17. März 2009

Künstlerisch-praktisches Arbeiten von Schülerinnen und Schülern als Basis der kulturellen Bildung

Petition des Forum Bildungspolitik in Bayern

Forderungen an den Bayerischen Landtag
 

Ausbau statt Abbau

In großer sorge fordern die Mitglieder des Forum Bildungspolitik in Bayern

  1. Die positiven Wirkungen des künstlerisch-praktischen Arbeitens in den Schulen (siehe Anlage 1) sind umfassend und nachhaltig bei der Gesetzgebung zu berücksichtigen.
  2. Die Forderungen der Grundlegenden Gesetze (siehe Anlage 2) müssen bei der Lehrerausbildung und -fortbildung in den entsprechenden Didaktiken berücksichtigt werden, sodass die dort (verfassungsrechtlich) festgelegten „Bildungs- und Erziehungsaufträge“ und "obersten Bildungsziele" realisiert werden können.
  3. Die Lehrer-Ausbildung und -Fortbildung ist so zu ergänzen, dass künstlerisch-praktisches Arbeiten auch (als Unterrichtsprinzip) in allen Fächern vollzogen werden kann (siehe
    Anlage 3)
    .
  4. In die allgemeinen Hinweise der Curricula ist aufzunehmen, dass das künstlerisch-praktische Arbeiten zu einem Unterrichtsprinzip erhoben wird.
  5. Ausreichende Mittel für Räumlichkeiten und Ausstattung müssen zur Verfügung gestellt
    werden (aber nicht nur zu Lasten der Aufwandsträger).
  6. Für die künstlerisch-praktischen Arbeiten ist den verschiedenen Schularten ein ausreichendes Zeitbudget zur Verfügung zu stellen. Dieses soll weiter ausgebaut und nicht abgebaut werden.

 Begründung:

1. Heutige Situation
Die in den letzten Jahren vollzogene Bildungspolitik steht im harten Gegensatz zu allen wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen über die positiven Auswirkungen des künstlerisch-praktischen Arbeitens in den Schulen und reduziert dessen positive Wirkungen.

Ab dem Schuljahr 2004/05 wurde der ohnehin zu geringe Anteil dieser Arbeiten in den Stundentafeln von Hauptschulen und Gymnasien weiter verringert (siehe Anlage 4).

2. Widerspruch zu gesellschaftlichen Gegebenheiten
Dieser geringe Anteil und die Kürzungen widersprechen nach der Auffassung des Forum Bildungspolitik in Bayern nicht nur den Anforderungen

  • aus dem allgemeinen gesellschaftlichen Umfeld,
  • aus der Wirtschaft (siehe Anlage 5) und
  • aus den grundlegenden Gesetzen,

sondern sie widersprechen auch dem in der Verfassung fixierten Bildungsauftrag (neben Wissensvermittlung auch Bildung von Geist, Herz und Charakter) und den dort genannten Bildungszielen (siehe Anlage 2). Diese sind ohne bewusstes und ausreichend praktiziertes künstlerisch-praktisches Arbeiten nicht zu erreichen.

Sie stehen vor allem den nachhaltigen Wirkungen dieses Unterrichts

  • auf die Persönlichkeitsentwicklung und
  • die umfassenden Bildung der Schülerinnen und Schüler entgegen.

3. Erwartungen der Wirtschaft
Die durch künstlerisch-praktisches Arbeiten erworbenen Fähigkeiten wie Teamfähigkeit, Konfliktlösungskompetenz, Durchhaltevermögen, Kreativität usw. sind in der Wirtschaft hoch angesehen und als Bildungsziel erwünscht (siehe Anlage 5). In einigen Betrieben werden aus diesem Grunde für die Mitarbeiter sogar künstlerische Kurse arrangiert.
 

4. Missachtung des ursprünglichen Sinns von Schule
Außerdem missachten die vorgenommenen Kürzungen den ursprünglichen Sinn von Schule. Diesen sieht das Forum Bildungspolitik in Bayern in der Hilfe zur Persönlich­keitsentwicklung und zur umfassenden Bildung jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers. Dies freilich im Hinblick auf ihr ganzes zukünftiges Leben, in dem sie unsere jetzige Gesellschaft weiter gestalten sollen. Und dies wiederum nicht nur in Bezug auf ihr Berufsleben, sondern auf alle Lebensbereiche.
 

