8. Dezember 2011

Verbesserung der frühkindlichen Bildung in Bayern

Petition an Frau Landtagspräsidentin Barbara Stamm am 8.12.2012

Mit der nachfolgenden Petition fordert der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) die Verbesserung der frühkindlichen Bildung in Bayern. Wir bitten Sie, diese Petition an den zuständigen Fachausschuss zur Beratung weiterzuleiten. Bitte informieren Sie uns im Vorfeld der Beratungen in diesem Ausschuss über den Termin.

 

Problem

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Verwendung der Steuermehreinnahmen wird auch die Frage der Verbesserung der frühkindlichen Bildung diskutiert, insbesondere die Frage eines kostenfreien Kindergartenjahres. Diese Diskussion nimmt der BLLV zum Anlass, in Form dieser Eingabe zu fordern, dass dringend notwendige Reformen im Bereich der frühkindlichen Erziehung eingeleitet werden. Hierbei geht der BLLV davon aus, dass inzwischen ein gesellschaftlicher Konsens darüber herrscht, dass die frühkindliche Erziehung eine herausragende Bedeutung für die Lernbiografien der Kinder hat. Institutionelle Angebote für frühkindliche Erziehung sind besonders wichtig, um Kindern aus sozial benachteiligten Familien und für Kinder mit Migrationshintergrund Bildungschancen zu eröffnen.

 

Auch ist inzwischen nachgewiesen, dass die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher, ihre Arbeitsbedingungen, die Finanzierung und die Zahl der Angebote in Deutschland weit hinter den meisten Ländern Europas zurückbleiben.

 

Im Ausbau der frühkindlichen Erziehungsangebote liegt eine enorme Chance für eine Verbesserung der Sozialkompetenz und der Lernerfolge unserer Kinder.

 

Petitum

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband fordert:

 

1.  Die Verbesserung des Anstellungsschlüssels, damit die Erzieher/innen mehr Zeit dafür haben, 

  • individuumsbezogene Basiskompetenzen bei den Kindern zu fördern
  • Sprachförderung, Gemeinschaftssinn,  Anstrengungsbereitschaft, Ausdauer, Eigenaktivität, Eigenverantwortung und das „Lernen lernen“ bei den Kindern grundzulegen,
  • die Lernfortschritte der einzelnen Kinder zu dokumentieren, um besser individuell fördern zu können,
  • in Erziehungspartnerschaft den Eltern Hilfestellung und Beratung zu geben, die in vielen Fällen dringend erforderlich sind.

    Um diese Aufgaben sinnvoll und effizient erfüllen zu können, ist der Anstellungsschlüssel auf 1:8 zu setzen und bei der Arbeitszeit auch eine ausreichende Vor- und Nachbereitungszeit zu berücksichtigen und verbindlich auszuweisen.

 

2.  In Analogie zu allen weiteren Ebenen im Bildungssystem ist der Besuch einer Kindertagesstätte grundsätzlich beitragsfrei zu stellen. Jedes Kind hat dasselbe Recht auf frühkindliche Bildung. Zusätzlich zur Kostenfreiheit ist eine Verbesserung der Qualität der frühkindlichen Bildung notwendig.

 

3.  Die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher muss an Hochschulen erfolgen, wie dies bereits in den meisten europäischen Ländern der Fall ist. Aus diesem Grund müssen zeitnah Bachelor- und Master-Studiengänge für den Beruf des Erziehers/der Erzieherin eingerichtet und die bisherige Ausbildung an den Fachakademien für Sozialpädagogik als Grundstudium berücksichtigt werden.

 

4.  Die hohe Drop-Out-Rate unter Erzieher/innen hängt maßgeblich mit den schwierigen Arbeitsbedingungen, dem geringen Gehalt und mangelnder sozialer Anerkennung zusammen. Aus diesem Grund herrscht im frühkindlichen Bildungsbereich akuter Personalmangel. Angesichts des von der Politik angestrebten notwendigen Ausbaus der Kindertagesstätten muss dringend auch die Bezahlung verbessert werden. Auch wenn sie eine Frage der Tarifparteien ist, ist es wichtig, dass die Politik Signale für eine Verbesserung der Bezahlung setzt.

 

Die frühkindliche Bildung ist neben der Familie das Fundament aller Erziehungsanstrengungen einer Gesellschaft. Sie hat auch hinsichtlich der Lebensgestaltung von Müttern und Vätern eine zentrale Funktion für die Zukunft. In der frühkindlichen Bildung sollen Eltern und das Fachpersonal zusammenwirken. Wir fordern die Staatsregierung dringend auf, bei Bildung, Betreuung und Erziehung bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

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Die Petition wurde im Ausschuss für Soziales, Familie und Arbeit am 29.11.12 beraten und mehrheitlich mit den Stimmen von CSU und FDP abgelehnt (§ 80,4 der GO des Landtags). SPD, FW und Bündnis 90/Die Grünen stimmten für die Petition ("Berücksichtigung")


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