22. Februar 2001

Kurzschrift in der Fachlehrerausbildung

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) bittet das Bayerische Kultusministerium, an den Staatsinstituten für die Ausbildung von Fachlehrern, Abteilungen I und V, folgende Ausbildungsänderungen vorzunehmen:

  1. Das Fach Kurzschrift ist als Lehrfach aus der Fachlehrerausbildung an den Staatsinstituten für die Ausbildung von Fachlehrer/innen, Abteilungen I und V, herauszunehmen.
  2. Die durch die Kurzschrift frei werdenden Ausbildungskapazitäten sind durch verstärkte kaufmännisch bürotechnische und informationstechnische Inhalte zu ersetzen.
  3. Das Fach Textverarbeitung ist neu zu strukturieren und neu zu benennen, sodass es seinem Anspruch, kaufmännische, bürotechnische, kommunikations- und informationstechnische Inhalte zu vermitteln, gerecht wird.

Begründung

Hauptschulen, Wirtschaftsschulen und Berufsausbildung

Aufgrund der technischen Entwicklungen ist Kurzschrift nicht mehr Ausbildungsinhalt der kaufmännischen und der Büroberufe. Kurzschrift wird in der Hauptschule noch als Wahlfach angeboten. An den Wirtschaftsschulen wurde die Kurzschrift während des Schuljahres 1999/2000 herausgenommen und durch informationstechnische Inhalte ersetzt.

Realschulen

Lediglich in der Wahlpflichtfächergruppe II (kaufmännischer Zweig) der Realschulen ist Kurzschrift noch verpflichtender Unterrichtsstoff des Faches Textverarbeitung mit abnehmender Tendenz (Herausnahme aus der 7. Jahrgangsstufe und Verringerung der Anforderungen in den Jahrgangsstufen 8 bis 10).

Wegen der Einbeziehung der Kurzschrift wird häufig die Wahlpflichtfächergruppe II nicht gewählt; außerdem wird davon Gebrauch gemacht, ab der 8. Jahrgangsstufe statt Textverarbeitung Informatik oder Französisch zu wählen. So entsteht in diesem Fall die Absurdität, dass ausgerechnet die Schüler/innen des kaufmännischen Zweiges in der 7. und 8. Jahrgangsstufe nur rund 3 Jahreswochenstunden in Textverarbeitung unterrichtet werden. Ihre Mitschüler/innen im technischen und sozialen Bereich belegen dagegen in 2 Jahren insgesamt 4 Jahreswochenstunden Textverarbeitungsunterricht (ohne Kurzschrift).

Die Ablehnung der Kurzschrift innerhalb der Textverarbeitung des kaufmännischen Zweiges der Realschule führt in der Abschlussprüfung - trotz guter Schreibleistungen am PC und Versiertheit im Umgang mit dem Computer - vielfach zu einer nicht gerechten Leistungsbewertung der Schülerinnen und Schüler. Schlechte Noten wegen der später nicht benötigten Kurzschrift lassen jedoch die Chancen sinken, einen Ausbildungsplatz zu finden. Für interessierte Realschüler/innen sollte deshalb aus Sicht des BLLV ein eigenständiges Wahlfach Kurzschrift angeboten werden.

Ausbildung von Fachlehrer/innen

In der Fachlehrerausbildung ist die Kurzschrift neben Werken, Technischem Zeichnen und Textverarbeitung derzeit noch ein eigenständiges Lehr- und Prüfungsfach mit hohem Stundenanteil. Damit wird die Ausbildung den Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gerecht; Kurzschrift ist deshalb aus dem Fächerangebot der Fachlehrerausbildung herauszunehmen. Frei werdende Ausbildungskapazitäten müssen dringend für eine Verstärkung der Bereiche Informations- und Kommunikationstechnik, Bürotechnik und kaufmännisches Rechnungswesen genutzt werden.

Es muss verhindert werden, dass die Staatsinstitute für die Ausbildung von Fachlehrern - unter Vernachlässigung wichtiger und zeitgemäßer Lernstoffe - so lange übersteigerte Kurzschriftausbildung betreiben, bis an keinem späteren Schuleinsatzort mehr Kurzschrift in einem nennenswerten Umfang angeboten wird. Eventuell in den Schulen noch anfallender Wahlunterricht in Kurzschrift kann von den bisher in Kurzschrift ausgebildeten Fachlehrer/innen noch lange Zeit aufrecht erhalten werden.

aus der Eingabe des BLLV an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus


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