20. Februar 2004

Lehrplan für die bayerische Hauptschule

Stellungnahme des BLLV

Grundsätzliches

Aus der Sicht vieler Lehrerinnen und Lehrer stellt sich die Situation (Regelklassen) in der Hauptschule nach der Einführung der R6 und des M-Zweiges wie folgt dar:

In den Regelklassen fehlen häufig leistungsstarke Schüler/innen; die Schüler/innen zeigen vielfach nur wenig Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft und sind nur schwer motivierbar. Arbeitshaltung und Konzentrationsvermögen sind bei manchen Schülern nicht sehr stark entwickelt. Auf einem grundgelegten Wissen aus der Grundschule kann nicht immer im erwünschten Maße aufgebaut werden. Die leistungsstarken Schüler/innen sind oft an die Realschule bzw. das Gymnasium gewechselt. Gymnasium und Realschule haben in den Augen der Eltern das Profil einer weiterführenden Schulart.

Zwischen den Anforderungen und dem Leistungsvermögen der Schüler/innen besteht eine große Diskrepanz. In vielen Unterrichtsstunden muss für verhaltensauffällige Schüler/innen viel Zeit für die Behebung von Unterrichtsstörungen verwendet werden.

Viele Schüler/innen leiden unter der Stigmatisierung als Hauptschüler und erkennen keine schulische Perspektive, da z.B. der Qualifizierende Hauptschulabschluss für viele unerreichbar scheint. Auch das Elterninteresse nimmt vielfach dramatisch ab. Zwischen der Realität und dem Anspruch besteht eine große Kluft.

Für die Regelklassen der Hauptschulen in Bayern einen Lehrplan zu erstellen, erweist sich insofern als schwierig, da es "die" Hauptschule in Bayern nicht gibt. Hauptschulen weisen große, stark standortgeprägte Unterschiede auf: Beispielsweise bestehen mancherorts weniger als 25 % der Schüler/innen den Qualifizierenden Hauptschulabschluss, während in anderen Regionen Bayerns die Erfolgsquote bei 75 % und mehr liegt. Aus diesem Grund müsste ein Hauptschullehrplan viel differenzierter ausgearbeitet sein – zum Beispiel in Form von Modulen (vgl. das BLLV-Konzept Die zukünftige Hauptschule - PDF-Datei, 240 KByte).

Der jetzt vorgelegte Lehrplanentwurf ist vor dem Hintergrund der hier skizzierten Situationsbeschreibung zu lesen und zu analysieren.

Im Juli 2000 erhielt das ISB in München den Auftrag, den Lehrplan zu überarbeiten. Die Zeit der Erarbeitung bis zur Einführung im Schuljahr 2004/2005 ist viel zu kurz bemessen (vgl. auch die Zeitspanne von der Anhörung bis zur Einführung des Lehrplanes, hier bleiben gerade fünf Monate Zeit!). Ebenso wurde die Chance vertan, den Lehrplan in einem Modellversuch zu erproben und gegebenenfalls entsprechende Änderungen einzuarbeiten.

zu Kapitel I

Zu 2. Auftrag der Hauptschule

Im Hinblick auf die individuelle Förderung der Schüler/innen ist festzustellen, dass einerseits durch die zur Verfügung stehende Fächerwahl – insbesondere beim Lernfeld "Arbeit/Wirtschaft/Technik" – den Schülern ein individuelles Lernangebot ermöglicht wird. Andererseits wird aber in Fächern wie Deutsch, Mathematik oder Englisch eine individuelle Förderung durch das "vermeintlich homogene" Klassensystem bzw. die für die einzelnen Jahrgangsstufen festgeschriebenen Lerninhalte und Lernziele nur schwer möglich ist.

Bei der Frage nach der Wertorientierung ist die Ausrichtung gemäß der Bayerischen Verfassung am christlichen Menschenbild richtig. Andererseits ist zu bedenken, dass aufgrund der lokalen Gegebenheiten die Schülerschaft – besonders in Großstädten – in einem anderen religiösen Kontext aufwachsen bzw. erzogen werden.

Zu 3. Erziehung in der Hauptschule

Die notwendige Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ist Grundlage für das erzieherische Wirken der Lehrkräfte in der Hauptschule. Aber auch hier bleibt festzustellen, dass die Realität vielfach ein anderes Bild zeichnet. Gerade die PISA-Ergebnisse weisen auf die Nachteile der Schüler und Schülerinnen hin, die aus einem schwachen sozialen Milieu stammen. "Es gibt Eltern, die nicht mehr erziehen können oder wollen" (Hurrelmann). Vor diesem Hintergrund braucht die Hauptschule mehr "Unterstützungssysteme" für erfolgreiches erzieherisches Wirken (vgl. Situationsbeschreibung). Faktum ist, dass die Hauptschule in ihrem Erziehungsauftrag an Grenzen stößt.

Zu 4. Unterricht in der Hauptschule

Die Trennung der Schülerinnen und Schüler in ein Zweiklassensystem (R und M) soll je zu einem homogenen Klassenverband führen. Dieses Konstrukt steht im Widerspruch zu den Schulsystemen, die nach der PISA-Studie die Spitzenplätze einnahmen. Heterogene Systeme zeigen sich als die besseren; vor allem schwächere Schüler profitieren davon. M-Angebote in Kursen (Modulen) – und zwar in jeder Hauptschule – würden keine Unterteilung in M- und R-Klassen erfordern. Der BLLV sieht hierin die Gefahr einer sich noch verfestigenden Zweigliedrigkeit der Hauptschule, die neben schwerwiegenden pädagogischen auch erhebliche organisatorische Schwierigkeiten verursachen würde. Keine zwischen R- und M-Bereich differenziert ausgearbeiteten Lehrpläne gibt es in den folgenden Fächern:

  • Sport
  • Musik
  • Kunst
  • Informatik
  • Buchführung

In diesen Fächern sind die R- und M-Lehrpläne sinnigerweise identisch. Sehr zu begrüßen ist die Einführung des Faches "Buchführung", um insbesondere den M-Schüler/innen eine Chancengleichheit gegenüber den Realschülern zu ermöglichen, wenn gegebenenfalls nach der Prüfung zum mittleren Bildungsabschluss ein Übertritt z.B. an eine Fachoberschule erfolgt.

Wichtig ist, dass die "beabsichtigte" Einführung einer Förderstunde in der 5. und 6. Jgst. auch verwirklicht wird.

Die Aufnahme eines Grundwissens bzw. die Nennung von Kernkompetenzen nach den didaktischen Kategorien "Wissen (Kenntnisse und Einsichten)", "Können und anwenden (Fähigkeiten und Fertigkeiten)", "Produktiv denken und gestalten" und "Wertorientierung (Einstellungen, Verhaltensbereitschaften, Wertentscheidungen)" wird grundsätzlich begrüßt. Inhaltlich scheinen die angeführten Lernziele allerdings sehr überfrachtet. Gegebenenfalls könnten die entsprechenden Elemente, die zum Grundwissen gehören, auch bereits nach den jeweiligen Jahrgangsstufen genannt werden.

Im Hinblick auf den Katalog des Grundwissens und der Kernkompetenzen nach der M 10 muss deutlich kritisiert werden, dass mit der Einführung des Lehrplans nicht noch ein Jahr gewartet wurde; denn dann hätten die am 4. Dezember 2003 von der KMK beschlossenen Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss noch konkret und detailliert in den aktuellen M-Lehrplan eingearbeitet werden können. Dies betrifft die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Bayern wäre damit das erste Bundesland, das die Bildungsstandards in den Lehrplänen verankert hätte.

Letztlich ist es nicht gelungen, eine 2. Stufe der Hauptschulreform zu erarbeiten. So gesehen ist dies vielleicht der letzte "klassische Lehrplan", der für die Hauptschule erstellt worden ist. Da im Rahmen von Schulentwicklungsprozessen den Schulen immer mehr "Freiräume" und Kompetenzen eingeräumt werden, wäre die notwendige Konsequenz gewesen, die Lehrpläne inhaltlich zu kürzen und für die zu erreichenden Standards grundlegende Bausteine und flexible Module anzubieten.

Ebenso wenig sind in diesem Lehrplan Konsequenzen eingearbeitet worden, die sich aus den Ergebnissen der PISA-Studie ergeben müssten; dies trifft insbesondere die Nennung von Differenzierungsangeboten.

Zu 6. Arbeit mit dem Lehrplan

Die angedachte Flexibilisierung im Umgang mit der Stundentafel ist zwar positiv zu werten, ist aber letztlich nur Makulatur, da Defizite in anderen Fächern in Kauf genommen werden ("erforderliche zusätzliche Lehrerstunden werden durch entsprechende Reduzierung in anderen Fächern gewonnen"). "Schule muss zielgruppenorientiert arbeiten, damit sie die Schüler bestmöglich fördern kann" (Staatssekretär Freller am 23.12.2003 in Nürnberg, Fokus-Hauptschulen); dem kann nur zugestimmt werden. Die logische Konsequenz daraus ist, dass in heterogenen Gruppen (Modulsystem) gearbeitet werden muss und nicht in einem vermeintlich homogenen Klassenverband.

