1. Juni 2006

Externe Evaluation / Bedingungen eines erfolgreichen Qualitätsmanagements

Beschluss des BLLV-Landesvorstandes vom 17.05.2006

Angestoßen durch die Resultate der PISA-Studien soll sich zukünftig die Steuerung des Schulsystems vor allem an den Ergebnissen schulischer Bildungsarbeit orientieren. Externe Evaluation stellt hierfür ein wichtiges Steuerungsinstrument dar. Sie soll im Verbund mit Interner Evaluation dazu beitragen, die Qualität an Schulen zu sichern und weiter zu entwickeln. Dieser Ansatz ist richtig und bietet die Chance für echte Verbesserungen. Allerdings erfordert der Paradigmenwechsel hin zu einer ergebnisorientierten Qualitätssicherung den Wechsel von mehr Parametern als nur der Messinstrumente. Insbesondere muss der Einzelschule wesentlich mehr Gestaltungsraum gegeben werden, um die Lernprozesse flexibler anpassen zu können. Erst eine selbst verantwortete Schule kann für die an ihr erzielten Ergebnisse verantwortlich sein!

In den nächsten Jahren sollen alle bayerischen Schulen extern evaluiert werden. Der BLLV unterstützt diese Bemühungen grundsätzlich. Um die noch vorhandenen Vorbehalte gegen die Externe Evaluation abzubauen und das nötige Klima des Vertrauens zu schaffen, müssen jedoch bestimmte Bedingungen berücksichtigt werden. Ansonsten droht dieses sinnvolle Instrument der Qualitätssicherung zu scheiter

1 Evaluation dient der inneren Schulentwicklung, nicht der Kontrolle.

Es ist notwendig, eine Kultur des Vertrauens und der Unterstützung an jeder Schule aufzubauen. Eine solche Kultur lässt sich nur über die Trennung von Beratung und Beurteilung erreichen. Jede Benotung der einzelnen Schulen wird zu Misstrauen und Angst führen und jegliche Qualitätssteigerung verhindern. Tatsächlich vorliegende Probleme würden nicht offenbart. Mit der Maßgabe, dass Evaluatoren nicht im eigenen Schulbezirk tätig sein sollen, wird versucht, einer derartigen Trennung gerecht zu werden. Die Beteiligung von Schulaufsichtspersonal bei der Evaluation und insbesondere bei der nachfolgenden Beratung der Schule nährt jedoch die Zweifel an einer strikten Trennung: Die Schulaufsicht soll zukünftig weiterhin sowohl an der dienstlichen Beurteilung der Lehrer beteiligt werden als auch die Beurteilung der Schulleitungen durchführen.

Außerdem muss Externe Evaluation tatsächlich als ein Teil innerer Schulentwicklung zum Tragen kommen. Hierfür muss sie mit Interner Evaluation verknüpft werden.

Folgende Bedingungen müssen hierbei erfüllt sein:

  • Funktionierendes Qualitätsmanagement macht das System kontrollierender Schulaufsicht überflüssig und muss daher von ihr getrennt werden.
  • Die Ergebnisse der Externen Evaluation dürfen nicht für ein Ranking verwendet werden.
  • Die Ergebnisse Interner und Externer Evaluation müssen hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Rahmen der Entwicklung von Leitbild und Schulprogramm professionell zusammengeführt werden.
  • Zielfindung, Prozessbegleitung und Interne Evaluation sollten durch Schulentwicklungsmoderatoren unterstützt werden.
  • Neben den einzelnen Schulen müssen auch alle weiteren Ebenen und Bereiche des Bildungssystems evaluiert werden.
  • Personen, die die Umsetzung der Zielvereinbarung begleiten, müssen hierfür geschult werden.

Es fehlt an validen und objektiven Maßstäben zur Messung der Schülerleistungen. Die erzielten Noten in Tests wie die Ergebnisse von Vergleichstest und Orientierungsarbeiten sind wie die Abschlussprüfungen nicht normierte und validierte Leistungsfeststellungen. Die Erhebung der Zufriedenheit der Beteiligten im Rahmen der Externen Evaluation liefert letztlich ebenso subjektive Einschätzungen, die den Anspruch einer normierten Evaluation nicht gerecht werden.

