur Verfügung steht.
  • Insgesamt muss ein verändertes System der Lehrerstundenzuweisung mit einer Verbesserung der Personalsaustattung einhergehen. Keinesfalls darf dadurch lediglich die Verantwortung für Verschlechterungen und Kürzungen auf die Einzelschule verlagert werden.
  • Die gestiegenen Anforderungen an Schule müssen sich in den entsprechenden Haushaltsmitteln niederschlagen.

Für Rückfragen und ergänzende Gespräche steht der BLLV gerne zur Verfügung.


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