Die im Lehrplan genannte Möglichkeit einer Modularisierung hat mit einer richtig verstandenen Modularisierung überhaupt nichts zu tun. Im Lehrplanentwurf geht es lediglich um eine Bündelung aus Themen und Lernbereichen der Fächer GtB, HsB und KtB. Ist die fälschlicherweise so bezeichnete Modularisierung nicht zu vermeiden, muss jeder Fachteil von den entsprechenden Fachlehrkräften unterrichtet werden. Selbst ein bestens ausgebildeter/fortgebildeter GtB-Lehrer kann nicht den HsB-Bereich übernehmen und keine noch so qualifizierte HsB-Kollegin den GtB-Anteil. Damit fehlt ein logischer und konsequenter Aufbau von Modulen. Unbedingt erforderlich wäre eine Modularisierung im Sinne des Positionspapiers des BLLV Die zukünftige Hauptschule - 2. Stufe der Hauptschulreform PDF-File, 240 KByte.

Die Öffnung des Unterrichts in den praktischen Fächern ist zu begrüßen. Bei der Anwendung übergreifender Module bei den Themen und Lernbereichen der praktischen Fächer des Lernfeldes Arbeit, Wirtschaft, Technik muss jedoch sicher gestellt werden, dass der durch die Stundentafel vorgegebene Wochenstundenumfang in den praktischen Fächern der jeweiligen Jahrgangsstufen, nicht gekürzt wird. Um dem Wegfall einzelner praktischer Fächer, vor allem in der 9. Klasse, entgegenzuwirken, schlagen wir vor, schulübergreifende Konzepte, wie z.B. bei den M-Klassen, anzuwenden. Hierdurch kann das Profil der Hauptschule erhalten bleiben und bei den Schüler/innen die notwendige Voraussetzung für die Ergreifung eines Berufsbereiches angebahnt werden.

Die vorgeschlagene Stoffverteilung des Lehrplans auf 25 Wochen scheint im Hinblick auf die Stofffülle der einzelnen Fächer unrealistisch zu sein; zumal in jedem Themenbereich sinnvollerweise auch Zeit verwendet werden muss zum Wiederholen, Anwenden, Üben und Vertiefen. Von einer "ehrlichen" Stoffverteilung kann hier nicht die Rede sein.

Dies heißt ebenso, dass die genannten 12 Wochen für einen zu gestaltenden Freiraum nicht zur Verfügung stehen. Insgesamt ist eine wirkliche Reduzierung der Lehrinhalte insbesondere in den Fächern PCB und GSE dringend erforderlich, um nachhaltiges Lernen zu ermöglichen.

zu Kapitel II A

wird keine Stellungnahme vorgelegt, da diese Aussagen mehr oder weniger kompatibel zum Lehrplan aus dem Jahre 1997 sind. (Ausnahme: Verbraucherverhalten: die dazu gemachten Aussagen sind stimmig und sinnvoll.)

Einzelfächer (Fachprofile und Einzellehrpläne)

1. DEUTSCH

1. Stundentafel

Die Beibehaltung von nur 4 Stunden Deutsch in der 9. Jgst. ist im Hinblick auf die Vorbereitung zum Qualifizierenden Hauptschulabschluss und den vielfältigen Aufgaben des Faches Deutsch unter fächerübergreifenden Aspekten zu wenig. Eine 5. Deutschstunde ist erforderlich!

2. Fachprofil

Die Trennung von Sprechen und Schreiben und die neue Zuordnung des Teilbereichs Rechtschreiben zum Schreiben – basierend auf der Konzeption im neuen Grundschullehrplan – ist nachvollziehbar, die Verbindung zum Bereich Sprache bleibt dennoch bestehen.

Die stärkere Ausrichtung produzierter Texte auf die Leser und entsprechende Überarbeitungen sind sinnvoll. Daraus ergibt sich die Zuordnung des Teilbereichs Rechtschreiben. Begrüßenswert ist, dass Nachschriften ausdrücklich nur noch als eine Übungsform (unter vielen) und benotete Diktate ebenfalls nur eine von vielen möglichen Formen der Leistungsfeststellung im Rechtschreiben gesehen werden.

Die stärkere Betonung des integrativen Gedankens im Deutschunterricht ist sinnvoll.

Das Erweiterte Anspruchsniveau (EAN) im M-Zug ist angemessen und überzeugt insgesamt.

3. Inhalte der Jahrgangsstufen

Insgesamt sind die Inhalte detaillierter ausgeführt und werden v.a. beim Schreiben und Rechtschreiben mit zahlreichen methodischen Vorschlägen ergänzt. Damit ergibt sich ein insgesamt erweiterter Umfang, ohne dass im Kern neue Inhalte dazugekommen wären. Die Auswirkungen der PISA-Studie sind feststellbar, vor allem durch die Neueinführung der Unterpunkte "Interesse am Lesen wecken" und "Lesefähigkeit verbessern", die vorher weniger explizit unter dem Teilbereich Lesen und Mediengebrauch subsumiert waren.

4. Kernkompetenzen

Im Vergleich mit den KMK-Bildungsstandards besitzen die Kernkompetenzen nach der M 10 ein im Wesentlichen vergleichbares Niveau, sind allerdings bei weitem nicht so detailliert ausgeführt. Einige Aspekte tauchen bei den Kernkompetenzen gar nicht oder nur sehr verkürzt auf. Die Hoffnung, dass die Kernkompetenzen detaillierter und für jede einzelne Jahrgangsstufe ausgeführt werden, wird nicht erfüllt. Unklar ist, warum Kernkompetenzen, die nach der M 10 erreicht sein sollen, bereits ab der 5. Jgst. erworben werden können, obwohl es dort keinen M-Zug gibt. Der Eindruck entsteht, als ob in den 5. Jgst. zwei unterschiedliche Niveaus gefahren würden (M- und R-Klassen-Niveau).

Teilweise ist die Zuordnung unklar: Warum soll die Teilnahme an einfachen Diskussionen, das Vertreten der eigenen Meinung erst ab der 7. Jgst., aber das Entnehmen von Informationen aus Diskussionen, deren Auswertung und entsprechend dazu Stellung beziehen zu können, bereits ab der 5. Jgst. stattfinden?

2. MATHEMATIK

1. Kapitel II Fächerübergreifende und fachbezogene Unterrichts- und Erziehungsaufgaben

Bei den "Aufgaben und Zielen des Faches" steht die Selbständigkeit und der Alltagbezug im Vordergrund, was sehr zu begrüßen ist.

Bei den methodischen Ausführungen wird das induktive Vorgehen weiterhin in den Mittelpunkt gestellt, wobei die Öffnung des Unterrichts betont wird. Die Individualität des einzelnen Schülers sollte deutlicher herausgestellt werden (siehe Grundschullehrplan: Lernzielungleichheit), nicht nur im Hinblick auf den gewählten Lösungsweg, der Arbeitszeit oder der differenzierten Angebote, sondern auch in Bezug auf das Erreichen der Lernziele.

Im Bereich der "Sachbezogenen Mathematik" sollte das projektartige und fächerübergreifende Arbeiten deutlicher herausgestellt werden.

Die "Begrifflichen Vorstellungen" sollten in den einzelnen Jahrgangsstufen deutlich ausgewiesen sein, so wie dies in Deutsch der Fall ist. Zudem scheint gerade dieser Bereich für die M-Züge von besonderer Bedeutung.

Die Abschnitte "Wiederholen, Üben, Anwenden und Vertiefen" sind gerade wegen der Heterogenität der Schüler/innen, der Durchlässigkeit zwischen R- und M-Klassen und der Individualität der einzelnen Schüler zentral. Dies kann aber nur dann entsprechend konsequent und intensiv geleistet werden, wenn Lernziele reduziert werden. In diesem Zusammenhang scheint es auch nicht sinnvoll, in der 8. Jahrgangsstufe das Stundenmaß auf 4 zu reduzieren.

2. Kapitel III: Lehrpläne für die Regelklassen der Hauptschule Jgst. 5 – 9

Im Wesentlichen gibt es kaum Veränderungen bezüglich der Verteilung der Lernziele (LZ) im Fachbereich Mathematik. Demnach aber leider auch keine Kürzungen. Von einer "Entrümplung" des Lehrplans Mathematik kann also nicht die Rede sein. Lediglich das LZ 8.3.3 Prismen wurde in die 7. Klasse vorverlegt, wobei das LZ 8.5.2 "Schaubilder" aus der 8. Klasse genommen wurde.

Die Herausstellung des Erlernens und Vertiefens von Methodenkompetenzen bzw. grundlegenden mathematischen Basisfähigkeiten und -fertigkeiten fehlt in den Jgst. LZ. Gerade basale mathematische Grundlagen tragen zur Durchlässigkeit zwischen R- und M-Klassen bei und schulen Fähigkeiten, die auch in anderen Fächern ihren Stellenwert haben. Würden solche Bereiche integriert werden, müssten demzufolge aber LZ-Bereiche (im Lehrplan und den entsprechenden Prüfungen) gestrichen werden, was wesentlich sinnvoller scheint und nachhaltigere Lernerfolge nach sich ziehen würde.

