2. März 2015

Stellungnahme des BLLV zum 10-Punkte-Plan: Inklusive Schule in Bayern

Zu den Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats zur Entwicklung eines landesweiten Unterstützungssystems für die inklusiven Schulen

 

Seit zwei Jahren, seit dem 01.02.2013, läuft das „Begleitforschungsprojekt inklusive Schulentwicklung (B!S)“ und ist – neben dem Leitfaden „Profilbildung inklusive Schule“ – ein weiteres Unterstützungssystem für die Schulen, die sich auf inklusive Reformen einlassen möchten. Schon nach einem Jahr hat der Wissenschaftliche Beirat vorgeschlagen, einen bayerischen Aktionsplan „Inklusive Schule“ zu entwickeln und konkrete Empfehlungen in Form eines 10-Punkte-Plans erarbeitet. Aus Sicht des BLLV ist für viele Lehrkräfte und Schulleiter/innen die Umsetzung der Inklusion im Schulbereich ein großer Belastungsfaktor.

 

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) fordert weitere, verstärkte Leistungen des Freistaats, um Schulen  auf ihrem Umsetzungsweg zu unterstützen. Sowohl Schulen mit dem Schulprofil „Inklusion“, als auch alle anderen Schulen mit inklusiven Angeboten (Inklusion einzelner Schüler/innen mit Unterstützung durch den MSD, Kooperations- und Partnerklassen sowie Förderzentren mit offenen Klassen für Schülerinnen und Schüler ohne Förderbedarf) brauchen dringend Verbesserungen in der Unterstützung sowie Erleichterungen in der Arbeitssituation für Lehrkräfte und Schulleitungen vor Ort.

 

Für den BLLV ist der 10-Punkte-Plan des Wissenschaftlichen Beirats ein wichtiger Ansatz, der von den Verantwortlichen in Politik und Schulverwaltung konsequenter als bisher für die Gestaltung der Inklusion an den Schulen genutzt werden sollte. Wir können alle Empfehlungen aus dem 10-Punkte-Plan mittragen und haben in unserem Leitantrag auf der BLLV- Landesdelegiertenversammlung 2011 inhaltsgleiche Forderungen gestellt (vgl. Anlage):

  1. Einrichtung von Beratungsstellen für die inklusive Schulentwicklung
  2. Entwicklung von Fortbildungsmodulen für die verschiedenen Förderschwerpunkte und Schulformen
  3. Weiterentwicklung der personellen Ausstattung der Schulen mit sonderpädagogischen Lehrkräften
  4. Verlässlicher Einsatz von weiteren Fachkräften, wie z.B. Einsatz von heilpädagogischen Förderlehrkräften
  5. Öffnung der Förderschulen und-zentren für alle Schüler/innen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf und intensivere Kooperation mit den allgemeinen Schulen
  6. Einbezug von Eltern in den Prozess der inklusiven Schulentwicklung
  7. Mehr Öffentlichkeitsarbeit zur inklusiven Schule
  8. Inklusionsorientierter Unterricht als Thema in allen Lehramtsstudiengängen und in der zweiten Ausbildungsphase
  9. Jährliche Veröffentlichung von Daten der amtlichen Schulstatistik zur inklusiven Schulentwicklung
  10. Entwicklung eines detaillierten Aktionsplans „Inklusive Schule in Bayern“ mit Arbeitsaufträgen und Verantwortlichkeiten

Diese Empfehlungen sind in einem Bericht zum ersten Beauftragungszeitraum des Wissenschaftlichen Beirats schon im Januar 2014 veröffentlicht, konkretisiert und ausformuliert worden. Der BLLV bedauert sehr, dass diese Empfehlungen aber von den Verantwortlichen noch nicht in ausreichendem Maße umgesetzt worden sind bzw. dass der Öffentlichkeit noch nicht einmal konkrete Pläne
oder Ideen für die Umsetzung vorliegen.

 

Der BLLV fordert von der Schulpolitik ein professionelles Projektmanagement zur Umsetzung der wichtigen Empfehlungen, mit einem durchdachten Projektplan und einer realistischen Zeitschiene. Die Einrichtung eines Wissenschaftlichen Beirats ist aus unserer Sicht nur sinnvoll, wenn die Ergebnisse auch Anlässe für Entscheidungen und Handlungen liefern. Der Handlungsbedarf ist sehr groß. Die meisten allgemeinen Schulen sind immer noch nicht mit ausreichenden personellen, materiellen, organisatorischen oder räumlichen Ressourcen ausgestattet, so dass der Schulalltag alle Beteiligten vor große Probleme stellt. Vorbehalte und Ängste sind daher immer noch vorhanden. Der BLLV verfolgt aber das Ziel, dass Barrieren für das Lernen und die Teilhabe von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf identifiziert und abgebaut werden. Nur so können bei allen Beteiligten gegenseitiges Verständnis und Wertschätzung wachsen.

 

Der BLLV fordert daher, den Wünschen und Bedürfnissen der Kolleginnen und Kollegen an den Schulen nach deutlich kleineren Klassen für Inklusion, besseren Möglichkeiten für Teamteaching und mehr Zeit für die Zusammenarbeit mit Sonderpädagog/innen, zu entsprechen. Wir möchten nicht, dass inklusive Reformen zur Belastung für die Gesundheit von Lehrkräften und Schulleitungen werden und aus diesem Grund scheitern.

 

Wir richten diesen Brief an Sie als Mitglied der Interfraktionellen Arbeitsgruppe Inklusion des Bayerischen Landtags. Wie Sie wissen, hat der BLLV die Einrichtung dieser interfraktionellen Arbeitsgruppe nachhaltig begrüßt. Die Umsetzung der Inklusion nach der Vereinbarung der UN-Behindertenrechts­konvention ist eine große Herausforderung, die alle Beteiligten langfristig fordert. Die Bemühungen, hier über die Fraktionsgrenzen hinweg zu gemeinsamen Lösungen zu gelangen, können einen wichtigen Beitrag zur Erreichung dieser Ziele leisten.

Die zukünftige Arbeit der interfraktionellen Arbeitsgruppe wird sich auch daran messen lassen müssen, wie weit und wie schnell die weitere Umsetzung der UN-Behindertenkonvention sowie des 10-Punkte-Plans des Wissenschaftlichen Beirats gelingt. Der BLLV bietet hierfür gerne seine Unterstützung an.

 

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Wir erlauben uns dieses Schreiben folgenden Personen zur Kenntnis zu geben:

  • Damen und Herren Abgeordneten im Ausschuss für Bildung und Kultus
  • Herrn Staatssekretär Georg Eisenreich
  • Frau Ministerialrätin MRin Tanja Götz, Stabsstelle für Inklusion (SI)
  • Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats Inklusion

 


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