5. Vorherrschende Wissensvermittlung mehr als fraglich
Die Bildungswirksamkeit von Schule, die vorherrschend Wissensvermittlung betreibt, erscheint dem Forum Bildungspolitik in Bayern mehr als fraglich. Hier sei an die von ihm vorlegte Petition „Für eine neue Lernkultur“ vom 11. August 2005 erinnert (siehe Anlage 6). Diese Petition gilt in besonderem Maße auch für die künstlerisch-praktischen Arbeiten in den Schulen.
 

6. Umfang/Inhalte des Künstlerisch-praktischen Arbeitens
Das Künstlerisch-praktische Arbeiten in der Schule sollte - je nach Schulart und Alterstufen differenziert - in angemessenen Zeiteinheiten und entsprechend ausgestatteten Räumen geleistet werden. Es sollte das Gestalten mit Farben, plastischem oder textilem Material, Schriften und Sprache umfassen und Gesang, Tanz, Theater, und Instrumentalmusik zum Gegenstand haben und auch zum Umgang mit Natur und Umwelt erziehen (siehe Anlage 9).

Das Forum Bildungspolitik in Bayern ist davon überzeugt, dass sich diese Arbeiten auch auf alle anderen schulischen Betätigungen auswirken.

7. Üben und lebenslanges Lernen
Da künstlerisch-praktisches Arbeiten ein wiederholtes Üben verlangt, kann es lebenslanges Lernen grundlegend vorbereiten. Es weckt auf natürliche Weise die Fähigkeit, sich selbst mit seinen eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Es bereitet auf spätere Selbstbildung vor. Es hilft über eine intellektuelle Schulung hinaus umfassend, späteren beruflichen Anforderungen als ganzer Mensch genügen zu können.
 

8. Wirkungen des künstlerisch-praktischen Arbeitens
Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen (z.B. Jaeger, Liebau, Spitzer) über die künstlerisch-praktischen Arbeiten in der Schule und außerdem die nicht zu unterschätzenden jahrelangen praktischen Erfahrungen in der alltäglichen Schularbeit, weisen darauf hin, dass diese Arbeiten

  • die Lernfreude, Lernfähigkeit und damit den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler nachhaltig steigern und damit die herkömmlichen schulischen Qualifikationen verbessern,
  • eine nachhaltigere Bildung der Schlüsselqualifikationen „Ich-Kompetenz“, „Sozial-Kompetenz“ und „Sach-Kompetenz“ hervorrufen
  • und damit einhergehend auch präventive Wirkungen haben gegen die immer häufiger auftretenden, das Lernen behindernden Gegebenheiten wie z. B. Konzentrationsschwäche, motorische Störungen, mangelnde Ausdauer, verringerte Sprach- Wahrnehmungs- und Kooperationsfähigkeit (siehe auch Anlage 7).

Aus diesen hier stichwortartig aufgezählten Wirkungen geht hervor:

  • Will man die Lernfähigkeit und den Lernerfolg verbessern,
  • muss man (unter anderem) die Möglichkeiten für das künstlerisch-praktische Arbeiten vermehren.

Künstlerisch-praktisches Arbeiten schafft Voraussetzungen für besseres Lernen. Das „Können“ ist als die Voraussetzung für das „Wissen“ erkannt (s. Anlage 8).

 

Anlagen

1. Vorurteile über die Wirkungen künstlerisch-praktischen Arbeitens in Schulen
Folgende häufig genannten Positionen verkennen die positiven Wirkungen des künstlerisch-praktischen Arbeitens in den Schulen für die Persönlichkeitsentwicklung und eine umfassende Bildung der Schüler:

  • Künstlerisch-praktisches Arbeiten sei nur für künstlerische oder handwerkliche Berufe von Bedeutung.
  • Es erziehe im Sinne von „ästhetischer“ Bildung zu einem feinsinnigen Menschen, der aber nicht allen Erfordernissen einer modernen Gesellschaft genügt.
  • Viel Wissen zu haben, sei in dieser Gesellschaft vorrangig wichtig.
  • Erziehung im Sinne von Förderung praktischen Könnens sei nicht die Aufgabe von Schule.
  • Qualitatives könne man quantitativ messen.