Bei jedem LZ wird der Bereich "Wiederholen, Üben, Anwenden, Vertiefen" extra herausgestellt – wann aber sollen diese wertvollen Phasen stattfinden, wenn demgegenüber keine LZ gestrichen wurden? Gerade ab der Jgst. 7 sollen den Schülern die Möglichkeiten gegeben sein, aus einer R-Klasse in eine M-Klasse zu wechseln. Diese Durchlässigkeit kann nur dann funktionieren, wenn in den R-Klassen entsprechend viel Zeit zur individuellen Förderung vorhanden ist, die eben in diesen Übungsphasen stattfinden könnte. Es gilt auch hier: Besser in die Tiefe gehen, als in die Breite arbeiten!

Die Inhalte und die Fachbegriffe der einzelnen LZ-Bereiche bleiben im Wesentlichen gleich. Es bestehen keine inhaltlichen Kürzungen! Es werden eher Erweiterungen bzw. Vertiefungen (siehe "Wiederholen…") vorgenommen, als dass man von "Verschlankung" oder Kürzung sprechen kann.

Eine "Niveauabsenkung" gegenüber dem vorausgehenden Lehrplan ist nicht erkennbar, wohlwissentlich, dass das Niveau der jetzigen Schülerpopulation deutlich gesunken ist (siehe Auswirkungen der R6).

In der Jgst. 7 wurde der im LZ 7.1 integrierte Themenbereich "Taschenrechner" als Vorbemerkung vorangestellt und nicht mehr als einzelne LZ ausgeschrieben. Scheinbar soll diese Einführung einfach "nebenbei" passieren, was scheinbar als eine Kürzung der LZ darstellen soll, in der Realität aber doch einige Unterrichtsstunden in Anspruch nimmt.

Im Lehrplan für den M-Zweig sind im Sinne des EAN vertiefende und zusätzliche Inhalte aufgenommen, wobei die Erfahrung zeigt, dass in der M 10 die "neuen" Lehrplanziele (z.B. 10.1, 10.3, 10.5) dann ganz ohne "Unterbau" gelehrt werden müssen. Demzufolge wäre es sinnvoll, vorbereitende Inhalte (z.B. Wachstumsfaktor, lineare Gleichungssysteme) bereits in die 7. – 9. M-Klasse aufzunehmen. Eine andere Möglichkeit wäre, LZ-Bereiche aus der M 10 zu streichen (z.B. die Wahrscheinlichkeitsrechnung oder die beschreibende Statistik) und diejenigen Bereiche zu vertiefen, die bereits in den Jgst. 7 – 9 gelehrt wurden. Selbstverständlich müssten dann die Prüfungsinhalte dementsprechend modifiziert werden.

Eine prinzipielle Frage stellt sich in diesem Zusammenhang: Ist es sinnvoll, dass in vielen Hauptschulen den Schülern der M 9 empfohlen wird, den Quali zu absolvieren? Dies hat nämlich zur Folge, dass die erweiterten Lerninhalte erst einmal zurückgestellt werden und Quali-Vorbereitung betrieben wird. Eine wesentliche Forderung muss in diesem Zusammenhang die "strenge" Auswahl der M 7-Schüler sein, mit der das Konzept, die Zielorientierung und die Effektivität der M-Klassen steht bzw. fällt.

3. ENGLISCH

Nach mehrmaligem Vergleich mit den alten Lehrplänen wird gleich zu Beginn festgestellt, dass der vorliegende Lehrplan hinsichtlich Fachlichkeit und Schülergemäßheit der beste ist, der den Hauptschulen bisher zur Verfügung stand. Dennoch müssen eine Reihe von kritischen Anmerkungen gemacht werden. Leider wird der Lehrplan – trotz der Erkenntnisse über die anders zusammengesetzte Schülerklientel in der Hauptschule (Übertrittsverhalten nach der 4. Jahrgangsstufe) – nicht durch eine Erhöhung der Stundenzahl im R- und M-Bereich begleitet!

Optimal strukturiert und in den einzelnen Lernzielbereichen differenziert ist der Lehrplan gut lesbar und in der Praxis sicher gut umsetzbar. So sind die inhaltlichen Bezüge (0.1) gegliedert in Themengebiete und interkulturelle und landeskundliche Schwerpunkte.

Ersteres beinhaltet naturgemäß britisches und amerikanisches Alltagsleben (wird im Laufe der aufeinanderfolgenden Jahrgangsstufen ausgeweitet auf Geschichte und Tourismus etc.) und (ganz wichtig) aktuelle Interessen der Schüler/innen. Besonders letzteres ist sehr gut geeignet und notwendig, um die persönliche Situation mit der Sprache zusammenzuführen. Daraus wird und muss sich auch der jeweils individuelle Interessenswortschatz des einzelnen Schülers ergeben, der den themenbezogenen fundamentalen Wortschatz des Lehrplans in beträchtlichem Umfang erweitern muss und wird.

Im Bereich Textarten (0.2) werden jeweils die jahrgangsspezifisch geforderten Texte aufgezählt, die verpflichtend einzuführen und zu bearbeiten sind. Hilfreich sind auch hier (wie in allen anderen Bereichen) die Querverbindungen zu den anderen Fächern, sodass ein fächerübergreifendes Arbeiten erleichtert wird. Texte englischer Sprache sind somit viel leichter in anderen Unterricht einzubringen. Das geringe Zeitangebot für Englisch (Stundenmaß) könnte so wenigstens etwas ausgeglichen werden.

Der Bereich Sprache (0.3) stellt detailliert die einzelnen Grobzielebenen Hörverstehen, Sprechen, Leseverstehen, Schreiben, Formen und Funktionen, Wortschatz und Wendung dar.

Der grammatische Bereich ist hilfreich in aktives (Verstehen und Anwenden) und passives (Verstehen) Beherrschen untergliedert.

Hervorzuheben ist die besondere Gewichtung des Wiederholens, Übens, Anwendens und Vertiefens. Diesem didaktischen Prinzip wird durch Berücksichtigung in jedem Grobzielbereich und in jeder Jahrgangsstufe als hauptschulgemäßes Lernen Rechnung getragen.

Überaus erfreulich ist die ausführliche Darstellung von Lerntechniken pro Jahrgangsstufe. Hauptschulgemäßes Lernen braucht hauptschulgemäße Lerntechniken, die auf diesem Weg (natürlich nicht gänzlich) den Lehrkräften nahegebracht werden. Fortbildungen zum neuen Lehrplan müssen diesen Bereich unbedingt ausführlich berücksichtigen.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass eine Kompetenzerweiterung beim Schüler im Sprachlichen wie im Lerntechnischen von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe erkennbar ist.

Als Neuheit wird dem R- und dem M-Lehrplan jeweils eine Liste mit dem geforderten Grundwissen und den erwarteten Kernkompetenzen am Ende der R 9 und der M 10 angefügt. Diese bezieht sich natürlich auf die Lernzielbereiche der Einzellehrpläne und lässt eine Überprüfung des Gelernten schnell zu. Besonders hilfreich ist dies im grammatischen Bereich, am wenigsten aufschlussreich für den Bereich Wortschatz und Wendungen. Bezüglich Letzterem ist aber positiv zu bemerken, dass auch bei diesem Lehrplan wieder auf eine detaillierte Grundwortschatzliste verzichtet wurde. Selbige würde – wie schon einmal gehabt – zu einer "Abhakmentalität" führen und kontextualisierten Wortschatz beeinträchtigen.

Der Wortschatzumfang bezüglich Beherrschung von Vokabeln in Wort und Schrift ist im Vergleich mit dem gültigen fast gleich geblieben (je 450 Wörter pro Jahrgangsstufe) und kommt der Notwendigkeit des Vokabellernens zur Beherrschung einer Sprache entgegen. In der auf den ersten Blick hohen Wortschatzzahl von 600 in der 5. Jahrgangsstufe ist der Wortschatz der Grundschule enthalten, wobei problematisch sein kann, dass der Grundschulwortschatz nicht unbedingt schriftlich gesichert in die Hauptschule kommt. Über den Wortschatz können auch noch schwache Hauptschüler den Bezug zur Fremdsprache behalten.

Hervorzuheben ist, dass der zusätzliche Interessenwortschatz der Schüler/innen über den Computerbereich hinaus erarbeitet werden kann. Auch dies ist sicher hauptschulgemäß. Vorgaben gibt es dazu nicht. Gut ist die Darstellung fachspezifischer Arbeitsweisen und -techniken, die Hervorhebung der rezeptiven Komponente besonders im Bereich des Hörverstehens und somit die Trennung der kommunikativen Bereiche des Hörverstehens und des Sprechens.

