14. Oktober 2009

So bitte nicht! Wir protestieren gegen die neuen Übertrittsregelungen!

Offener Brief an den Kultusminister

Mit der kultusministeriellen Bekanntmachung vom 22.07.2009 und dem kultusministeriellen Schreiben vom 04.09.2009 hat das Kultusministerium die neuen Übertrittsregelungen für das Schuljahr 2009/2010 bekannt gegeben. Sie legen den Zeitpunkt der Erhebung von Leistungsnachweisen einschließlich prüfungsfreier Lernphasen in der Grundschule verbindlich fest und werden den Eltern mitgeteilt. In der 4. Jahrgangsstufe der Grundschule sind nur noch maximal sechs Wochen prüfungsfrei. Ziel ist angeblich mehr Transparenz für die Eltern bei der Übertrittsentscheidung.

In Wirklichkeit jedoch stellen die neuen Übertrittsregelungen einen nachhaltigen Angriff auf die pädagogische Arbeit in der Grundschule dar. Durch die jährliche verbindliche Fixierung von Prüfungs- und prüfungsfreien Phasen am Anfang des Schuljahres wird der differenzierte und schülerorientierte Lernrhythmus, der die Grundschule so erfolgreich macht, in Frage gestellt. Individuelle Lernphasen, projektorientierte Lernformen und eine flexible Stundengestaltung werden durch solche statische administrative Vorgaben erschwert. Die Problematik der frühen Auslese wird nicht entschärft, sondern noch weiter zugespitzt. Die Pädagogik hat keine Chance.

Alarmierend sind die Auswirkungen auf die Kinder selbst. Durchgehende Prüfungsfestlegungen versetzen die 9-jährigen Kinder schon zum Schuljahresanfang in einen Dauerstress. Kinder, die Lernschwierigkeiten haben, werden demotiviert und ihre Einstellung zum Lernen ein Leben lang beschädigt. Bei vielen Kindern wird dies zu Versagensängsten führen. Die Autoren dieser Reform werden die Verantwortung für die Zehntausenden von Kindern übernehmen müssen, die auf diesen Druck mit psychischen Problemen und Ängsten reagieren werden.

Die aktionistische, übereilte Einführung der neuen Übertrittsbedingungen durch das Kultusministerium empfinden Kolleginnen und Kollegen als Angriff auf ihre Professionalität. Die bayerische Kultusverwaltung entfernt sich damit weiter von der Wirklichkeit der Schule. Sie demotiviert erneut Zehntausende von Lehrerinnen und Lehrern, die diese Anordnungen umsetzen sollen. Die Einführung der neuen Übertrittskategorien schreibt damit die Tradition unausgegorener politischer Initiativen fort, die groß angekündigt werden und dann wieder zurückgenommen werden müssen wie z. B. die Einführung des Büchergelds, die Kategorisierung des Sozialverhaltens und die Vorverlegung des Einschulungsalters.

Die Unterzeichner lehnen deshalb die neuen Übertrittsregelungen ab und bitten Sie, diese Regelungen umgehend zu stoppen.

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Innerhalb weniger Wochen haben Ende 2009 binnen 10 Tagen über 1500 Personen diesen offenen Brief unterzeichnet.

 


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