 
2. Auftrag der grundlegenden Gesetze an die Schulen und an die Lehrerausbildung
Die Bayerische Verfassung (Art. 131) und das Bayerische Unterrichts- und Erziehungs-Gesetz (Art. 1) bilden die Grundlage für den Stellenwert, der (u. a.) auch den künstlerisch-praktischen Arbeiten in den Schulen zukommt. Beide Gesetze fixieren zwingend den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen. Das sind im Einzelnen:

Der Bildungs- und Erziehungs-Auftrag umfasst:

  1. Wissen vermitteln,
  2. Können vermitteln,
  3. Geist bilden,
  4. Körper bilden,
  5. Herz bilden,
  6. Charakter bilden

Die obersten Bildungs-Ziele sind:

  1. Ehrfurcht vor Gott,
  2. Achtung vor religiöser Überzeugung,
  3. Achtung vor der Würde des Menschen,
  4. Selbstbeherrschung,
  5. Verantwortungsgefühl,
  6. Verantwortungsfreudigkeit,
  7. Hilfsbereitschaft,
  8. Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne,
  9. Verantwortungsbewusstsein für die Natur,
  10. Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt.

Durch das künstlerisch-praktische Arbeiten können diese gesetzlich festgelegten Aufträge und Ziele in starkem Umfang erfüllt bzw. erreicht werden.

3. Zur künstlerisch-praktischen Arbeit als Unterrichtsprinzip
Diese umfassende (utopisch anmutende) Forderung ist die letzte zwingende Konsequenz aus den (heute noch viel zu wenig beachteten und berücksichtigten) gewichtigen Wirkungen des künstlerisch-praktischen Arbeitens in den Schülerinnen und Schülern. Auf diese Wirkungen kann hier nur in Stichworten hingewiesen werden.

Das künstlerisch-praktische Arbeiten wird im Allgemeinen in ganz bestimmten Fächern (siehe auch Anlage 9) geleistet. Es sollte aber auch als Unterrichtsprinzip in allen anderen Fächern vollzogen werden. Das betrifft alles das, was Lehrer und Schüler miteinander tun: z.B.

  • die Sprechart,
  • ie Sprechinhalte,
  • die Tafelanschriften,
  • die Heftführung usw.
  • auch die Ausstattung des Klassenzimmers
  • sowie der ganzen Schule bis zum Schulhof und dem Schulgarten gehören zu diesem „Künstlerisch- Praktischen Prinzip“. - Dieses Prinzip kann in
  • Unterrichtsstunden herkömmlicher Art vollzogen werden. Es kann aber auch in
  • fächerübergreifendem Projektunterricht angewendet werden. 

Es können auch die älteren Schüler selber stärker einbezogen werden, wie es z.B. in der

  • Portfolio-Methode geschieht.

4. Stundenkürzungen

 

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5. Forderungen aus der Wirtschaft
Die Wirtschaft stellt einerseits oftmals Anforderungen an die Schulen, die zu eng auf sie selbst bezogen sind. Andererseits ist sie in ihren Erwartungen oft auch lebenspraktischer als die staatlichen Vorgaben an die Schulen.

Zum Beispiel: Die "Allgemeinen Beurteilungsrichtlinien" eines bundesweit arbeitenden Großunternehmens sehen vor, dass die Abteilungsleiter folgende Themen alljährlich mit den einzelnen Mitarbeitern besprechen, zusammen bewerten und das Ergebnis zusammen unterschreiben:

  1. Ausbildung und praktischen Erfahrung,
  2. Bereitschaft, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen,
  3. Die Fähigkeit, rasch das Wesentliche zu erfassen und die Ursachen, Folgen und Zusammenhänge zu durchschauen,
  4. Kreativität,
  5. Entscheidungs-Freude und -Sicherheit,
  6. Besonnenheit,
  7. Teamfähigkeit,
  8. Durchhaltevermögen,
  9. Fähigkeit, die Mitarbeiter zu fördern
  10. Führungsqualitäten

Die künstlerisch-praktischen Arbeiten in den Schulen bildet eine hervorragende Basis, um diese Fähigkeiten und Fertigkeiten auf ganz natürliche und harmonische Weise zu wecken und zu fördern.
 