Es ist erfreulich, dass der Lehrplan für die 5. Jahrgangsstufe sich auf den Englischunterricht der Grundschule bezieht und die Themenbereiche der Jgst. 3 und 4 auflistet. So werden die Hauptschullehrer/innen in den ersten Wochen Grundgelegtes einbringen lassen, motivational nutzen und weiterführen. Die zu behandelnden Themengebiete lassen dies leicht zu. Hilfreich für die Lehrkräfte wäre der Hinweis, die in der Grundschule angelegten Hefte oder sogar Portfolios einzusehen und als Grundlage für den eigenen Unterricht zu betrachten.

Die Lehrpläne für die M-Klassen machen das erhöhte Anspruchsniveau im Vergleich mit den Regelklassen deutlich sichtbar. Die geforderten Fertigkeiten lassen einen mit der Realschule vergleichbaren Mittleren Abschluss erwarten. Das zugestandene (geringe) Wochenstundenmaß im Regel- wie im M-Niveau besonders der Jahrgangsstufen 7 – 9 stimmt diesbezüglich bedenklich, weil die Stofffülle (naturgemäß) groß ist (sein muss) und doch gerade dem Wiederholen, Üben, Vertiefen und Anwenden so große Bedeutung zugemessen wird (und das braucht halt auch Zeit). Auch die angestrebte Durchlässigkeit zwischen den Hauptschulniveaus und zwischen den einzelnen Schularten scheint dadurch sehr beeinträchtigt. Oder ist es gewollt, dass Durchlässigkeit (nach "oben") nur noch auf dem Papier steht?

Insgesamt wäre eine Erhöhung des Wochenstundenmaßes in allen Jahrgangsstufen unbedingt erforderlich, um vertiefenden und differenzierenden (auch klassenübergreifenden) Unterricht möglich zu machen.

4. PHYSIK/CHEMIE/BIOLOGIE

Keine Veränderung der Themenfelder im Fach PCB ist den Jgst. 5 – 8 festzustellen. Lediglich in der 9. und 10. Jgst. wurden einzelne Themenbereiche umbenannt und aktualisiert.

Wünschenswert wäre es, auch in PCB – ähnlich wie in GSE – als verbindliche Lerninhalte die fachspezifischen Arbeitsweisen und Arbeitstechniken (Methodenkompetenz) einzuführen.

Beim Themenbereich 5.3.2 "Pflanzen im Umfeld der Schule" müsste die Bedeutung der heimischen Flora besonders hervorgehoben werden. Dazu sollten Hinweise gegeben werden, je nach Standortmöglichkeiten, dass die Schüler/innen selbst – im Sinne der Freilandbiologie – heimische Stauden im Umfeld der Schule pflanzen könnten. (Vgl. dazu Richtlinien für die Umweltbildung an den bayerischen Schulen vom 22.01.2003, Themenfeld 3.1 "Bedeutung und Schönheit der Natur, Artenvielfalt, Ökosysteme".) Die Verbindlichkeit des Unterrichtens in der freien Natur müsste viel deutlicher betont werden. Wie sollen die Schüler/innen zu einem "einfühlsamen Verstehen der Natur" geführt werden, wenn der Großteil des Unterrichts im Klassenzimmer stattfindet?

Der Begriff der "Nachhaltigen Entwicklung" (sustainable development) im Sinne der Agenda 21 wird erst in der 9. Jgst. beim Themenbereich 9.1 "Lebensgrundlage Energie" genannt.

Das Fach PCB müsste bereits ab der 5. Jgst. im Sinne der Kinder-Agenda bei einzelnen Themenbereichen schülergemäß mit dem Begriff der Nachhaltigkeit arbeiten bzw. den Begriff einführen. Ziele der Umweltbildung im Schulalltag bzw. im lokalen Umfeld müssten stärker sichtbar gemacht werden.

Beim Themenbereich 8.1 "Boden – Lebensgrundlage und Lebensraum" sollte im Sinne der nachhaltigen Bodennutzung als Projektvorschlag – wie im Fach GSE – auf die Möglichkeit einer naturnahen Schulgeländegestaltung hingewiesen werden.

Die Richtlinien für die Umweltbildung an den bayerischen Schulen müssten stärker im PCB-Lehrplan integriert werden. Diese Richtlinien haben als tragendes Leitziel die "Nachhaltige Entwicklung". Auch im Fachprofil des Faches PCB müsste dieser Begriff genannt sein (etwa bei den Aufgaben und Zielen des Faches).

5. GESCHICHTE/SOZIALKUNDE/ERDKUNDE

Der Lehrplan ist nicht völlig neu. Die bisherigen Themen und Lernbereiche wurden für den Regelbereich weitgehend übernommen. Um der zurecht kritisierten Stofffülle entgegenzutreten, wurden auch frühere Lerninhalte gestrichen, z.B. in der 6. Jgst. der Themenbereich Wasser. Von einer Entfrachtung des Lehrplans kann aber nicht gesprochen werden, da andererseits neue Lerninhalte mitaufgenommen wurden. Manche Themenbereiche wurden zurecht umgestellt: Das Thema "Gewalt im Alltag" (bisher 8. Jgst.) heißt jetzt "Umgang mit Konflikten" und wird in der 6. Jgst. behandelt. Eine richtige Entscheidung.

Die fächerübergreifenden Bildungsaufgaben (im Lehrplan von 1997 sozialkundlich ausgerichtet) wurden aufgelöst und die Inhalte neu in Themenbereiche eingearbeitet. Der Sozialkundestrang hat jetzt einen völlig neuen Zuschnitt erhalten.

Die Sozialkundethemen zeigen einen inhaltlich stimmigen Aufbau:

  • 5. Jgst.:
    Leben in Familie und Schule
    Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft
  • 6. Jgst.:
    Umgang mit Konflikten in der demokratischen Gesellschaft
    Freizeit
  • 7. Jgst.:
    Die Gemeinde als politischer Handlungsraum
    Jugendliche im Rechtsstaat
  • 8. Jgst.:
    Die Bundesrepublik – ein Sozialstaat
    Demokratie in Deutschland
  • 9. Jgst.
    Globale Zusammenarbeit für Sicherheit und Frieden
    Ein aktuelles Thema
  • 10. Jgst.:
    neu kommt hinzu: 10.6 Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung

Die Zuordnung der Fachbezeichnungen Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde ist bei der Themenzuordnung erfreulicherweise weggefallen.

Die Methodenkompetenz (Arbeitsweisen, Arbeitstechniken) wurde in jeden Themenbereich eingearbeitet, d.h. in jedem Themenbereich wird eine Arbeitsweise bzw. Arbeitstechnik jetzt verbindlich ausgewiesen. Leider ist es nicht gelungen eine Art Curriculum dieser Methodenkompetenz aufzubauen, z.B. ein Curriculum "Kartenarbeit".

Bei einigen Themenbereichen sind neue Zuschnitte erfolgt, z.B. in der 7. Jgst. beim Thema 7.2 "Klima". Hier wurden – man vgl. die aktuelle umweltpolitische Diskussion – völlig zurecht unter 7.2.2 "Reaktionen auf die Klimaveränderung" eingearbeitet.

Die vorgenommene Kürzung beim Themenbereich 8.6 "Demokratie und NS-Diktatur" ist höchst fragwürdig. Das verbrecherische System des Nationalsozialismus müsste auch weiterhin als eigener Themenbereich behandelt werden.

Das Fachprofil für GSE nennt zwar die Bedeutung eines regional- und heimatgeschichtlichen Zugriffs. In den einzelnen Lerninhalten taucht diese Zugangsweise leider kaum mehr auf.

Der Katalog "Grundwissen und Kernkompetenzen" nach der 9. Jgst. (R) unterscheidet sich nur unwesentlich vom Grundwissen und den Kernkompetenzen nach der M 10; d.h. hier müsste eine qualitative wie auch quantitative Differenzierung stattfinden.

6. ARBEIT/WIRTSCHAFT/TECHNIK (ARBEITSLEHRE)

1. Stundenverteilung

Einerseits ist eine Profilbildung ab der 5. Jahrgangsstufe zu begrüßen. Andererseits erscheint ein einstündiges theoretisch orientiertes Fach pädagogisch und didaktisch fragwürdig. Stattdessen wäre eine Verknüpfung der theoretischen mit den arbeitspraktischen Inhalten anzustreben.

2. Lernzieldimension

Das Bildungsziel Technik bekommt im neuen Lehrplan eine bedeutendere Gewichtung, ja wird zum eigenständigen Themenfeld. Ebenso wird das Erlangen von Methodenkompetenzen vor allem im Hinblick auf die Berufsorientierung als verpflichtendes Lernziel in alle Jahrgangsstufen aufgenommen. Das Fach bildet sein Profil vor allem durch das Methodentraining. Dazu zählt die Beschaffung von Informationen, die Durchführung von Erkundungen (mindestens drei; vorher vier verpflichtend) und Betriebspraktika (in M 8 eine Woche, in M 9 eine Woche; vorher zwei Wochen in Jgst. 8), Projektarbeit (projektorientierter Unterricht in Jgst. 5 und 6, verpflichtende Projekte ab R 7/M 7; ohne Ortsbezug, vorher mit Ortsbezug), Gründung einer Schülerfirma in M 10), Anwendung von Simulationsmethoden, und die Übernahme methodischer Skills, Markieren, Nachschlagen, Gliedern, Beobachten, Fragen, Protokollieren... Bei der Auseinandersetzung mit fachlichen und projektmethodischen Inhalten in der Projektarbeit sind keine Unterschiede zwischen dem R- und M-Bereich festzustellen. Im M-Zug werden die projektmethodischen Ziele lediglich durch die Begriffe "möglichst eigenständig vorgehen" ergänzt.