Die Kriterien einer Bewertung der schulischen Qualität werden insgesamt nicht klar genug entwickelt und begründet. Diese Unklarheit der Bewertungskriterien findet sich auch bei den 42 Unterkategorien des Beobachtungsbogens für den Unterricht. Mit diesem Instrument können in der Regel allenfalls pauschale Eindrücke nachträglich festgehalten werden. Der Unterrichtsbesuch von zwei Personen ist kein hinreichendes Korrektiv für mögliche individuelle Fehlurteile. Voraussetzung für einen Vergleich der einzelnen Schulen wäre die Anwendung der gleichen Instrumente und der gleichen Kriterien. Allerdings kann nicht gesichert werden, dass alle Evaluatoren der verschiedenen Teams gleiche Urteile über gleiche Sachverhalte angeben.

Das Bewertungsproblem stellt sich vor allem bei der abschließenden Zusammenführung der heterogenen Daten und Informationen. Es finden sich keine Aussagen in welchem Umfang und mit welchem Gewicht diese in Verbindung gebracht werden, um eine abschließende summarische Einstufung einer einzelnen Schule zu rechtfertigen.

Daraus ergeben sich folgende Forderungen:

  • Die Instrumente müssen noch besser handhabbar, übersichtlicher und fundierter werden.
  • Wenn normierte und valide Kriterien und Instrumente fehlen, dürfen die Beobachtungen der Evaluatoren nicht zu einem wertenden Vergleich der evaluierten Schulen dienen. Ein solcher Vergleich zerstört nicht nur das Vertrauen in den Sinn von Evaluation, sondern er gaukelt auch eine Objektivität vor, die nicht erreicht werden kann.

3 Die Kompetenz der Evaluatoren muss gewährleistet sein.

Das hohe Maß der subjektiven Einschätzungen erfordert von den Evaluatoren eine sehr hohe Fachkompetenz.

Um das Vertrauen in die Kompetenz der Teammitglieder sicherzustellen,

  • müssen die Auswahlkriterien transparent und nachvollziehbar sein,
  • muss die Personalvertretung an deren Auswahl beteiligt werden,
  • darf deren zusätzlicher Arbeitsaufwand nicht zu Lasten anderer Kollegen bewältigt werden,
  • muss die Weiterbildung weiter professionalisiert und ausgebaut werden,
  • muss die Evaluation der Evaluatoren zu Konsequenzen führen,
  • sollte der Schule das Recht eingeräumt werden, bei der Auswahl der Teams mitzuwirken.

4 Evaluation muss den Prinzipien von Fairness und Mitbestimmung genügen.

Der vorgesehene Ablauf der Externen Evaluation zeigt das Bemühen um faire Behandlung der Schulen und enthält viele positive Aspekte. Schulen sollen und müssen im Vorfeld wissen, was evaluiert werden soll und welche Kriterien bei der Bewertung angelegt werden. Für Schulen, die sich freiwillig beteiligen, sollen Anreizsyteme im Sinne von finanziellen und personellen Ressourcen zur Umsetzung der Zielvereinbarungen geschaffen werden.

5 Evaluation muss für die Schule einen konkreten Nutzen haben.

In der Folge Externer Evaluation können festgestellte Stärken gefördert und diagnostizierte Schwächen behoben werden. Hierzu

  • bedarf es umfangreicher Unterstützungssysteme,
  • müssen Schulen mit schwierigen Rahmenbedingungen besonders unterstützt werden,
  • muss der Aufwand im Rahmen der Datenerhebung in einem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen für die Schulentwicklung stehen,
  • müssen die Daten von Orientierungsarbeiten, Vergleichstests, zentralen Abschlussarbeiten sowie anderer schulstatistischer Informationen für ein Bildungsmonitoring genutzt werden,
  • müssen die daraus gewonnen Erkenntnisse zu spürbaren Verbesserungen auf allen Ebenen führen.

Eingabe des BLLV vom 01.06.2006 an den Bayerischen Landtag und an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus


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