10. Juni 2011

Weiterentwicklung der Mittelschule

Schreiben des BLLV-Präsidenten an Herrn Staatsminister für Unterricht und Kultus am 10.6.2011

Für Ihr Schreiben vom 13. Mai, mit dem Sie auf unsere Rückmeldungen zur Weiterentwicklung der Hauptschule zur Bayerischen Mittelschule antworten, bedanke ich mich herzlich.

Erlauben Sie mir, dass ich zu einigen der darin angesprochenen Aspekte vertiefende und klarstellende Anmerkungen mache.


1. Zur Projektprüfung:

Sie weisen in Ihrem Schreiben darauf hin, dass Projektarbeit bereits im Lehrplan von 2004 verankert sei und daher von einer überstürzten Einführung nicht die Rede sein könne. Zwar wird die Projektmethode spätestens seit 2004 in den Hauptschulen praktiziert, jedoch nicht in der durch die Prüfung geforderten Form. Aus unserer Sicht entscheidend ist, dass die betreffenden Materialien des ISB zu Anlage und Durchführung der Projektprüfung erst sehr spät veröffentlicht und ins Netz gestellt wurden. Ebenso halten wir einen einmaligen Probelauf für die Implementierung eines völlig neuen Prüfungstyps, der auch organisatorisch nur sehr aufwendig durchzuführen ist, als zu wenig.

Ich bedaure, dass Sie die von uns an Sie weitergeleiteten Erfahrungen der Schulen als „schwer nachvollziehbar“ zurückweisen. Diese Einstellung widerspricht meiner Auffassung nach dem Charakter einer Testphase, deren Sinn es ja gerade sein soll, aus den rückgemeldeten Erfahrungen über Schwierigkeiten und Probleme korrigierende Verbesserungsvorschläge zu destillieren. Wir verstehen unsere Wortmeldung als einen konstruktiven Beitrag für eine erfolgreiche Umsetzung dieser von uns prinzipiell sehr positiv eingeschätzten Neuerung.

Diese neue projektorientierte Prüfungsform stellt die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt und weist damit den Weg zu einem veränderten Lern- und Leistungsverständnis, das der BLLV seit langem fordert.

2. Zur Aufnahme in den M-Zug:

Ich möchte nochmals betonen, dass der BLLV nicht in Frage stellt, dass die bisher praktizierte Regelung verbesserungswürdig ist. Wir halten eine Neukonzeption durchaus für sinnvoll

und sind gerne bereit, uns daran konstruktiv zu beteiligen. Allerdings kritisieren wir die jetzt gefundene Regelung als nicht zielführend und bitten daher, sie nochmals zu überdenken.

Der BLLV kritisiert nicht, wie von Ihnen unterstellt, dass der grundsätzliche Beschluss einer solchen Prüfung zu kurzfristig bekannt gegeben worden sei, sondern, dass die konkreten Modalitäten, wie diese Prüfung abzuhalten sei, ausgesprochen kurzfristig und nicht immer eindeutig durch zwei aufeinanderfolgende KMS kommuniziert wurde. Das letzte der beiden Schreiben, in dem offensichtlich Unklarheiten und offene Fragen des ersten Schreibens nachjustiert werden mussten, fiel in zum Teil bereits laufende Prüfungen, die dadurch in bestimmten Fällen hinfällig geworden sind.

Nochmals erklärt der BLLV seine grundsätzliche Bereitschaft bei Überlegungen zu alternativen Verfahren konstruktiv mitzuwirken. Aber wir halten ein ständiges Verändern von einzelnen Stellschrauben nicht für sinnvoll.


3. Zur (erweiterten) vertieften Berufsorientierung:

Sie schreiben, dass Sie die von uns kommunizierte einhellige Ablehnung der Neuerung „nicht nachvollziehen“ können. Dazu möchte ich feststellen, dass wir, vorwiegend von Seiten der Schulleiter, ausschließlich kritische Rückmeldungen zu der geplanten Neuregelung erhalten haben. In meinem Schreiben vom 15.4.2011 übermittelte ich Ihnen dieses Ergebnis einer Mitgliederbefragung. Da kein einziges der sich auf die erweiterte vertiefte Berufsorientierung beziehenden Schreiben, die uns erreicht haben, eine positive Würdigung enthielt, ist eine Zusammenfassung der Rückmeldungen als „einhellige Ablehnung“ nicht nur nachvollziehbar, sondern zwingend geboten.

Auch Ihrer Aufforderung, unsere Aussagen auf der BLLV Homepage zu ändern, nach der bisher kostenlos angebotenen Maßnahmen nun als teuer einzukaufende Module angeboten werden, kann ich nicht nachkommen. So entspricht das Modul 8, für das im betreffenden KMS Kosten von annähernd 3000 EURO für eine Gruppe mit 15 Teilnehmern veranschlagt werden, einem bisher kostenlosen Angebot der Handwerkskammer.

Ich begrüße es außerordentlich, dass Sie in Ihrem Schreiben ankündigen, sich im Gespräch mit der Regionaldirektion zu bemühen, die Verfahren so schlank wie möglich zu halten und den Bedürfnissen der Schulen möglichst entgegen zu kommen. Auch Ihre Ankündigung, dass weiterhin individuelle Projekte durchgeführt werden können, wird von Seiten des BLLV begrüßt. Wir bestärken Sie darin, die auf Grund der Vergaberichtlinien notwendige Neustrukturierung so zu gestalten, dass auch weiterhin regional angepasste und erfolgreiche Konzepte praktiziert werden können.

Zusammenfassend stelle ich noch einmal fest, dass die von uns kritisierte Eile und Überstürzung bei der Einführung die jeweiligen konkreten Ausführungsbestimmungen betrifft, die eine konkrete Umsetzung erst planbar machen. So wird uns von Seiten vieler Schulleiter berichtet,  dass zu den kritisierten Neuerungen keinerlei Dienstbesprechungen stattgefunden hätten.

Der BLLV betont nochmals seine prinzipielle Unterstützung für Verbesserungen an den Haupt- und Mittelschulen. Wir appellieren an Sie, die von uns an Sie weitergeleiteten Rückmeldungen von Lehrkräften und Schulleitern sowohl als Hilferuf der Betroffenen als auch als konstruktive Hilfestellung aus konkreter Erfahrung zur kontinuierlichen Verbesserung der zur Diskussion stehenden Maßnahmen zu verstehen. Der BLLV ist bereit zur konstruktiven Mitarbeit und bittet Sie, die Wahrnehmung der Lehrkräfte und Schulleiter nicht pauschal zurück zu weisen, sondern ernst zu nehmen.

Selbstverständlich stehe ich jederzeit für ein Gespräch über die angesprochenen Themen bereit.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Wenzel


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