22. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA

Hilfen für unsere Kinder: Traumata überwinden, friedliches Zusammenleben fördern

Die verheerenden Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA haben die Welt erschüttert. Die Gewalttaten lösten bei Erwachsenen wie Kindern Fassungslosigkeit und Entsetzen aus.

Kinder können diese Bilder der Auslöschung des Lebens tausender unschuldiger Menschen noch weniger als Erwachsene selbstständig verarbeiten. Sie können die grausamen Ereignisse weder begreifen noch einordnen. Sie reagieren mit diffuser und ohnmächtiger Angst. Je jünger Kinder sind, desto mehr Mühe haben sie, zwischen virtueller Gewalt von Videospielen und realer Gewalt in Nachrichten und Dokumentationen des Fernsehens zu unterscheiden. Die Ankündigung eines "Krieges" gegen den Terrorismus provoziert bei Kindern weitere Ängste.

Über diese akuten Traumata hinaus ist zu befürchten, dass das kulturell bereichernde Zusammenleben und -lernen von deutschen und ausländischen Kindern in unseren Schulen gefährdet wird. Vorschnelle und pauschale Schuldzuschreibungen bieten zwar vermeintliche Orientierung, machen aber alle Angehörigen islamischer Kultur und Religion zu Unrecht zum Inbegriff des Bösen. Die jahrelangen Integrationsbemühungen an unseren Schulen dürfen nicht in Frage gestellt werden. Unsere Kinder brauchen ein Gemeinwesen, in dem sich unterschiedlichste Nationalitäten, Religionen und Kulturen mit Toleranz und Respekt begegnen. Unsere Kinder brauchen eine Zukunft in Frieden und Freiheit.

Der BLLV fordert dazu auf:

Eltern und Lehrer müssen den Kindern helfen, die traumatisierenden Terroranschläge geistig und seelisch zu verarbeiten. Kinder brauchen jetzt Erklärungen, um ihre Ängste zu bewältigen und Orientierungen, um wieder Zuversicht zu gewinnen.

Alle - Staat, Medien und jeder Einzelne - sind in der Pflicht, für Menschenwürde und demokratische Werte, für Toleranz und Respekt einzustehen. Bildung darf nicht verengt verstanden werden als reines Fakten- und Handlungswissen. Bildung muss vielmehr an die Werte der Humanität gebunden sein, um nicht gegen die Menschen missbraucht zu werden.

Schulen in Deutschland müssen ein Ort der interkulturellen Bildung sein und die Begegnung der verschiedenen Kulturen und Religionen in besonderem Maße fördern. Die konsequente Achtung von Menschen anderer Kulturen und Religionen ist die Grundlage unseres Zusammenlebens.

Islamischer Religionsunterricht muss an den öffentlichen Schulen unter staatlicher Aufsicht erteilt werden. Religiöse Unterweisungen von Kindern und Jugendlichen in islamischen Vereinen und Einrichtungen dürfen nicht für antidemokratische Indoktrination missbraucht werden.

Helfer- und Partnersysteme zwischen deutschen und ausländischen Kindern in der Schule stärken die unmittelbaren persönlichen Beziehungen. Interkulturelle Netzwerke sind verlässliche Einrichtungen gegen das Aufkeimen von Vorurteilen und für das friedliche Zusammenleben aller.

Schule und Lehrerschaft bedürfen für ihre Integrationsaufgaben pädagogischer und organisatorischer Unterstützung durch die Schulpolitik.

Deutsche Eltern sind aufgefordert, gemeinsam mit ihren Kindern ausländerfeindlichen Stimmungen entgegen zu treten. Ausländische Mitbürger sind aufgerufen, ihre Kinder vor fanatischen islamistischen Gruppen und deren Einflüssen zu schützen.

Es liegt in der Verantwortung aller in Gesellschaft und Politik, ausländerfeindlichen Aktivitäten im Sog des Terrors Einhalt zu gebieten.

Einstimmig beschlossen vom BLLV-Landesvorstand am 22. September 2001


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