1. Mai 2004

Keine Schließung von Studiengängen für Grund- und Hauptschullehrer/innen an bayerischen Universitäten

Gemeinsame Erklärung Grundschulverband (GSV) und Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)

An den Universitäten in Bayreuth und Regensburg sollen die Grund- und Hauptschullehrerausbildung geschlossen werden. Der Grundschulverband und der Bayerische Lehrer und – Lehrerinnenverband (BLLV) warnen eindringlich vor einer Abschaffung dieser Studiengänge. Mit der Schließung würden zum Beispiel in der Oberpfalz keine universitäre Ausbildung in regionaler Nähe und mit regionalem bezug mehr angeboten.

Die Reform der Lehrerbildung muss das Ziel haben, die Lehrerbildung qualitativ zu verbessern. Ausgangspunkt ist der gemeinsame Kern des Berufsbilds aller Lehrerinnen und Lehrer. Sie sind Fachleute für das Lehren und Lernen sowie für die Organisation von Lernprozessen.

  • Die Lehrerbildung muss die dafür notwendigen Kompetenzen vermitteln, d.h. Pädagogik, Psychologie und (Fach)-Didaktiken müssen künftig im Zentrum der Lehrerbildung stehen.
  • Universitäten müssen "Zentren der Lehrerbildung" werden. In diesen Zentren kann die wissenschaftliche Ausbildung besser strukturiert und koordiniert werden. Ein starkes Zentrum hat größere Chance, Forschungsaufträge zu erhalten und somit mehr Drittmittel.

Wir fordern die Politik dazu auf, zu bedenken, dass

  • viele Veranstaltungen der Erziehungswissenschaften für alle Lehramtsstudenten relevant sind. Eine Trennung der Universitätsstandorte nach Lehrämtern spart daher keine Kosten
  • erziehungswissenschaftliche Fächer nicht nur Teil der Lehrerbildung sind. Sie sind auch für weitere Ausbildungsgänge an Universitäten relevant
  • die universitäre Lehrerbildung vor tiefgreifenden Veränderungen steht. Der Bologna-Prozess strebt eine Vergleichbarkeit der Ausbildung und Abschlüsse aller Universitäten in Europa an. Zum jetzigen Zeitpunkt einzelne Standorte der Grund- und Hauptschullehrerausbildung zu schließen, erscheint vorschnell und unüberlegt. Konzeptionelle Überlegungen betreffen alle Standorte und alle Lehrämter
  • die Grundschule und die Grundschulpädagogik eine Vorreiterrolle spielen und wichtige Impulse für notwendige Veränderungen an anderen Schularten geben müssen. Sie sind geeigneter, heterogen Lerngruppen gerecht zu werden und Kinder individuell zu fördern
  • an den von Schließung bedrohten Standorten bereits erfolgreiche Konzepte einer Lehrerbildung für alle Lehrämter an allgemeinbildenden Schulen bestehen
  • viele Hochschulen bereits Netzwerke von Schulen aufgebaut haben, in denen sie Schulentwicklungsprozesse und Schulinnovationen begleiten und wissenschaftlich beraten. Diese Schulen könnten nicht mehr weiter betreut werden.
  • an den von Schließung bedrohten Universitätsstandorten bereits regionale Kooperationen mit der 2. und 3. Phase der Lehrerbildung im Grund- und Hauptschulbereich bestehen. Eine Standortschließung hätte zur Folge, dass die gewünschte universitäre Lehrerfortbildung nicht aufgebaut werden kann
  • wissenschaftlicher Nachwuchs im Bereich der Lehrerbildung in andere Bezirke abwandern wird - Lehrer/innen, die sich beruflich weiterbilden wollen, sind gezwungen, die Region zu verlassen

Der Grundschulverband (GSV) und der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) warnen deshalb vor den Folgen einer Abschaffung der Grund- und Hauptschullehrerausbildung an den Universitäten Bayreuth und Regensburg und an möglichen weiteren Standorten.


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