Durch die Vermittlung jener Arbeitsweisen und Arbeitstechniken wird die Zieldimension neben den je Jahrgangsstufe angegebenen Grobzielen erweitert. Weiterhin werden die zu vermittelnden Kompetenzen "Grundwissen und Methodenkompetenzen" aus den verschiedenen Themenfeldern, z.B. "Arbeit und Beruf", am Ende der R 9 und nach der M 10, aufgeführt. Die einzelnen Kompetenzen bzw. Wissensfragmente werden dort den verschiedenen Jahrgangsstufen zugeordnet.

3. Lerninhaltliche Dimension

Hier sollte zwischen den Themenfeldern der 5./6. und den Perspektiven ab Jahrgangsstufe 7 unterschieden werden.

Themenfelder der 5./6. Jahrgangsstufe: Arbeit, Arbeit und Technik, Arbeit und Haushalt, Arbeit und Wirtschaft, Arbeit und Beruf. Der Zugang zum Begriff "Arbeit" soll hauptsächlich über die Arbeitsplatzerkundungen (in der Schule, Freizeit) erfolgen.

Ab Jgst. 7 ändern sich die Dimensionen: Arbeit/Wirtschaft/Technik wird zu einem großen Lernfeld mit Wahlmöglichkeiten, unterschiedlichen Gegenstandsfeldern, Methoden, Raum zum Üben, Wiederholen, Anwenden und Vertiefen zur Erlangung und Festigung des Grundwissens, mit der Differenzierung in R- und M-Züge.

Durch die Einführung in 5 und 6 ergeben sich inhaltliche Verschiebungen: Ausgehend von "Mensch und Technik" Jgst. 5 rücken nun "Geld in Schülerhand", sowie "Eigene Stärken und Schwächen erkennen" in Jgst. 6 vor (vorher in Jgst. 7). Hieß es vorher in Jgst. 7 "Arbeit und Wirtschaft im priv. Haushalt", so kommt nun der Begriff "Technik" explizit hinzu. War vorher der Schwerpunkt der "Berufsorientierung" in Jgst. 8, so beginnt diese nun in Jgst. 7. "Erkundungen" beginnen statt in Jgst. 7 bereits ab Jgst. 5. Ebenso sollen sich die Schüler den "Schullaufbahnüberblick statt in Jgst. 7 nun schon in Jgst. 6 verschaffen.

In Jgst. 9 haben die Schüler die Wahlmöglichkeit sowohl bei Projekten zwischen "Wohnen – Wunsch und Wirklichkeit" und "Schüler testen Dienstleistungen oder Waren" (keine Wahlmöglichkeit vorher bei Projekten in Jgst. 7/8/9), als auch bei eigenen Erkundungen ("Personalpolitik" oder "Mensch und Ökologie im Betrieb").

In der M 10 besteht die Wahlmöglichkeit zwischen "Schüler gründen Schülerfirma" und "Struktur und Entwicklung des regionalen Wirtschaftsraumes". Pflicht wird die "Aktienbörse", das Unternehmensplanspiel fällt weg (vorher "Unternehmensplanspiel" oder "Aktienbörse" in Jgst. 10).

Sowohl die Zieldimension als auch die inhaltliche Dimension laufen im M-Zug parallel zum R-Zug.

4. Fazit

Durch die veränderte Schülerschaft (auf flächendeckende Einführung der R6 zurückzuführen) werden die "neuen Hauptschüler" bereits ab der 5. Jahrgangsstufe an das Themenfeld Arbeit und Technik herangeführt. Angesichts der Feststellung der Wirtschaft, die Schüler/innen interessierten sich nicht mehr für technische und naturwissenschaftliche Ausbildungsgänge, eine zukunftsweisende Maßnahme. Aufgrund des Methodentrainings wird das Fach Arbeit/Wirtschaft/Technik zum profilbildenden Fach der Hauptschule. Durch die Nennung eines Grundwissen- und Methodenkompetenz-Kataloges liegt allerdings der Verdacht nahe, dass dies zu erreichende Bildungsstandards werden sollen. Dabei wird die Abhängigkeit von regionalen wirtschaftlichen Gegebenheiten und des regional unterschiedlichen Schülerpotentials außer Acht gelassen.

Durch die Verschiebung von Inhalten im R-Bereich mittels der Einführung des Faches in den Jgst. 5 und 6 kann in der 8. Jahrgangsstufe gezielter und zeitintensiver die Berufswahlvorbereitung (Vorstellungsgespräch, Bewerbung, Arbeitsplatzsuche etc.) stattfinden. Der jeder Sequenz anhängende Bereich "Üben, Wiederholen Anwenden, Vertiefen" ist zwar gut gedacht, jedoch bleibt eine Umsetzung auf Grund der weiterhin immensen Stofffülle sehr fraglich. Dazu kommt noch, dass das Fach bis einschließlich Jgst. 7 einstündig bleibt.

Zudem besteht die Gefahr, aufgrund der separaten Ziel- und Inhaltsangabe für den R- und M-Bereich eine Zweigliedrigkeit innerhalb der Hauptschule zu fördern. Damit hätten wir dann ein viergliedriges Schulsystem. Die P-Klassen werden hier noch nicht addiert. Diese Entwicklung läuft allen Ergebnissen der PISA-Studie zum Trotz in die falsche Richtung. Leider wird auch auf die Kritik "Projektverpflichtung" und die fragwürdige "Einstündigkeit des Faches" keine Rücksicht genommen.

7. KUNSTERZIEHUNG

1. Allgemeine Bemerkungen

Im Fachprofil Kunst sollte ergänzend zu den differenzierten und fachkompetenten Ausführungen noch aufgenommen werden, dass Schule und Kunstunterricht neben der Vermittlung vergangener Werte besonders auf aktuelle und zukunftweisende Phänomene und Probleme hinzuweisen hat. Kunstunterricht hat neben der Förderung der Erlebnisfähigkeit die Sensibilität zu steigern, aber auch besonders zur Entwicklung und Einübung kreativer Verhaltensweisen zu führen, sowohl im künstlerischen wie auch wissenschaftlichen Bereich.

Diese Eigenschaften (Sensitivitiät, Aufnahmebereitschaft, Originalität, Umgestaltungsfähigkeit, analytisches und synthetisches Denken) lassen sich durch entsprechende künstlerische Betätigung und Übung entwickeln und fördern.

Es sollte auch erwähnt werden, dass Kunstunterricht und Kunst nicht mehr Privatsache oder Vorrecht privilegierter Gesellschaftsschichten ist, sondern Mittel zur Bewältigung und Veränderung gesellschaftlicher Wirklichkeit. Kunstunterricht besitzt Merkmale und Potentiale, die künftig eine herausragende Rolle spielen werden: die Tendenz zur Individualisierung, die Veränderungen durch die hohe Innovationsgeschwindigkeit, Vernetzungen durch Globalisierung, Verwendung neuer Kommunikationsmöglichkeiten und sinnvolle Nutzung der vermehrt zur Verfügung stehenden Freizeit.

2. Anmerkungen zu den Lernbereichen in Jgst. 6 bis Jgst. 10

Die Differenzierung in die fünf Lernbereiche ist fachspezifisch begründet und logisch durchdacht. Neben dem praktischen Gestalten ist mit der Kunstwerkbetrachtung ein sinnvolles theoretisches Äquivalent geschaffen, welches das eigene Tun vertieft, ergänzt und bereichert.

3. Bemerkungen zu den einzelnen Jahrgangsstufen

In der 6. Jgst. "Kunstbetrachtung" ist im "Gestalten" die Gefahr gegeben, dass z.B. beim Formen eines Figurenkapitells oder Entwerfen eines Glasfensters nur vorgegebene Formen oder Modelle reproduziert werden.

In der 7. Jgst. "Gestaltete Umwelt" sollte auch der Töpfer Erwähnung finden.

In der 8. Jgst. 8.1 "Räumlichkeit entdecken", müsste unter "Betrachten" bei den ausgewählten Werken der Malerei unbedingt die Pop-art mit aufgenommen werden.

In den Jgst. 9 und 10 sollte der Bildbearbeitung mit dem Computer mehr Bedeutung beigemessen werden!

