29. März 2006

Änderung des Bayerischen Lehrerbildungsgesetzes

Stellungnahme des BLLV

Der Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Bayerischen Lehrerbildungsgesetzes stößt in seiner grundsätzlichen Ausrichtung auf die volle Zustimmung des BLLV. Auch wir sehen es als sinnvoll und notwendig an, die Lehramtsstudiengänge an die durch den Bologna-Prozess stattfindende Umstrukturierung der bayerischen Universitäten anzupassen, ohne jedoch die erste Staatsprüfung durch die ausschließlich von den Universitäten zu verleihenden Abschlüsse Bachelor oder Master zu ersetzen.

Wir begrüßen ausdrücklich die hierfür geplanten einzelnen Maßnahmen

  • das Lehramtsstudium wie bei Bachelor- /Master- Studiengängen zu modularisien,
  • sie mit einem Leistungspunktesystem (Credit-Point-System) zu versehen,
  • sie von Anfang an auf die Bereiche Fachwissenschaften, Fachdidaktik, Erziehungswissenschaften und Schulpraktika auszurichten,
  • für die Inhalte der Ersten Staatsprüfung Kerncurricula zu erarbeiten,
  • die Leistungen aus den universitären Modulprüfungen zu 40 % in die Note der Ersten Lehramtsprüfung einfließen zu lassen
  • und Lehramtsstudierenden die Möglichkeit zu eröffnen, einen Bachelor-Abschluss zu erwerben.

Gemeinsames Berufsbild

Nach Auffassung des BLLV sollte noch stärker als geschehen das gemeinsame Berufsbild aller Lehrämter betont werden. Damit würde der Anregung sowohl der OECD als auch verschiedener Verbände der Arbeitgeber Rechnung getragen, die die Zersplitterung der verschieden Studiengänge nach den verschiedenen Schularten mit verantwortlich machen für Leistungsdefizite des bundesdeutschen Schulsystems. Vor allem sollte an das Leitziel der bayerischen Lehrerbildung erinnert: Harmonisierung der zersplitterten Ausbildungslehrgänge im Sinne eines gemeinsamen Berufsverständnisses aller Lehrerinnen und Lehrer.

Zu Art. 3 Abs. 1 Nr. 1 Halbsatz 5

Hier schlägt der BLLV vor, einzufügen:
"Die von der Universität gestalteten Praktika müssen auch Anteile im Block aufweisen."

Begründung:

  • Nur im Blockpraktikum ist eine kontinuierliche Beobachtung der Unterrichtsentwicklung möglich.
  • Ganze Sequenzen können nur im Blockpraktikum verfolgt werden.
  • Der Unterricht in all seinen Facetten, von ungeplanten Zwischenfällen bis hin zu bestimmten organisatorischen Aufgaben, kann nur im Blockpraktikum richtig erfahren werden.
  • Die Beziehung zu den Kindern festigt sich im Laufe eines Blockpraktikums wesentlich schneller als in den studienbegleitenden Praktika. So werden auch detaillierte Beobachtungen über die Entwicklung einzelner Schülerinnen und Schüler nach bestimmten pädagogischen Maßnahmen der Lehrkraft möglich.
  • Durch die tägliche Beteiligung am Unterricht im Blockpraktikum werden Hemmnisse, selbst Unterrichtsteile oder -einheiten zu übernehmen, schneller abgebaut.
  • Die durch die Neufassung erwünschte und vom BLLV begrüßte Flexibilisierung des Praktikums wäre weiterhin gewährleistet.

Zu Art. 19 a "Modellversuche"

In den Begründungen werden nur Haupt- und Realschule in Verbindung mit Versuchen eines vertieft studierten Fachs explizit genannt. Der BLLV legt jedoch Wert darauf, dass auch für die Grundschule Modellversuche genehmigt werden, die den spezifischen Anforderungsbereichen der Primarstufe wie Schuleingangsphase oder Individualisierung in heterogenen Lerngruppen Rechnung zu tragen. Alle internationalen Studien belegen die enorme Bedeutung des frühen Kindesalters für das Lernen.

Umsetzung der geplanten Veränderungen

  • Durch die vorgesehene Modularisierung des Lehrangebots und insbesondere durch die in die Erste Lehramtsprüfung einfließenden Modulprüfungen steigt der Arbeitsaufwand des Lehrpersonals erheblich an. Um angesichts der bereits bestehenden Überlast ein reguläres Studium und die angestrebte Verkürzung der tatsächlichen Studiendauer realistisch erreichen zu können, müssen daher die personellen Ressourcen für Lehrerbildung an den Universitäten spürbar ausgeweitet statt weiter reduziert werden. Ohne Mentorensystem ist die strukturelle Änderung nicht in die Praxis umzusetzen.
  • Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus sollte genau darauf achten, dass die geplanten Kerncurricula nicht allein stoff-, sondern auch kompetenzorientiert formuliert werden, um den gewünschten Effekt einer Professionalisierung des Lehramtsstudiums zu gewährleisten.

aus einem Schreiben des BLLV-Präsidenten, Dr. h.c. Albin Dannhäuser, an die Ministerialdirigentin im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, vom 29.03.2006


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