24. November 2007

Kein Lehrer ohne Master! Fundament für eine höhere berufliche Qualifikation

Beschluss des BLLV-Landesausschusses vom 24. November 2007

Der Expertenstatus der Lehrerinnen und Lehrer muss als ernsthaftes Studienziel gelten. Professionelle Lehrer brauchen eine professionelle Ausbildung – in allen Schularten. Zudem steigen die Anforderungen an den Lehrer des 21. Jahrhunderts ständig. Die daraus resultierenden umfassenden fachlichen, methodisch-didaktischen und persönlichen Kompetenzen können nur bei entsprechend langen Studienzeiten und daraufhin angepassten Studienbedingungen errungen werden.

  • Ein verändertes Bildungsverständnis macht neue Formen schulischen Lernens notwendig. Deshalb sind Kriterien der Anwendbarkeit, der Übertragung und der Verknüpfung des Gelernten mit der Praxis wichtiger denn je.
  • Der Erwerb von wissenschaftlichem Wissen wird verbunden mit der Einübung und Reflexion von Formen praktischen Könnens. Der Lehrer der Zukunft muss mit einem veränderten Lernbegriff und neuen Formen der Leistungsfeststellung und -erhebung umgehen können. Verständnisintensives Lernen, metakognitives Wissen und die Reflexion der eigenen Lehr- und Lernprozesse sind Bausteine, die nicht nur theoretisch, sondern anwendungsbezogen reflektiert werden müssen.
  • Alle internationalen Studien haben belegt, dass erfolgreiche Schulen „Schulen in erweiterter Verantwortung“ sind. Die sich daraus ergebende Eigenverantwortung setzt auf Lehrer, die produktiv und konstruktiv mit neuen Gestaltungsspielräumen umgehen können.

Neben den sich daraus ergebenden grundlegenden Kompetenzen sind für den Lehrer des 21. Jahrhunderts u a. auch folgende Kompetenzen von Bedeutung, die sich aus den vier Kompetenzbereichen (Unterrichten, Erziehen, Beurteilen und Innovieren) der Standards für die Lehrerbildung der Kultusministerkonferenz vom 16.12.2004 ableiten lassen:

Im Kompetenzbereich „Unterrichten“:

  • Fundierte fachliche Kompetenzen
  • Hohe pädagogische und didaktische Fähigkeiten
  • Bildungs- und erziehungswissenschaftliche Kompetenzen
  • Vielfältige methodische Kompetenzen, die anforderungs- und situationsgerecht eingesetzt werden können
  • Medienpädagogische und -psychologische Kompetenzen
  • Integrativer und reflektierender Einsatz von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien
  • Kompetenz in der Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen unter Berücksichtigung der Erkenntnisse über den Erwerb von Wissen und Fähigkeiten
  • Gestaltung von selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und kooperativen Lernprozessen

Im Kompetenzbereich „Erziehen“:

  • Kooperationsfähigkeit mit internem und externem schulischen Personal
  • Pädagogische, soziologische und psychologische Theorien der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen kompetent integrieren
  • Wertbewusste Haltungen und selbstbestimmtes Urteilen von Schüler/innen fördern können
  • Mit interkulturellen und geschlechtsspezifischen Einflüssen auf Bildungs- und Erziehungsprozesse kompetent umgehen können
  • Kompetenzen im Bereich der Kommunikation und Interaktion
  • Präventions- und Interaktionsmöglichkeiten bei Krisen, Konflikten und Risiken der Schüler/innen kompetent anwenden können
  • Analysekompetenzen: Konflikte im sozialen und persönlichen Bereich der Schüler sensibel und professionell wahrnehmen können

Im Kompetenzbereich „Beurteilen“:

  • Diagnosekompetenz: Analyse der Lernvoraussetzungen und Lernprozesse der Schüler (z.B. Entwicklungsrückstände, Lernpotentiale, Hochbegabungen, Lernhindernisse)
  • Förderkompetenz: gezielter Einsatz von Fördermöglichkeiten
  • Beratungskompetenz: Einsatz von situationsgerechten Beratungsformen
  • Kooperationsfähigkeit: Kompetenz zur Kooperation mit Kollegen und einschlägigen Institutionen
  • Vielfältige Kompetenzen bei der Leistungserhebung und -feststellung

Im Kompetenzbereich „Innovieren“:

  • Kompetenz zum reflektierten beruflichen Handeln: Einsatz von Methoden der Selbst- und Fremdreflexion
  • Professioneller Umgang mit Belastungssituationen
  • Führungskompetenz: Fähigkeiten in der Leitung von Arbeitsgruppen, Planung und Durchführung von Konferenzen und Fortbildungen
  • Planungskompetenz: Nutzung von Verfahren der Evaluation, Unterrichts- und Bildungsforschung für das Planen von Vorhaben

Zu einem erfolgreichen Erwerb dieser Lehrerkompetenzen sind in der Lehre zahlreiche Wissenschaften, z.B. die Pädagogik, die Pädagogische Psychologie, die Bildungssoziologie, die Fachdidaktiken und die Fachdisziplinen miteinander zu verknüpfen.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) sieht die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Bayern gefährdet und warnt davor, dass Bayerns Lehrerbildung auf nationaler und internationaler Ebene den Anschluss verliert und fordert deshalb:

  • den Master (300 Credits) als Abschluss des Studiums an der Universität (10 Semester) für alle Lehrämter,
  • die Staatsexamina für alle Lehrämter,
  • zwei Jahre Vorbereitungsdienst für alle Lehrämter.

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