4. Schlussbemerkungen

Mit der Arbeit und dem Ergebnis kann man sehr zufrieden sein, da die Intentionen eines modernen Kunstunterricht voll realisiert wurden. Den Schülern werden alle wichtigen kunstgeschichtlichen Epochen näher gebracht und auch Tendenzen und Strömungen zeitgenössischer Kunst nicht ausgeblendet. Das praktische Gestalten wird durchwegs mit interessanten Beispielen und Aufgaben realisiert, die aus der Erfahrungswelt der Schüler/innen entnommen sind und mit denen sie sich identifizieren können.

Grundvoraussetzung zur Umsetzung dieses ausgezeichneten Lehrplanentwurfs ist allerdings, dass kompetent und qualifiziert ausgebildete Fachlehrkräfte in genügender Zahl zur Verfügung stehen – und dies scheint derzeit nur bedingt der Fall zu sein.

Mit Nachqualifikationen an zwei Nachmittagen bzw. Wochenendlehrgängen oder sogenannten Crash-Kursen kann das hohe Anspruchsniveau des Lehrplans nicht erreicht werden, das würde auch dem pädagogischen Gewicht des Faches in unserer modernen Gesellschaft nicht gerecht werden. Jeder noch so gute Lehrplan ist nur so gut wie das Ausbildungsniveau der unterrichtenden Lehrkräfte.

8. BUCHFÜHRUNG

(Wahlfach 9. und 10. Jahrgangsstufe) Im Kommunikationstechnischen Bereich der 9. (Regelklasse und M-Zug) und 10. Jahrgangsstufe kann wahlweise ein Buchführungsbereich einbezogen werden, als Ausgleich können besonders gekennzeichnete Lernbereiche weggelassen werden. Man beabsichtigt damit, die Schüler/innen für spätere kaufmännische Tätigkeiten besser zu qualifizieren.

Durch die zusätzliche Bereitstellung des Wahlfachs Buchführung besteht die Möglichkeit, kaufmännische Qualifikationen zu erweitern und zu vertiefen. Anhand praktischer Aufgaben aus dem Privat- und Wirtschaftsleben lernen die Schüler Einnahmen und Ausgaben zu überwachen und zu verwalten. Sie erhalten einen Einblick in die Finanzierung eines Betriebes, unterscheiden verschiedene Betriebsformen hinsichtlich des Aufbaus und der Organisation. Die Schüler/innen befassen sich außerdem mit Vermögen und Schulden eines Unternehmens und sollen mithilfe von Bilanzen Betriebe beurteilen. Sie arbeiten mit Konten und Buchungen und befassen sich mit der Bedeutung des Eigenkapitals.

Die Schüler/innen werden durch das Wahlfach Buchführung in die Lage versetzt, Betriebsabläufe und die Organisation von Firmen kennen zu lernen. Außerdem soll der Unterricht des Wahlfachs Buchführung dazu beitragen, dass die Schüler in kaufmännischen Berufen besser Fuß fassen, indem eine Vorbereitung auf die Belange der Berufsschule und des späteren Arbeitsplatzes erfolgt. Nicht zuletzt gewinnen die Schüler einen Einblick in die Anforderungen und Gegebenheiten bei Firmengründungen (z.B. auch unter dem derzeit aktuellen Stichwort "Ich-AG").

9. KOMMUNIKATIONSTECHNISCHER BEREICH

(Pflicht- und Wahlpflichtfach 7. bis 10. Jahrgangsstufe) Das Fach Kommunikationstechnischer Bereich hat die Aufgabe, die Schüler/innen an die modernen Informations- und Kommunikationstechniken heranzuführen, die zunehmend zur Bewältigung des privaten und des beruflichen Alltags genutzt werden. Die Schüler lernen die Funktionsweise sowie den verantwortungsvollen und umweltbewussten Einsatz der Computeranlage und weiterer Kommunikationsmittel kennen. Sie setzen sich mit der Bedeutung und dem Nutzen der modernen Kommunikationstechniken für den Informationsaustausch im privaten, öffentlichen und beruflichen Leben auseinander.

Die Schüler/innen lernen, die Tastatur und weitere Eingabegeräte fachgerecht und rationell zu bedienen. Sie erstellen und gestalten Texte am Computer. Das Internet wird zur Informationsgewinnung, zum Datenaustausch und zur Präsentation genutzt. Bild- und Textmaterial werden bearbeitet und damit Präsentations- und Printmedien erstellt. Sie verarbeiten Zahlenmaterial mithilfe der Tabellenkalkulation, führen Berechnungen durch und stellen Ergebnisse grafisch dar.

Beim Erlernen des Tastschreibens steht das systematische und ausdauernde Üben im Vordergrund. Die Arbeit im Kommunikationstechnischen Bereich orientiert sich einerseits an Normen und Standards, andererseits werden bei offenen Aufgabenstellungen kreative, eigenständige und praxisorientierte Lösungen angestrebt, die vom Schüler Transferleistungen und Organisationsfähigkeit verlangen.

Im Bereich der Schule kann das Fach Kommunikationstechnischer Bereich als Schlüsselfach für das Erlernen des Umgangs mit kommunikationstechnischen Medien angesehen werden. Beim Einsatz des Computers in anderen Unterrichtsfächern kann somit der computertechnische Schulungsbedarf auf ein Minimum reduziert werden. Beim fächerübergreifenden Unterricht können die Schüler des Kommunikationstechnischen Bereichs die computerelevanten Aufgabenbereiche übernehmen.

Die Hauptaufgabe, den zu überarbeitenden Hauptschullehrplan präziser an die unterschiedlichen Anforderungen der Regelschüler und des Mittlere-Reife-Zugs anzupassen, ist gelungen. Die Anforderungen im Mittlere-Reife-Zug heben sich von denen der Regelklasse durch umfangreichere Aufgabenstellungen, vertiefte Erarbeitung, Vorziehen von Lernbereichen und der Forderung nach mehr Selbstständigkeit ab.

In der 7. Jahrgangsstufe wurde dem Kommunikationstechnischen Bereich als einzigem Fach der arbeitspraktischen Fächer nur ein Kontingent von einer Wochenstunde zugeteilt. Für diese Entscheidung kann kein Verständnis aufgebracht werden. Insbesondere das Kapitel 7.4 Projekt "Schüler arbeiten und wirtschaften für einen Markt – Erstellen eines Printprodukts" überfrachtet den Lehrplan der 7. Jahrgangsstufe. Der Unterricht in diesem Bereich wird höchstwahrscheinlich dann so gestaltet, dass mit Pseudo-Layoutprogrammen vorgefertigte Printprodukte wie z.B. Visitenkarten und Glückwunschkarten unter Vernachlässigung produktiver und kreativer Lernprozesse geladen und gedruckt werden.

In der 9. (Regelklasse und Mittlere-Reife-Zug) und 10. Jahrgangsstufe kann wahlweise ein Buchführungsbereich einbezogen werden, als Ausgleich können besonders gekennzeichnete Lernbereiche weggelassen werden. Man beabsichtigt damit, die Schüler/innen für spätere kaufmännische Tätigkeiten besser zu qualifizieren.

Beim Unterricht des Kommunikationstechnischen Bereichs der M 10 steht das Bearbeiten komplexer Aufgaben unter Zuhilfenahme des Erlernten aus den vorausgegangenen Jahren im Mittelpunkt. Diese Tatsache ist sehr positiv zu bewerten. Der Unterrichtsstoff orientiert sich an betrieblichen Vorgängen, die unter dem Aspekt einer zu gründenden Schülerfirma bearbeitet werden sollen.

Die fachlichen Lerninhalte des Kapitels 10.1 "Schüler gründen eine Schülerfirma" der M 10 beinhalten reinen Arbeitslehre- bzw. Wirtschaftskundeunterricht, der die Belange des Kommunikationstechnischen Bereichs bezüglich Stoffgebiet und Zeitrahmen überfordern wird. Soweit tiefgründiger auf die Fülle und Komplexität der genannten Begriffe eingegangen werden soll, muss dabei eng mit der Arbeitslehre kooperiert werden.

Fazit

Das Unterrichtsfach Kommunikationstechnischer Bereich hat nicht nur eine gelungene Umbenennung erfahren, es kann durch seine fortschrittliche sowie lebensnahe und Schlüsselqualifikationen fördernde Stoffauswahl mit dazu beitragen, dass die Schüler/innen gerne an diesem Unterricht teilnehmen, da sie erfahren, dass sie für ihr jetziges und zukünftiges Lebensumfeld qualifiziert werden.

10. GEWERBLICH-TECHNISCHER BEREICH

1. Ziele und Inhalte

Wünschenswert wäre eine Ergänzung des fehlenden Realitätsbezugs, beispielsweise durch einen Vergleich der eigenen Arbeitsergebnisse mit handwerklichen oder industriellen Lösungen sowie dem Erkennen und Begründen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

2. Fachspezifische Methoden

Eine konsequentere Formulierung wäre besser, beispielsweise "Vorgefertigte Bausätze sind nach Möglichkeit nicht zu verwenden".

3. Lehrpläne für die Regelklassen der Hauptschule

GtB 7

7.1 "Technisches Zeichnen" Sehr zu begrüßen ist die Elementarisierung auf den Bereich Skizzieren als vorangestelltem Lehrgang und die Verknüpfung mit den Werkbereichen.

