1. Dezember 2001

Beibehaltung des Schulfunk-/Schulfernsehmitschnitts

Das Bayerische Kultusministerium plant, künftig keine Mitschnitte von Schulfunk- und Schulfernsehendungen mehr anfertigen zu lassen. Bislang wurde dies durch die Abteilung Medien des Staatsinstituts für Schulpädagogik und Bildungsforschung (ISB) erledigt. Die Arbeit soll zum 31.12.2001 eingestellt werden.

Der Landesausschuss des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), das höchste Beschlussgremium des Verbands zwischen den Landesdelegiertenversammlungen, fordert mit Nachdruck, von diesen Plänen Abstand zu nehmen.

Die Sendungen werden nach den spezifischen Vorgaben des bayerischen Lehrplans produziert und können von Schulen und Lehrern zum Ausstrahlungstermin für den Einsatz im Unterricht mitgeschnitten werden. Wegen der unten unter 1 bis 4 aufgezeigten Probleme wurde Schulen die Möglichkeit eröffnet, Mitschnitte von Sendungen, die sie selbst nicht anfertigen konnten, als Nothilfe bei der früheren Staatlichen Landesbildstelle Südbayern und jetzigen Abteilung Medien des ISB zu bestellen. Die Bestellung muss schriftlich erfolgen und wird durch ein in die Zeitschrift "Schulfunk/Schulfernsehen" eingeheftetes Formular erleichtert, das auch im Internet abrufbar ist. Die Auslieferung erfolgt gegen Kostenerstattung auf dem Postweg. Die Kassette verbleibt an der Schule. Die urheberrechtlich bestimmte Löschpflicht ist einzuhalten.

Mitschnitte von Rundfunk- und Fernsehsendungen, die nicht ausdrücklich als Schulfunk-/Schulfernsehsendungen gekennzeichnet sind, dürfen im Unterricht aus urheberrechtlichen Gründen überhaupt nicht eingesetzt werden.

Aus diesem und aus den folgenden Gründen ist der Mitschnitt von Schulfunk/Schulfernsehsendungen eine für alle bayerischen Schulen unverzichtbare und unersetzbare Dienstleistung:

  1. Die eigene Aufzeichnung von Sendungen des Schulfunks in den Schulen ist aus technischen Gründen nahezu unmöglich. So gibt es keine Radiorecorder mit programmierbaren Timern zu vertretbaren Preisen.
  2. Die wenigsten Schulen sind technisch in der Lage, die vom Bayerischen Rundfunk angebotene Downloadmöglichkeit von Audio-Files im Klassenzimmer zu nutzen. Zudem ist nur ein Teil der Sendungen auf diesem Wege über das Internet abrufbar.
  3. Die vorhandenen Aufzeichnungsmöglichkeiten an den Schulen sind in der Praxis äußerst störanfällig. Im Bedarfsfall muss der Rückgriff auf zentral erstellte Mitschnitte deshalb möglich bleiben.
  4. Der Mitschnitt von Schulfunk-/Schulfernsehsendungen kann aus urheberrechtlichen Gründen nur an einer kommunalen oder staatlichen Einrichtung durchgeführt werden. Die kommunalen Medienzentren sind aber weder technisch noch personell noch rechtlich in der Lage, die Arbeit des ISB zu ersetzen.
  5. Angesichts von jährlich über 24 000 Mitschnitten nur für bayerische Schulen ist die Notwendigkeit dieser Dienstleistung offensichtlich.
  6. Es ist zu befürchten, dass der Bayerische Rundfunk nach einer Einstellung des Mitschnitts seine Schulfunk-/Schulfernsehproduktion erheblich einschränkt oder sogar gänzlich einstellt. Dies wäre angesichts der Tatsache, dass ohnehin nur noch drei öffentlich-rechtliche Sender (BR, SWR und WDR) in Deutschland spezifische Schulprogramme produzieren und ausstrahlen, ein unersetzlicher Verlust für den modernen, medienorientierten Unterricht.

Daher fordert der BLLV das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus dringend auf, die geplante Einstellung nicht umzusetzen. Der Mitschnitt von Schulfunk-/Schulfernsehsendungen durch die Abteilung Medien des ISB muss mindestens so lange gewährleistet sein, bis eine adäquate und dauerhafte Ersatzlösung gefunden ist.

Einstimmig beschlossen vom BLLV-Landesausschuss am 01.12.2001


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