8. Dezember 2015

Situation der Verwaltungsangestellten an staatlichen Schulen

Petition des BLLV an Landtagspräsidentin Barbara Stamm am 8.12.2015

 


Petitum

Die Situation der Verwaltungsangestellten an staatlichen Schulen in Bayern bedarf dringend einer Entlastung durch mehr Arbeitszeit und eine Aufwertung der Tätigkeit durch bessere Bezahlung.

Der BLLV fordert, die Zuteilungsrichtlinien kurzfristig mit Blick auf die aktuellen Probleme anzupassen und zu verbessern sowie die durch die Einführung der neuen Entgeltordnung entstandenen Nachteile auszugleichen.

 

Begründung:

In den letzten Jahren hat es zwar immer wieder Verbesserungen für die Situation der Verwaltungsangestellten gegeben, die allerdings nur zu geringen Entlastungen geführt haben. Gleichzeitig wurden immer wieder neue Aufgaben auf die Schulen und damit auch auf die Schulsekretariate übertragen. Als Beispiel nennen wir die Belastungen der offenen Ganztagesklasse, die Belastung der Verwaltungsangestellten bei Einführung von ASV und die Belastung bei der Aufnahme und verwaltungstechnischen Betreuung von Kindern und Eltern mit nichtdeutscher Sprache (Asylsuchende und Flüchtlinge).

 

Ganztagsklassen:

Unsere Verwaltungsangestellten berichten von deutlichen Belastungen durch offene Ganztagesklassen: Beim Bildungsgipfel 2009 wurde vereinbart, dass die Kommunen die Verwaltung der offenen Ganztagsklassen verantwortlich übernehmen. Dies ist in den allermeisten Fällen nicht umgesetzt. Leidtragend sind die Verwaltungsgestellten, die – im Interesse der Schüler/innen – deutlich mehr Arbeit leisten. Besonders belastet sind die Beschäftigten mit Teilzeitarbeitsverträgen (1/4-, 1/3-, und Halbtags-Verträge).

 

Amtliche Schulverwaltung:

Pilotschulen und Einführungsszenarien des neuen Schulverwaltungsprogrammes ASV führen zu großem Unmut in den Büros der bayerischen Schulen. Schulleitungen übernehmen die Aufgabe und erhalten hierfür berechtigt Anrechnungsstunden. Verwaltungsangestellte erledigen diese Aufgabe, trotz Ihrer geringen Arbeitszeit (je nach Größe der Schule), ohne irgendeine Stundenerhöhung. Also noch zum täglichen Arbeitspensum dazu.

 

Aufnahme und Begleitung nichtdeutscher Kinder (und Eltern):

Seit den Sommerferien 2015 hat sich auch an vielen Schulen durch die Aufnahme von Kindern nichtdeutscher Sprache (Flüchtlinge, Asylsuchende), der Aufwand deutlich erhöht. Die Verwaltungsangestellten erleben in der täglichen Arbeit, dass die Sprache bei Aufnahme der Kinder ein riesiges Problem ist. Außerdem fallen vermehrt Telefonate mit Bildung-und-Teilhabe-Stellen, Ausländerbehörden, Asylberatung usw. an. Die Verwaltungsangestellten versuchen etwa mit Hilfe von Online-Übersetzungsangeboten (z.B. Google Translator) Fragen oder Anweisungen in arabische Sprache und Schrift zu übersetzen. Alles zum üblichen Arbeitsaufwand dazu.

Der Alltag nach Aufnahme dieser Schüler/innen verursacht ebenfalls einen deutlichen Mehraufwand: Nachsuche, wenn ein/e Schüler/in unentschuldigt fehlt, Nachfragen bei Behörden bei Klassenfahrten, Abrechnung von eigens angeschafftem Unterrichtsmaterial etc. – und das alles ohne eine weitere Stunde Anrechnung.

Wir könnten diese Liste noch erheblich erweitern: jahrgangskombinierte Klassen und die damit oft verbundene Arbeitszeitreduzierung, Flexklassen, Inklusionsklassen, Schulen mit Spezialisierung (z.B. Kunstgrundschulen) etc.

 

Eingruppierungsrichtlinien:

Sehr großen Unmut neben all diesen täglichen arbeitsbedingten Problemen äußern die Verwaltungsangestellten zum Entgeltanspruch seit Einführung der neuen Eingruppierungsrichtlinien des TV-L:

Mit Übergang auf den TV-L ist den Verwaltungsangestellten an Grundschulen der Aufstieg in die Entgeltgruppe 5 verwehrt, was faktisch eine geringere Bewertung der Tätigkeit darstellt. Durch die Ablösung des BAT können sie nicht mehr wie vorher BAT 7, heute E5, erreichen, da der Bewährungsaufstieg abgeschafft worden ist. 

Bitte leiten Sie die Petition an den zuständigen Fachausschuss weiter und informieren Sie mich über den geplanten Termin der Behandlung dieser Petition im Fachausschuss. Teilen Sie mir bitte die Namen der Berichterstatter/innen vorab mit. Für eventuelle Rückfragen oder ergänzende Gespräche stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Anhang: Unterschriftenliste

Pressemitteilung des BLLV vom 28.1.2016

___________________________________________

 

Der Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes hat die Petition mit über 15.000 Unterstützerinnen und Unterstützern am 26.4.2016 beraten. Die CSU-Mehrheit hat beschlossen, sie der Staatsregierung als „Material“ zu überweisen (vgl. § 80,3 der GO des Landtags).


Suche

Im Blickpunkt

Reformkonzept

Kinderhaus Casadeni