7.2 "Projekt Das Fahrrad"
Die Projektdurchführung 7.2.4 enthält u.a. das Prüfen von Lichtanlagen, Bremsen, Schaltungen, etc. Hierbei ist der Einsatz von Fachpersonal, allein aus Gründen der Unfallsicherheit, als MUSS zu formulieren. Problematisch erscheint auch die Ermittlung/Bedarfsberechnung von Material und Werkzeug (sehr spezielle Fachkenntnisse erforderlich), zumal sinnvollerweise keine weitere praktische Anwendung vorgesehen ist (Sicherheitsrisiko).

GtB 8

8.1 "Technisches Zeichnen" Eine Grundeinführung in das Technische Zeichnen am Computer sollte nicht den M-Schülern vorbehalten bleiben. Gerade in Verbindung mit dem Bereich 8.4 bietet sich für alle Schüler/innen ein absolut praktikabler und realitätsbezogener CAD-Einstieg an.

Dringend erforderlich ist zumindest für den GtB der 8. Jgst. eine Erhöhung der Unterrichtsstunden von 2 auf 3.

GtB 9

9.4 "Technisches Umfeld – Arbeitsmaschine"
Die Einschränkung auf "Maschinentechnik" sollte zumindest in eine Wahlmöglichkeit (wie in der Jahrgangsstufe M 10, Elektro oder Maschine) umgewandelt werden. Sinnvoller ist selbstverständlich sowohl eine Grundlegung der Maschinentechnik wie auch eine Weiterführung der E-Technik (z.B. Grundlagen der Elektronik).

Grundwissen und Kernkompetenzen 9

Aufgrund der erfreulichen Freiräume im Lehrplan ist dieser Teil eine sehr gute Möglichkeit zur Kennzeichnung des grundlegenden Leistungsniveaus.

Grundwissen und Kernkompetenzen für den Themenbereich "Technisches Zeichnen" enthalten folgende Unklarheiten:

  • "Zeichengeräte und -programme situationsbezogen auswählen und anwenden": Zeichenprogramme sind weder in der 7. noch in der 8. Jahrgangsstufe vorgesehen. Wie bereits vorgeschlagen, wäre dies ab der 8. Jahrgangsstufe (z.B. in E-Technik) jedoch sehr sinnvoll.
  • "Werkstücke bzw. Teilbereiche von Werkstücken mit einem CAD-Programm räumlich darstellen": Die Einschränkung auf "räumlich darstellen" ist nicht sinnvoll. Vom virtuellen Modell können und sollten räumliche Darstellungen und Tafelprojektionen/Werkzeichnungen errechnet werden.

4. Lehrpläne für den Mittlere-Reife-Zug der Hauptschule

GtB M 8

8.1 "Technisches Zeichnen" Nicht nur Erstellen, auch Erzeugen von Schaltzeichnungen (mit CAD-Programm).

Grundlagen CAD sind ab dieser Jahrgangsstufe sehr wichtig (z.B. Vergleichbarkeit RS) und sinnvoll. Die Einschränkung auf 3D sollte jedoch in Alternativwahl 2D/3D abgewandelt werden.

GtB M 9

9.3 "Technisches Umfeld – Arbeitsmaschine"
Die Einschränkung auf "Maschinentechnik" sollte zumindest in eine Wahlmöglichkeit (wie in der Jahrgangsstufe M 10, Elektro oder Maschine) umgewandelt werden. Speziell bei den Schülern der M-Züge wäre sowohl eine Grundlegung der Maschinentechnik als auch eine Weiterführung der E-Technik (z.B. Grundlagen der Elektronik) am sinnvollsten.

Grundwissen und Kernkompetenzen 9

Grundwissen und Kernkompetenzen für den Themenbereich "Technisches Zeichnen" enthält folgende Unklarheit: "Zeichengeräte und -programme situationsbezogen auswählen und anwenden". Zeichenprogramme sind in der 7. Jgst. nicht vorgesehen und können somit nicht ausgewählt und angewendet werden.

11. WERKEN/TEXTILES GESTALTEN/PRAKTISCHE ARBEITSLEHRE

1. Vorbemerkung

Im Lernfeld "Arbeit – Wirtschaft – Technik" werden die Fächer Arbeitslehre und Werken/Textiles Gestalten/Praktische Arbeitslehre zusammengefasst – dies bedeutet, dass Arbeitslehre als Leitfach für das praktische Fach WTG zu verstehen ist.

2. Fachprofil

Als erfolgversprechend ist die Organisation nach Lernbereichen zu sehen, weil damit einer Zerstückelung des Faches entgegengewirkt werden kann.

3. Zum Inhalt

Die Inhalte weisen zum Teil eine hohe Eigenständigkeit auf, die den Fachegoismus verstärken können und deshalb eine Vernachlässigung von gewichtigen Lernbereichen nicht ausschließen lässt. Zwar lassen die vielfach zur Auswahl gestellten Materialien eine schülerbezogene Wahl der Inhalte zu. Dies birgt aber auch die Gefahr, dass bei einseitiger Materialauswahl eine Übergewichtung entsteht.

Durch die Erweiterung des Themenangebotes mit Lerninhalten der praktischen Fächer (besonders aus HsB und KbB) ab der 7. Jahrgangsstufe sind für den Umfang der Ziele und Inhalte dieses Fächerkomplexes für die 5. und 6. Jahrgangsstufe 2 Wochenstunden in der Stundentafel zu wenig!

Daraus ergibt sich:

  • Gesundheitsbewusstes Verbraucherverhalten ist als Unterrichtsprinzip in alle Fächer einzubinden.
  • Die EDV-Grundlagen können nur unter dem Aspekt der Informationsbeschaffung, als "Handwerkszeug" für die anderen Lernbereiche gesehen werden. Sonst wäre eine inhaltliche Ausuferung dieses komplexen Faches vorprogrammiert. In der Gestaltung und Darstellung des Lehrplans sollten diesbezüglich klare Vorgaben und Unterordnungen festgelegt werden.

Sehr positiv sind in den Lehrplänen beider Jahrgangsstufen die Hinweise zum Wiederholen, Üben und Anwenden zu sehen. Dazu muss aber der entsprechende Freiraum geschaffen werden.

Der Lehrplan ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem aktuellen Lehrplan WTG. Er ist offen gehalten und lässt Interpretationsmöglichkeiten für konkrete Klassensituationen zu, wobei das Lern- und Leistungsvermögen der Schüler/innen berücksichtigt werden kann.

4. Lehrereinsatz

Der Lehrplan fordert weitreichende Handlungskompetenz seitens der Lehrer/innen bei der Umsetzung im Unterricht. Qualifizierte Fortbildungen für die in WTG/PAL eingesetzten Lehrkräfte sind zwingend erforderlich. Darüber hinaus ist sicher zu stellen, dass die Ausbildung der Fachlehrerinnen und Fachlehrer der Schulpraxis schnellstmöglich angepasst wird.

12. HAUSWIRTSCHAFTLICH-SOZIALER BEREICH

1. Allgemeines

Das Fach HsB ist dem Leitfach Arbeitslehre zugeordnet und gehört zum Lernfeld Arbeit – Wirtschaft – Technik. Das ermöglicht aufgrund einer durchgängigen, transparenten Strukturierung über die einzelnen Jahrgangstufen hinweg eine mehr ganzheitliche, realitätsnahe Aufbereitung der Inhalte. In den Lehrplänen ausgewiesene Verknüpfungen der Lernziele und Lerninhalte erleichtern diese Arbeit.

2. Fachprofil

Schwerpunkt der Unterrichtsarbeit ist das Lernen in konkreten Situationen, also Erfahrungslernen. Primäre Lernerfahrungen gewährleisten den Schüler/innen neben der Übernahme der Erfahrungen anderer intensive Lernerfolge. Dieser Aussage wird im "gedanklichen Durchdringen bei praktischem Tun" voll Rechnung getragen.

Erfolgversprechend ist auch in diesem Zusammenhang das Angebot der Lernsequenzen in der Schule und an außerschulischen Lernorten, das inhaltlich gezielt auf die Arbeits- und Wirtschaftswelt ausgerichtet ist. Es kann mehr auf die Situation vor Ort eingegangen werden. Sehr positiv ist die Ausweisung von Üben, Sichern und Wiederholen zur Festigung von Grundwissen und Kernkompetenzen.

Das Angebot der Inhalte in Modulen wird der Lernsituation des einzelnen Schülers gerecht und ermöglicht individuelle Förderung. Auf die gegenwärtig dringend notwendige Ausbildung von Sozialkompetenz der Schüler/innen wird sowohl bei Zielen und Inhalten als auch bei Methoden/Verfahren nachdrücklich verwiesen.

Die Trennung der Anforderungen in Regelklassen und M-Zug, die anfangs befremdlich erscheint, ergibt sich notwendiger Weise aus den Kriterien für den Mittleren Bildungsabschluss.

