21. März 2007

Arbeitsbelastung in der gymnasialen Oberstufe

Eingabe vom 21.03.2007

Problem

Die Rückkehr zum Klassenverband in der Oberstufe und die Verpflichtung, in Deutsch und Mathematik eine schriftliche bzw. in einer Fremdsprache eine schriftliche oder mündliche Abiturprüfung abzulegen, führt bei den Lehrkräften in der Oberstufe zu einer deutlichen Zunahme der Korrekturzeit.

Allein die mit der Wiedereinführung des Klassenverbandes einhergehende Zunahme der Zahl der Schüler/innen in den jeweiligen Fächern führt schon zu einer erheblichen Zunahme der Arbeitszeit und zu einer Verschlechterung der Lehrer-Schüler-Relation.

Auf die in der Oberstufe die Fächer Deutsch und Mathematik unterrichtenden Lehrkräfte kommt ein erheblich höherer Zeitaufwand zu, da diese Fächer im Abitur verpflichtend schriftlich geprüft werden. Da jede Schülerin und jeder Schüler in einer Fremdsprache die Abiturprüfung ablegen muss (schriftlich oder mündlich), nimmt hier die Belastung durch Korrekturen bzw. Colloquium zu. Insbesondere die Deutschlehrer sind wegen des sowieso schon erheblichen Korrekturaufwandes dadurch deutlich mehr belastet.

Speziell für das Fach Deutsch hat die Fachbetreuerin des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums in Moosburg folgende Beispielrechnung durchgeführt:

Korrekturzeiten in Zeitstunden

 

1. bis 3. Semester

4. Semester

Summe

Zuwachs

aktuell

je 49

87

234

 

Situation 1

je 59

113,45

290,45

+56,45 (+24 %)

Situation 2

je 69

148,45

355,45

+121,45 (+52%)

Situation 3

je 118

199,45

553,45

+319,45 (+137%)

Situation 4

je 138

244,45

658,45

+424,45 (+181%)

Berechnungsgrundlage:

  • Aktuell:
    Grundkurs Deutsch mit 21 Schülern, eine Klausur pro Semester, achtmal schriftliches Abitur, zweimal Colloquium
  • Situation 1:
    27 Schüler, eine Klausur pro Semester, 27 mal schriftliches Abitur
  • Situation 2:
    33 Schüler, eine Klausur pro Semester, 33 mal schriftliches Abitur
  • Situation 3:
    27 Schüler, zwei Klausuren pro Semester, 27 mal schriftliches Abitur
  • Situation 4:
    33 Schüler, zwei Klausuren pro Semester, 33 mal schriftliches Abitur

Bei einer angenommenen Klassenstärke von 33 Schüler/innen erhöht sich die gesamte Korrekturzeit für einen Deutschlehrer in den Jahrgangsstufen 11 und 12 bei einer Klausur pro Halbjahr also um mehr als 100 Stunden. Bei zwei Klausuren ergäbe sich ein Anstieg um über 400 Stunden, davon über 150 allein im letzten Halbjahr.

Lösung

Um eine angemessene Betreuung der Schülerinnen und Schüler auf bisherigem Niveau zu ermöglichen, und damit auch das bisher hohe Niveau der bayerischen Abiturientinnen und Abiturienten zu halten, bittet der BLLV das Stundenbudget der einzelnen Schulen so anzuheben, dass in den Jahrgangsstufen 11 und 12 eine maximal Klassengröße von 20 Schülerinnen und Schülern erreicht werden kann.

Angesichts der oben aufgelisteten Zahlen plädiert der BLLV darüber hinaus dafür, nur eine Klausur pro Halbjahr und Fach in den Jahrgangsstufen 11 und 12 zu verlangen.

Unabhängig von einer Regelung der Klassenhöchststärken sehen wir die Notwendigkeit, die Lehrkräfte, die durch die Vorgaben zur Abiturprüfung besonders mit Korrekturarbeit belastet sind (vor allem Deutsch, aber auch Fremdsprachen und Mathematik) durch Ausweitung der Anrechnungsstunden zu entlasten.

Grundsätzlich ist der BLLV der Ansicht, dass eventuell vorhandene Defizite in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen bei den Abiturientinnen und Abiturienten durch eine verpflichtende Abschlussprüfung nicht nachhaltig behoben werden können. Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, die Verpflichtung, in Deutsch und Mathematik eine schriftliche Abiturprüfung ablegen zu müssen, zu überdenken. Stattdessen sollte in der neuen Oberstufe eine zur bisherigen Regelung analoge Verpflichtung gefunden werden.

Für Rückfragen und ergänzende Gespräche stehen wir gerne zur Verfügung. Für Ihre Unterstützung und Hilfe danke ich Ihnen vorab sehr herzlich!

aus einem Schreiben des BLLV-Präsidenten, Dr. h.c. Albin Dannhäuser, an den Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus, Siegfried Schneider, vom 21.03.2007


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