26. April 2006

S.O.S. Hauptschule

Schreiben an alle bayerischen Bürgermeister

Bayern ist nicht Berlin. München ist nicht Paris. Dennoch: Die Krawalle und Demonstrationen in Frankreich und der verzweifelte Hilferuf der Lehrer der Rütli-Hauptschule in Berlin müssen alle bildungspolitisch Verantwortlichen sehr ernst nehmen. In der Hauptschulfrage gibt es kein Erkenntnisdefizit, es gibt ein Handlungsdefizit.

Wir müssen uns heute drei herbe Wahrheiten eingestehen:

  1. Die soziale Integration von Kindern aus sozial schwachem Milieu und aus Migrantenfamilien ist in vielen Fällen gescheitert.
  2. Die ablehnende Haltung vieler Eltern gegenüber der Hauptschule verschärft sich.
  3. Hauptschulen in sozialen Brennpunkten brauchen schnellstmöglich ein pädagogisches und bildungspolitisches Notprogramm.

Am 18. Oktober 2004 hatte ich mich an die Abgeordneten des Bayerischen Landtags gewandt mit der Bitte, Lösungen für die sich zuspitzende Situation an vielen Hauptschulen zu finden. Im Juni 2005 haben wir als BLLV die Aktion S.O.S. Hauptschule gestartet, weil sich die Lage der Hauptschulabgänger auf dem Ausbildungsmarkt drastisch verschlechtert. Heute wenden wir uns an Sie als Kommunalpolitiker, da die Probleme der Hauptschule nach den Großstädten und Mittelstädten nun auch die Kleinstädte und ländlichen Regionen erreichen.

Der BLLV steht für die Hauptschule und vor allem für ihre Schüler und Lehrer. Wir dürfen Hauptschüler und ihre Lehrer nicht alleine lassen! Wir müssen sie wirksam unterstützen. Andernfalls ist unsere Gesellschaft auf dem direkten Weg, sozialen Sprengstoff zu schaffen, der uns alle in Politik, Wirtschaft und gesellschaftlichen Institutionen massiv belasten wird. Deshalb mischen wir uns als BLLV ein.

Wir fordern:

  • Ein finanzielles Sofortprogramm für Hauptschulen in sozialen Problemvierteln.
  • Ein Notprogramm für alle Hauptschulen mit den Schwerpunkten des BLLV-Konzepts S.O.S. Hauptschule.
  • Einen Schulterschluss der Politik, der Wirtschaft, der Kommunen und anderer gesellschaftlicher Institutionen.

Ziel muss es sein, ein Konzept zur Lösung der strukturellen Verwerfungen unseres Bildungssystems zu entwickeln und sicherzustellen, dass unsere Schulen den sich verschärfenden sozialen und regionalen Unterschieden gerecht werden können.

In der beigelegten Broschüre Hauptschule heute: Die Stimmung - Die Fakten können Sie die großen regionalen Unterschiede von Hauptschulen in Bayern, dem Flyer S.O.S. HAUPTSCHULE können Sie die Forderungen des BLLV entnehmen.

Der BLLV ist in großer Sorge. Wenn Sie diese Sorge teilen und sich an einer konstruktiven Lösung für unsere Schüler, unsere Lehrer und unsere Gemeinden beteiligen wollen, unterstützen Sie den BLLV. Wir brauchen eine ideologiefreie, sachliche und ehrliche Diskussion - keine Schuldzuweisungen. Die Zeit des Gesprächs und des gemeinsamen Handelns ist gekommen. Wir brauchen vor allem Sie, die Bürgermeister und Kommunalpolitiker. Wenn Sie unsere Initiative unterstützen, senden Sie uns bitte beiliegende Erklärung zurück. Danke.

aus einem Schreiben des BLLV-Präsidenten Dr. h.c. Albin Dannhäuser an alle Bayerischen Bürgermeister vom 26.04.2006


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