15. Juli 2005

Zukunft der Hauptschülerinnen und Hauptschüler

Namens der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK), der Handwerkskammer für München und Oberbayer (HWK) sowie des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) wenden wir uns in großer Sorge um die Zukunft der Hauptschule und ihrer Absolventinnen und Absolventen an Sie. Es liegt uns fern, die Hauptschule "schlecht zu reden". Allerdings haben sich an dieser Schulart eine Reihe von Problemen kumuliert, die dringend politische Reaktionen erfordern.

Einige Beispiele in Stichworten:

  • Die Schülerzahlen an den Hauptschulen brechen aufgrund der demografischen Entwicklung sowie durch den Sog an Realschulen und Gymnasien ein.
  • Die Hauptschule leidet unter einer nachhaltigen Imagekrise und wird von Eltern bzw. Schülern nicht aktiv als Wunschschule gewählt.
  • Zunehmend haben Hauptschulabsolventinnen und -absolventen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt weniger Chancen, da bisherige Berufsfelder zunehmend höhere Qualifikationen voraussetzen.
  • Jeder 10. Hauptschüler verlässt die Hauptschule ohne Schulabschluss. Der Anteil der ausländischen Kinder ist überproportional hoch.
  • Die Disziplinprobleme an einigen Hauptschulen eskalieren.
  • Die Hauptschule leidet unter einer hohen Schülerfluktuation.
  • Der Nachwuchs an Hauptschullehrern ist aufgrund der äußerst belastenden Arbeitssituation nicht mehr gesichert.

Diese Situation kann nicht länger ignoriert werden. Auch die Schließung der Teilhauptschulen im Rahmen einer so genannten Reorganisation der Hauptschulstruktur wird nicht zu einer Lösung führen. Die Zukunft der Hauptschule und ihrer Schülerinnen und Schüler ist ein gesamtgesellschaftliches, ökonomisches und politisches Problem. Was wir brauchen ist eine ehrliche Analyse und nachhaltige Lösungsansätze. Nur so kann eine Eskalation der Probleme dauerhaft verhindert werden.

Wir bitten Sie zu einem gemeinsamen Gespräch über die Zukunft der Schulart Hauptschule. Im Mittelpunkt müssen dabei aus unserer Sicht mögliche Lösungen stehen. Exemplarisch möchten wir bereits jetzt an dieser Stelle folgende Aspekte nennen:

  • Freiwerdende Lehrerplanstellen aus der Schließung von Teilhauptschulen bzw. aufgrund des demografischen Rückgangs müssen für (individuelle) Förderangebote an der Hauptschule eingesetzt werden und dürfen nicht gestrichen werden.
  • Ein wohnortnahes Netz muss soweit als möglich erhalten bleiben.
  • Über Kooperationsformen der Hauptschule mit anderen Schularten muss nachgedacht werden.
  • Erfahrungen aus den Praxis-Klassen sollten auf ihre Übertragbarkeit für die übrigen Hauptschülerinnen und -schüler geprüft werden.
  • Die Kooperation zwischen Hauptschule einerseits und Berufsschule bzw. Ausbildungsbetrieben andererseits muss ausgebaut werden.

Sehr geehrter Herr Staatsminister, die Zukunft der Hauptschülerinnen und -schüler ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite der Medaille ist die Klage von Ausbildungsbetrieben und Wirtschaft über nicht mehr ausreichende Qualifikationen von Hauptschulabsolventen. Die Fürsorgepflicht für einen nicht unerheblichen Teil unserer Jugend geht somit Hand in Hand mit einer verantwortungsvollen Wirtschaftspolitik.

Wir würden uns freuen, von Ihnen Vorschläge für einen baldigen Gesprächstermin zu erhalten. Die Zeit drängt!

aus einem Schreiben von Dr. Reinhard Dörfler, IHK Hauptgeschäftsführer, Bernd Lenze, HWK Hauptgeschäftsführer, sowie Dr. h. c. Albin Dannhäuser, BLLV-Präsident, an den Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus, Siegfried Schneider vom 15.07.2005


Suche

Im Blickpunkt

Reformkonzept

Kinderhaus Casadeni