6. Zur Petition „Für eine neue Lernkultur“
In der o. a. Petition vom 11.8.2005 hat das Forum Bildungspolitik in Bayern unter Punkt 3 Folgendes angegeben:

 

„Eine anspruchsvolle Lernkultur (siehe z.B. Sacher oder Klippert) berücksichtigt vier Leistungsdimensionen:

1. Persönliches bzw. affektives Lernen, z.B.

  • Selbstvertrauen
  • Selbstkonzept
  • dentifikation und Engagement auf der Grundlage von
    o       
    Wertschätzung
    o       
    Gelassenheit
    o       
    Selbstbeherrschung
    o       
    Unvoreingenommenheit

2. Sozial-kommunikatives Lernen, z.B.

  • Zuhören/Verstehen/Einfühlen
  • Argumentieren
  • Diskutieren/Formulieren
  • Kooperieren
  • Integrieren

3. Methodisch-strategisches Lernen, z.B.

  • Exzerpieren
  • Wiederholen/Üben/Besinnen
  • Nachschlagen
  • Organisieren
  • Planen
  • Präsentieren

4. Fachlich-inhaltliches Lernen, z.B.

  • Wahrnehmen
  • Denken
  • Wissen
  • Verstehen
  • Erkennen
  • Urteilen

 
7. Wirkungen des künstlerisch-praktischen Arbeitens
Beim künstlerisch-praktischen Arbeiten werden meist dessen Wirkungen zu wenig beachtet. Dies kann folgendermaßen erläutert werden: Künstlerisch-praktisches Arbeiten heißt:

Aus sich selbst heraus Neues schaffen:
„Aus sich selbst heraus"

Hier wird das Individuelle des Schülers, das Einmalige, Unverwechselbare, Unvergleichliche in ihm selbst angesprochen. Dieses wird ihm mit der künstlerisch-praktischen Tätigkeit durch Selbsterfahrung und auch durch die Resonanz der Mitschüler und der Lehrer nach und nach bewusst. Ein objektives Verhältnis zu sich selbst wird angebahnt.

 

"Schaffen"

Die schöpferischen Möglichkeiten, die Fantasie, also das Innovationspotential der Schülerinnen und Schüler sprechen sich hier aus und beschreiben ein Urphänomen, eine Urtätigkeit alles Menschlichen. Übend gestalten Schülerinnen und Schüler die Umwelt und „befähigen“ auch ihre physische Konstitution (Leiblichkeit), die in der modernen Gehirn­forschung als „nutzungsabhängige Plastizität“ erkannt worden ist.

 

„Neues“

Das mit dem künstlerisch-praktischen Arbeiten geschaffene Werk ist ein von Schülerin oder Schüler aus seinem Ich heraus gesetztes Unikat, das vorher noch nie da war. Selbstbewuss­tsein kann entstehen und zwar aus dem Erleben der zum Ausdruck gebrachten eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Lernen geschieht in diesem Falle durch die aus dem Innersten impulsierte eigene praktische, gestaltende Tätigkeit. Es geschieht also in genau umgekehrter Reihenfolge wie bei der üblichen Wissensvermittlung. Lernen vollzieht sich hier nämlich zuerst aus dem Willens-Impuls, dann aus dem Erleben des Gestaltungs-Prozesses und schließlich aus dem reflektorischen Denken.

Dieses „Lernen durch Tun“ zielt auf mehr handlungsorientierten Unterricht, Projekt-Themen oder Lernfeld-Konzepte (wie bei den beruflichen Schulen), auf Ausstellungen und Repräsentationen.

Nach Auffassung des Forum Bildungspolitik in Bayern kann das alles im schulischen Alltag aber nur erreicht werden, wenn die entsprechenden Raum-, Zeit- und Ausstattungsbedingungen gegeben sind. Dazu müssen den Schülerinnen und Schülern geeignete pädagogische Aufgaben gestellt werden.
 