3. Lehrpläne in den einzelnen Jahrgangsstufen

Die für alle Jahrgangsstufen angebotenen Handlungsfelder – "Haushalt und Ernähren", "Aktuelle Entwicklung", "Soziales Handeln im Bezugsrahmen des Haushalts", "Nutzen des Computers", "Projekte" – sind in adäquate Lernbereiche mit zunehmender Komplexität der Inhalte gegliedert und gewährleisten durch Verknüpfung ganzheitliche Betrachtungsweisen.

7. Jahrgangsstufe R

Die Lernbereiche in "Haushalt und Ernähren", wie "Planen und Beschaffen", sind zum Teil schon in den Jgst. 5 und 6 angesprochen worden und werden jetzt sinnvoll weitergeführt. "Gesunderhalten und Ernähren" als ganzheitliche Aufgabe ist wichtig im Leben eines Menschen. Nur müsste diese Gesundheitserziehung ab der 1. Jgst. aufbauend angegangen werden. "Lebensmittel auswählen und verarbeiten" konkretisiert Gesundheitserziehung bei der Nahrungszubereitung in schülerangemessener Form. "Technische Hilfen im Haushalt nutzen" ist eine wichtige Forderung im Zusammenhang mit der Verarbeitung von Nahrungsmitteln. Besonders begrüßenswert ist der Lernbereich "Aktuelle Entwicklungen/Tendenzen/Trends im Haushalt". Hierfür wird ein offener Jahresarbeitsplan, der Klassensituation angepasst, erforderlich.

"Soziales Handeln im Bezugsrahmen des Haushalts" fordert den Schüler als sozialen Partner im Lern- und Arbeitsprozess. Eine wichtige Aufgabe ist auch die Pflege von Esskultur als Lebensstil, da gemeinsames Essen in der Familie bei vielen Schüler/innen nicht mehr gegeben ist. Aber gerade Esskultur ist wie ein Aushängeschild der Gesellschaft, sie wird über längere Zeiträume geprägt und ist deshalb von enormer Bedeutung.

"Nutzen des Computers zur Informationsbeschaffung und -verarbeitung" sollte neben anderen Medien nur als Informationsquelle gesehen werden, um ein Ausufern der Inhalte zu vermeiden.

"Projekte im hauswirtschaftlich-sozialen Bezugsfeld": Hier wird auf Sachverhalte aus "Haushalt und Ernähren" oder aus "Soziales Handeln" fächerverknüpfend verwiesen (Al 7.3; KtB 7.4). Damit wird die mehr ganzheitliche Sichtweise der Inhalte den Schülern bewusst gemacht. Die Aufschlüsselung der Projektschritte erleichtert das gemeinsame Arbeiten der Schüler/innen.

Besonders hilfreich für die Unterrichtsarbeit erweisen sich die Überlegungen zum Schüler, zu den Besonderheiten der Jahrgangsstufe bezüglich der entwicklungspsychologischen Aspekte und der pädagogischen und unterrichtlichen Schwerpunkte. Sie unterstützen das Bewusstmachen der konkreten Klassensituation.

8. Jahrgangsstufe R

Schwerpunkt in dieser Jahrgangsstufe ist das Projekt "Generationen begegnen sich", das gemeinsam mit dem Fach KtB geplant und gestaltet wird. Positiv von der Zielsetzung her ist das Hinführen zu selbständigem Arbeiten im Handlungsfeld "Haushalt/Ernähren". Es handelt sich hier um Fähigkeiten/Kernkompetenzen, die das Gelingen einer Lebensplanung von den Rahmenbedingungen her beeinflussen.

Zum Selbständigwerden der Schüler/innen verhilft weiterhin das Handlungsfeld "Aktuelle Entwicklungen" unter dem Gesichtspunkt der Meinungsbildung als Entscheidungsgrundlage. Im "Sozialen Handeln" steht als wichtiges Lernziel das Arbeiten im Team und in der Betreuungssituation zur Schulung der Sozialkompetenz im Vordergrund. Dies dient der Berufsvorbereitung ebenso wie das vorgesehene Projekt. Die Berufsorientierung ist in der 8. Jgst. ein zentrales und fächerübergreifendes Ziel, denn hauswirtschaftliche Berufe, wie sie u.a. im Betriebspraktikum kennen gelernt werden, sind durchaus erstrebenswert.

Diese Ziele und Inhalte kommen der aktuellen Schülersituation – In-sich-zurückziehen, evtl. Leistungsverweigerung – sehr entgegen, wenn sich die Schüler mit den ihnen übertragenen Aufgaben identifizieren können und auch persönliche Befriedigung und Anerkennung erreichen.

9. Jahrgangsstufe R

Zwei Projekte stehen wahlweise in Kooperation zwischen Al, GtB und KtB bzw. Al, HsB und KtB im Vordergrund: "Wohnen – Wunsch und Wirklichkeit" oder "Schüler testen Waren und Dienstleistungen".

Das vierstündige Fach, von Schüler/innen selbst gewählt, ermöglicht vermehrt Eigenverantwortung beim Arbeiten. Es kommen auch Fragestelllungen aus der Arbeitswelt zum Tragen. Die Projektarbeit gewährleistet Nähe zur Realität.

Das Handlungsfeld "Haushalt/Ernähren" lässt in der 9. Jgst. vielfältige, der Klassensituation angemessene Themenstellungen zu, die schwerpunktmäßig auf Verbraucherschutz und Verbraucheraufklärung ausgerichtet sind.

Besonders positiv für die Schüler/innen sind die Informationen zur Fragestellungen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Sozialpflege in Verbindung mit aktuellen Ereignissen in HsB.

Das Handlungsfeld "Soziales Handeln" schließt u.a. die Begegnung mit außerschulischen Personengruppen ein; das bedeutet für die Schüler mehr Erfahrung im Umgang mit Menschen als gute Vorbereitung für ihre Arbeitswelt.

"Nutzen des Computers zur Informationsbeschaffung" ist für die Schüler/innen wohl keine Schwierigkeit mehr, weil Erfahrungen aus früheren Jahrgangsstufen und anderen Fächern vorhanden sind. Bei der Gestaltung der Projekte erweitern die Schüler ihre Fähigkeiten des eigenständigen Arbeitens in der speziellen Struktur.

Besonders hilfreich für Schüler und Lehrer erweist sich die Auflistung von Grundwissen und Kernkompetenzen. Gemeinsam mit dem Lehrer können die Schüler als Prüfungsvorbereitung ihren "Standort" feststellen und entsprechend arbeiten.

Die Aussagen zum Schüler – Besonderheiten, entwicklungspsychologische Aspekte – erleichtern die Überlegungen zur Unterrichtsgestaltung.

Lehrpläne für HsB – M

Besonders betont wird hier das Herausstellen von Zusammenhängen und diesbezügliches lehrperspektivisches Vergleichen und Beurteilen. Es soll mehr Über- und Weitblick bei den Schüler/innen erreicht werden, ebenso differenzierte Kritik- und Urteilsfähigkeit. Die Handlungsfelder und Lernbereiche entsprechen dem HsB-Lehrplan der Regelklassen, Zielsetzung und Inhalte sind anspruchsvoller und verstärkt auf Selbständigkeit und Berufsorientierung ausgerichtet. Die allgemeine Tendenz für die Jgst. 7 – 9 im Vergleich zu den R-Klassen ist damit dargelegt.

Jahrgangsstufe M 10

Im Mittelpunkt steht hier unter Leitung des Faches Arbeitslehre das Gründen und Betreiben einer Schülerfirma. Sie stellt eine besondere Form des Unterrichts dar und motiviert stark. Hier haben Schüler mit schwierigen Verhaltensweisen die Möglichkeit, aus eingefahrenen Mechanismen im Klassenverband auszubrechen und neue, situationsadäquate Handlungsmodelle zu zeigen.

Die geforderten Handlungsfelder und Lernbereiche werden punktuell einbezogen.

Als hilfreich für Schüler und Lehrer ist auch hier wieder die Auflistung von Grundwissen und Kernkompetenzen als gezielte Prüfungsvorbereitung zu sehen.

Dieser Lehrplan ist wohl durchdacht und an der Realität entlang mit vielen positiven Neuerungen konzipiert.

13. EVANGELISCHE RELIGIONSLEHRE

Der Fachlehrplan stellt eine gelungene Weiterentwicklung des Lehrplans aus dem Jahr 1997 dar. In überzeugender Weise wird darin die aktuelle Lebenswirklichkeit mit der biblischen Tradition verknüpft. Dadurch können die Schülerinnen und Schüler wesentliche Elemente ihres Glaubens vertiefend erarbeiten und in ihrer Relevanz für das eigenen Leben erfahren.

Neben der Betonung einer ganzheitlichen Unterrichtsgestaltung sind die Kooperation mit dem katholischen Religionsunterricht sowie das umfassende Aufgreifen interreligiöser Themen positiv zu würdigen.

Das erhöhte Anforderungsniveau des Mittlere-Reife-Zuges wird in angemessener Form berücksichtigt.

Stellungnahme des BLLV vom 20.02.2004


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