Wirkungen des Musikunterrichts:
Am gründlichsten sind die Wirkungen des Musikunterrichts auf die Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler untersucht worden. Davon seien die wichtigsten Ergebnisse genannt: 

  1. Die soziale Kompetenz der Kinder wird deutlich verbessert,
  2. die Lern- und Leistungsmotivation wird deutlich gesteigert,
  3. die Kinder verbessern ihren Intelligenzquotienten,
  4. Konzentrationsschwächen werden abgebaut,
  5. die Kreativität der Kinder wird gefördert,
  6. die emotionale Befindlichkeit der Kinder wird verbreitert und vertieft,
  7. Angsterlebnisse werden reduziert und
  8. die schulischen Leistungen werden insgesamt überdurchschnittlich angehoben, obwohl die Kinder zeitlich mehr belastet sind.

Vor allem in Zusammenhang mit Schülerinnen und Schülern aus dem Migrantenumfeld ist die Musik von großem Gewicht. Denn sie ist in allen Kulturen eine hoch angesehene und kommunikative Aktivität. Deshalb kann sie Menschen verschiedenster Nationen und Kulturen zusammenbringen und ganz ohne Sprache eine dichte und tiefe Kommunikation ermöglichen.

Das Forum Bildungspolitik in Bayern geht davon aus, dass alle anderen künstlerisch-praktische Arbeiten die beim Musikunterricht nachgewiesenen und zusätzlich noch andere Einzelfähigkeiten und -Fertigkeiten bei den Schülerinnen und Schülern entwickeln.
 

8. Aus entwicklungspsychologischer Sicht
Der Primat des Könnens vor dem Wissen zeigt sich ebenfalls bei der sich über Jahre hinziehenden Entwicklung des Kindes: Das zuerst Gelernte ist das Können: atmen, saugen können, die Sinne gebrauchen können, aufrichten, stehen und gehen können, sprechen, denken können. Dieses alles lernt das Kind nicht über das Wissen, sondern über das Nachahmen, also über das Können. Und diese Art des Lernens zieht sich noch lange hin.

Besonders deutlich ist das in der ersten Schulzeit, in der ja neue gute Gewohnheiten (= Können) angelegt werden sollten und in denen die Kinder durch das ständig wiederholendliche Üben das „Schreiben-Können“ und das „Lesen-Können“ und das „Rechnen-Können“ erlernen.

Natürlich gibt es – vor allen Dingen später in der Schulzeit – die Wissens-Fächer, bei denen der Wissenserwerb eine größere Rolle spielt, wie z.B. Geographie, Geschichte usw. Aber daneben stehen die Könnens-Fächer, wie Handarbeit, Handwerk, Sport, Malen, Zeichnen, Musik. Auch den Fremdsprachen-Unterricht darf dazu gerechnet werden (wenn er nicht zum Vokabeln-Pauk-Unterricht wird) und schließlich die Mathematik.
 

9. Mögliche Fächer und Medien für künstlerisch-praktisches Arbeiten
Klasse 1 – 4
in Wochenstunden zu erteilen

Musik, Orchester, textiles Gestalten, Formen-Zeichnen, Malen, Gestalten mit Ton, Sport.

Klasse 5 – 12
in Wochenstunden zu erteilen

Musik, Orchester, Malen, Zeichnen, Holz-Werken, Gartenbau, Kunstgeschichte (insofern die Schüler in diesem Fach auch selbst tätig werden), Sport.

Klasse 9 – 12
in Epochen, auf die Jahrgangsstufen verteilt zu erteilen

Metalltreiben*, Schmieden*, Zeichnen, Malen (auch Portraitieren), Spinnen*, Schneidern*, Schreinern*, Modellieren mit Ton, Steinmetzen, Buchbinden, Sport.

(Die mit * markierten Fächer sind Ur-Handwerke, deren Pädagogischer Wert als sehr hoch angesehen werden darf)

Medien:
Als Medien für das künstlerisch-praktische Arbeiten der Schülerinnen und Schüler in den Schulen können in Frage kommen: 

Der Mensch selbst
Sprache, Gesang, Theaterspielen, Sport.

Materialien
Farben (fest und flüssig), Textilien, Holz, Ton, Metalle, Stein, (Garten-)Erde, Licht (beim Theaterspielen).

Geräte
Musik-Instrumente, Technische Geräte (z.B. Computer) 

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Die Petition wurde am 25.6.09 im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags beraten. Es wurde beschlossen, sie der Staatsregierung als Material zu überweisen (§ 80,3 der GeschO)


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